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04.08.2010
 

Plädoyer für Härte im Job

Nicht geschimpft ist Lob genug

Strengste Disziplin: Sollte ein Chef immer nur freundlich mit den Mitarbeitern sprechen?Zur Großansicht
Corbis

Strengste Disziplin: Sollte ein Chef immer nur freundlich mit den Mitarbeitern sprechen?

Disziplin und Kontrolle statt Eigenverantwortung und netter Worte: Nur so kann eine Firma im Wettbewerb bestehen, glaubt Sachbuchautor Roland Springer. Im manager-magazin-Interview erklärt er, warum Chefs ihre Mitarbeiter streng erziehen sollten - und warum liberale Führungsmodelle gescheitert seien.

Frage: Herr Springer, warum muss man Erwachsene noch erziehen?

Springer: Weil wir uns in der Wirtschaft auf verschärften Wettbewerb einstellen müssen. Die Anforderungen werden immer komplexer, die Konkurrenz immer kostengünstiger. Unternehmen brauchen effiziente und fehlerlose Prozesse, wenn sie da mithalten wollen. Und wenn an diesen Prozessen Menschen beteiligt sind, dann ändert man nur mit Disziplin etwas. Die Mitarbeiter müssen genau definierte Standards einhalten: welches Auftragsformular wie auszufüllen ist, welche Information wann weitergegeben werden muss. So vermeidet man Fehler, die zu Zeitverlust und höheren Kosten führen.

Frage: Aber muss man gleich von Erziehen sprechen?

Springer: Wenn sich die Mitarbeiter falsche Verhaltensweisen angewöhnt haben, dann muss man sie umerziehen. Das gehört zum lebenslangen Lernen dazu, ob es einem gefällt oder nicht.

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Frage: Klingt autoritär...

Springer: Autoritär war die Führungskultur in den sechziger Jahren. Dahin will ich nicht zurück. Früher bekam man Vorgaben und hatte danach zu arbeiten. Heute müssen die Regeln mit den Mitarbeitern zusammen entwickelt werden. Denn nur die haben ja im Detail das Wissen, wie die Prozesse funktionieren. Das liberale Führungsmodell, das in den letzten 20, 30 Jahren galt - laufen lassen und hoffen, dass der Mitarbeiter aufblüht - das funktioniert in der heutigen Wirtschaftswelt nicht mehr.

Frage: Also müssen die Mitarbeiter an die kurze Leine?

Springer: Es geht darum, Standards zu trainieren und auf ihre Einhaltung zu achten. Jogi Löw macht die ganze Zeit nichts anderes. Damit sein Fußballteam unplanbare Prozesse beherrschen kann, schaut er sich jeden einzelnen Spieler an: Spielt der die Freistöße oder die Flanke so, wie er sie spielen soll? Das akribische, fehlerfreie Arbeiten muss sitzen.


Frage: Und wie bringt man es den Mitarbeitern bei, die Standards einzuhalten?

Springer: Indem man Grundsätze formuliert und beispielsweise systematisch auf Ordnung und Sauberkeit hinweist. Und indem man immer wieder deutlich macht, dass die Einhaltung dieser Standards der Geschäftsführung sehr wichtig ist. Leider ist es vielen Führungskräften unangenehm, hinter ihren Mitarbeitern her zu sein. Das lernen die in ihrer Ausbildung auch nicht. In den Curricula von Führungskräfteschulungen in Deutschland werden Sie nicht einmal das Wort "Disziplin" finden.

Frage: Würden Sie behaupten, den Mitarbeitern gefalle Disziplin?

Springer: Wenn erst einmal die Probleme auf den Tisch kommen und dann Regeln für den Umgang damit entwickelt werden - dann sind viele regelrecht begeistert. Denn sie haben ja zuvor immer die Probleme ausbaden müssen. Viele Mitarbeiter ärgern sich jeden Tag, wenn die Dinge nicht funktionieren. Ich habe noch nie erlebt, dass größere Teile der Belegschaft sich gegen mehr Disziplin stellen. Dass eine verschärfte Kontrolle zu Problemen führt, das kann natürlich passieren. Aber Fußballtrainer werden ja auch nicht immer nur freundlich mit ihren Mitarbeitern sprechen. Da geht es auch mal richtig zur Sache.

Frage: Vertrauen ist also von gestern und Kontrolle besser?

Springer: Unter den heutigen Bedingungen: ja. Ich bin felsenfest davon überzeugt: In den Investmentbanken weiß die rechte Hand nicht, was die linke tut. Auch das ist ein Grund für die Finanzkrise. Die haben nicht nur die Produkte nicht mehr verstanden, sondern auch die Prozesse. Natürlich muss eine Führungskraft auch selbst Disziplin an den Tag legen und nicht nur kontrollieren. Eine Führungskraft, deren Büro ein Sauladen ist, muss nicht anfangen, von Ordnung und Sauberkeit zu reden.


Das Interview führte Marike Frick für manager-magazin.de

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