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09.08.2010
 

Journalistenschulen

Wissenstest und Glaubensfragen

Von Birger Menke und Christoph Titz

Journalistenschule: Münchner Gottesfurcht, Kölner Wirtschaft
Fotos
ifp

Eine Journalistenschule mit Schwerpunkt auf Wirtschaft oder eine, die den richtigen Glauben als Eingangsvoraussetzung verlangt? Sowohl die Kölner Journalistenschule als auch das ifp in München sind auf ihre Art speziell. Allerdings bilden auch sie Profis aus - und prüfen ihre Neuzugänge hart.

Wer vom Beruf Journalist träumt, denkt an ein Leben als Reporter, an einen Job, bei dem einem der Wind um die Nase bläst, voller Abenteuer und Überraschungen.

Aber wie sieht es aus mit Bilanzpressekonferenzen? Mit der Deutung von Ebitda und Passiva? Wirtschaftsjournalisten sollten schon Feuer und Flamme für Zahlen sein, aber sie müssen heute weit mehr leisten, als Fakten weiterzutragen.

Längst haben die Wirtschaftsressorts aller Medien neben den Pflichtnachrichten die Kür im Programm: Ihre Journalisten schreiben über Erfolgsgeschichten von Unternehmern oder über den Niedergang von Firmen, analytisch dabei und doch packend erzählt. Wer das kann, ist gefragt, denn Wirtschaftskundige, die Ahnung haben und zugleich gut schreiben und recherchieren können, sind selten.

Entsprechend hochangesehen ist die Kölner Journalistenschule für Wirtschaft und Politik. Bis vor wenigen Jahren schickte sie ihre Schüler noch zu einem Pflichtpraktikum auf einen Bauernhof, um die kleinstmögliche wirtschaftliche Einheit kennenzulernen.

Die Zeiten sind zwar vorbei, doch noch immer werden an keiner deutschen Journalistenschule so viele Redaktionspraktika absolviert. Auch das Auswahlverfahren ist etwas anders: Zur Bewerbung müssen die Kandidaten ihre "Vorstellungen vom Journalismus" niederschreiben und einen Lebenslauf schicken. Reportage und weitere Schreibtests verfassen die glücklichen Eingeladenen dann in einem dreitägigen Assessment Center - zu dem ein kniffliger Wissenstest gehört.

Wissens-Quiz

Corbis
Mit mehreren Dutzend Fragen aus Geschichte, Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien prüfte die Kölner Journalistenschule ihre Bewerber im Frühjahr 2010. Es ging um Top-Themen des vergangenen Jahres, aber auch um Fakten zu Ereignissen, die lange zurückliegen. Wir zeigen eine Auswahl der Fagen: Wie viel hätten Sie gewusst?

Weil grundsolide Wirtschaftsjournalisten ausgebildet werden sollen, studieren sie parallel zur Schule Volkswirtschaftslehre und im Nebenfach Politik. Vier Jahre dauert das, dann werden die Jungjournalisten mit dem Schulzertifikat und einem VWL-Bachelor entlassen. Das Programm ist umfangreich, denn neben Schule und Studium müssen die Kölner sieben Praktika in vier Jahren abreißen. Kein Problem, sagt dazu Schülerin Kim Bode: "Wir sind nicht zimperlich!"

Eine ebenfalls grundsolide Ausbildung, allerdings mitfinanziert von der katholischen Kirche, bietet das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Die Zugangshürden sind streng. Wer hier lernen will, muss ein Abitur mitbringen, eine harte Eingangsprüfung überstehen - und außerdem noch katholisch sein.

Das evangelische Pendant zum ifp, die Berliner EJS, sieht die Glaubensfrage nicht so eng, aber in München gilt Katholischsein als Ausbildungsvoraussetzung. "Keine Ausnahmen", sagt auch Isolde Fugunt, die Studienleiterin der Stipendiaten. Gut ist das für die römisch-katholischen Bewerber, denn viele andere können sich von vornherein gar nicht um einen der 15 Plätze bemühen. Am ifp gilt es somit bei Reportage, Bewerbungsgespräch und Schreibübung nur 70 bis 100 Konkurrenten auszustechen.

Sehen lassen kann sich die Nachbarschaft des kleinen, sehr gut ausgestatteten Instituts. Einen Steinwurf von der Isar und nahe dem Schwulen-Stadtteil Münchens, dem Glockenbachviertel, ist für Weltoffenheit in der Nachbarschaft der katholischen Journalistenschmiede gesorgt.

Und die Namen der Ehemaligen stellen ein hübsches Who-is-Who der Branche dar: Vom ernsten Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung" über die unernste "Wetten, dass...?"-Ikone Thomas Gottschalk, bis zu den SPIEGEL-Redakteuren Klaus Brinkbäumer und Jürgen Dahlkamp, sowie die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios Bettina Schausten - sie alle haben am ifp gelernt.

Und wie gehen die Schüler mit den konfessionellen Trägern und dem Eingangskriterium Katholizismus um? Dominik Peters, Student aus dem aktuellen Jahrgang, sagt pragmatisch: "Wir sind katholisch, aber nicht vom Mond."

Journalistenschulen

Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft

Teilnehmer: jährlich 20

Bewerber: rund 80

Dauer: vier Jahre

Kosten/Vergütung: Studiengebühren in Abhängigkeit vom Elterneinkommen (0 bis 2000 Euro pro Semester) / keine Vergütung

Voraussetzungen: Abitur; Höchstalter 24 Jahre


Kölner Journalistenschule - Aufnahme, Ausbildung, Absolventen

Insitut zur Förderung publizistischen Nachwuchses, München

Evangelische Journalistenschule, Berlin

Zeitenspiegel Reportageschule, Reutlingen

Deutsche Journalistenschule (DJS), München

Henri-Nannen-Schule, Hamburg

Axel-Springer-Akademie, Berlin

RTL-Journalistenschule für TV und Multimedia, Köln

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
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10.08.2010 von derbuchheimer: Journalistenschulen sind ein Witz

Wenn ich sehe wie über 50 % aller Artikel und Meldungen ungeprüft und ohne Hinterfragung von Nachrichtenagenturen in Zeitungen übernommen oder oftmals nur schlecht abgeschrieben werden,frag ich mich für was man [...] mehr...

09.08.2010 von zynik: privatmeinung

http://www.freitag.de/2004/49/04490502.php Die beiden letzten Abschnitte sind recht interessant. Da wird zwar von Missbrauch und "hätten die Zustimmung verweigert" schwadroniert, allerdings stellt sich schon die [...] mehr...

09.08.2010 von sappelkopp: Sorry...

...ein Beleg wäre schön, oder soll ich Ihre Äußerung als Privatmeinung - und damit als irrelevant - bewerten? mehr...

09.08.2010 von Geuil: Interessant...

Interessant, können Sie das durch irgendetwas belegen? mehr...

09.08.2010 von frank_lloyd_right: Formulierschulen...

...die Inhalte sind nicht wichtig (ich meine, GOTT ?)- aber wie man sie interessant macht. das fleischgewordene Sommerloch... es ist ja eigentlich das ganze Jahr über da. Daseinszweck des Journalisten ist es heute, die [...] mehr...

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