Macht. Verantwortung. Führung. Das sind die neuen Vokabeln in Petra Westmeiers Leben. Anfang des Jahres wurde sie zur Abteilungsleiterin in einem mittelständischen pharmazeutischen Unternehmen ernannt. Sie entscheidet jetzt über den Kauf neuer Produktionsanlagen und darüber, wann ihre Mitarbeiter in den Urlaub fahren dürfen. Mitarbeiter wohlgemerkt, die bis vor kurzem noch völlig gleichberechtigt neben ihr arbeiteten.
Jetzt ist Westmeier Chefin. Und sie versucht bis heute herauszufinden, wie diese Rolle am besten auszufüllen ist.
"Ich wollte auf keinen Fall plötzlich autoritär auftreten", sagt Westmeier über ihren ersten Tag in der neuen Position. Gut so, meint Uwe Gremmers, Autor des Buches "Neu als Führungskraft. So werden Sie ein guter Vorgesetzter": "Wer sich auf einen Schlag anders verhält, wirkt nicht mehr authentisch. Das hält man nicht lange durch." Gremmers erzählt von einem jungen Chef, der am ersten Tag im Armani-Anzug in die Firma kam - "der war völlig deplatziert".
Das Wichtigste ist nach Auffassung von Gremmers gar nicht, wie man auftritt, sondern was man sagt. "Setzen Sie sich mit Ihrem Team zusammen, sprechen Sie über die neue Rolle. Machen Sie klar, was das Unternehmen von Ihnen erwartet." Werde man dabei von einem Kollegen nicht ernst genommen, müsse man das Gespräch unter vier Augen suchen. "Formulieren Sie höflich und mit Wertschätzung, wie Sie sich die Zusammenarbeit wünschen."
"Jetzt bin ich der Chef"
Auch Führungskräfte-Coach Hans-Jörg Schumacher rät zu klärenden Gesprächen. "Nur weil man sich schon kennt, heißt das nicht, dass man keine neuen Absprachen treffen muss." Man solle die Mitarbeiter fragen, was sie erwarten, und sagen, was man selbst von ihnen erwarte. "Der größte Fehler ist, sich mit ihnen zu verbrüdern", so Schumacher. "Wenn sich etwa eine Führungskraft dafür entschuldigt, dass er jetzt Chef ist. Oder wenn er in einer Problemsituation lässig signalisiert: Ist doch nicht so schlimm, für dich drücke ich auch mal zwei Augen zu."
Ein weiteres Tabu: Mit den anderen am Kopierer stehen und tratschen oder lästern. "Eine Führungskraft braucht professionelle Distanz, um auch kritisieren zu können. Es ist jetzt eine Grenze da, Sie haben Macht, und die dürfen Sie nicht negieren. Sie sollten sie aber natürlich auch nur dosiert einsetzen", rät Schumacher.
Petra Westmeier fällt es manchmal schwer, mit dieser neuen Macht umzugehen. "Eben noch saß ich in Teamsitzungen als eine von vielen, jetzt erwarten alle, dass ich die Richtung vorgebe. Da habe ich oft noch Hemmungen." Westmeier bespricht solche Situationen mit ihrem Coach. Neulich erzählte sie ihm von einem Mitarbeiter, der patzig wurde. Sie hatte dem Mann eine Aufgabe zugeteilt, die ihm nicht gefiel. Er reagierte gereizt.
Der Arbeitstag wird deutlich länger
Als Kollegin hätte Westmeier gesagt: "Komm mal wieder runter." Als Vorgesetzte sagte sie: "Wenn du das nächste Mal so mit mir redest, wird das Konsequenzen haben." Sie hat ihre Macht genutzt - weil es für die Produktivität der Abteilung notwendig war. Vom Coach gab es dafür ein Lob.
Doch Westmeiers neue Rolle beinhaltet auch, Vorbild zu sein. "Mir ist es wichtig, pünktlich zu Besprechungen zu kommen, gut zuzuhören, Absprachen einzuhalten - nur dann kann ich es schließlich auch von den anderen erwarten." Auch will sie Entscheidungen nicht immer allein treffen. Wenn sie fachlich nicht ganz im Bilde ist, fragt sie auch mal: "Was würde aus deiner Sicht passieren, wenn ich mich für A oder B entscheide? Und wofür würdest du votieren?"
Ein wenig ist es, als bestünde sie aus mehreren Persönlichkeiten: der klug abwägenden Entscheiderin, der Zuhörerin, der Durchgreifenden, die klare Worte finden muss. Sie motiviert, moderiert, gibt Ziele vor und kritisiert, wenn diese nicht eingehalten werden. Sie verteidigt Einzelne ihrer Abteilung vor anderen, wird ständig angerufen, angefragt, sitzt in unzähligen Meetings. Und vor allem: Sie arbeitet etwa zehn bis zwölf Stunden jeden Tag, das ist deutlich mehr als vorher.
"Früher konnte ich sagen: Das geht auch ohne mich, das soll eben der Chef machen", sagt Westmeier. "Jetzt aber bin ich der Chef."
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Gilt aber nicht für leitende Führungskräfte. Aber ansonsten sind diese 10-12 Stunden pro Tag natürlich vollkommmener Quatsch. Vielleicht in den ersten drei Monaten, wenn man sich noch einarbeitet und die neuen Themen [...] mehr...
Was bei diesem Thema auch sehr gerne vergessen wird: §3 ArbZG Arbeitszeit der Arbeitnehmer: Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert [...] mehr...
"Sie entscheidet .... wann ihre Mitarbeiter in den Urlaub fahren dürfen" Was soll das denn??? Bei mir entscheidet der Mitarbeiter selbst, wann er/sie in den Urlaub fährt. Das organisiert er selbst, u.a. mit seiner [...] mehr...
Die Arbeitszeit ist ja nur ein Kriterium. Sie sagt nichts über die Qualität der geleisteten Arbeit aus. Sicher bin ich allerdings auch, dass mit zunehmender und permanenter Stundenüberlastung die Kreativtät sinkt. Bis zu einem [...] mehr...
... arbeitet jetzt 10 bis 12 Stunden am Tag, eh? Kann nur sagen "been there, done that - and it was not a good idea". Nun ist leider die "Fuehrungskultur" in Deutschland so, und wer lange Stunden im Buero [...] mehr...
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