ThemaUniversitätenRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
30.08.2010
 

Exzellenzinitiative

Wer wird Forschungs-Millionär?

Von Frank van Bebber

Elite-Unis: Das Finale der Exzellenzinitiative
Fotos
DPA

Anfang September müssen die Anträge für die neue Exzellenzinitiative abgegeben werden. Erneut ringen Deutschlands Unis dann um viele Millionen Euro und begehrte Elite-Titel. Der Wettbewerb hat das Wissenschaftssystem belebt. Doch viel Zeit zum Genießen bleibt auch den Siegern nicht.

Der Erfolg beim Führen einer Universität stellte sich früher langsam ein. In nur einem einzigen Moment berühmt zu werden oder den Ruf zu verlieren, war Sportlern oder Sängern vorbehalten. Heute ist das anders. Heute kann sich das Schicksal von Universitätspräsidenten an einem einzigen Tag entscheiden - immer dann, wenn die Gewinner der Exzellenzinitiative bekannt gegeben werden.

An einem Tag Mitte Juni 2012 werden die Gutachter im Elite-Wettstreit ihre Entscheidung fällen. In wenigen Tagen, am 1. September, müssen die Unis ihre Antragsskizzen eingereicht haben. Im April hatten 66 Universitäten 247 neue Vorhaben avisiert. Hinzu kommen 85 Projekte aus der ersten Runde, die sich um eine Fortsetzung bemühen: 39 Graduiertenschulen, 37 Exzellenzcluster und neun Elite-Universitäten. In den anstehenden Entscheidungen geht es um öffentliche Anerkennung und darum, wie weitere 2,7 Milliarden Euro bis zum Ende der zweiten Förderperiode 2017 verteilt werden. Das sind noch einmal 0,8 Milliarden Euro mehr als in Runde eins.

Ob die Summe viel ist oder wenig, darüber ließe sich zwar trefflich diskutieren. Nur führt das nicht weiter. Die Frage ist eher, ob das Geld richtig investiert wird. "Die Exzellenzinitiative ist als Instrument sehr gut", sagt der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Prof. Dr. Peter Strohschneider. "Wann hat es zuvor so viel Wirkung mit so wenig Geld gegeben?" Die Einschätzung teilen viele. So spricht die Politikwissenschaftlerin Dr. Dagmar Simon vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin (WZB) von den selbstverstärkenden Effekten der Exzellenzinitiative. "Die Exzellenzinitiative ist derzeit die Reputationsmaschine", sagt Simon, Leiterin der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik am WZB.

duz-Interview

DPA
"Keine Etiketten auf Dauer"

Ist die Exzellenzinitiative eigentlich gerecht? Prof. Dr. Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, erklärt im Interview mit der Zeitschrift "duz", warum er die Chancengleichheit gewahrt sieht - und warum bisherige Elite-Unis durchaus etwas zu verlieren haben.
Andere gehen weiter. Für sie wird in dieser Runde darüber entschieden, wer zur Spitze gehört, wenn in sieben Jahren der letzte Euro des Exzellenzwettbewerbs ausgegeben ist. So motiviert der Rektor der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Hans Peter Liebig, seine Professoren zum Antragschreiben, indem er prophezeit: Nach dem Auslaufen der Exzellenzinitiative würden die aufgebauten Kapazitäten weiter erhalten bleiben. Die dazu nötigen Mittel würden dann an anderer Stelle aus der Hochschulfinanzierung gekürzt. "Es zeigt sich also, welche große Bedeutung das erfolgreiche Bestehen in der Exzellenzinitiative für die Universität hat", sagt Liebig.

Das läuft positiv formuliert auf das hinaus, was Kritiker monieren, wenn sie vom Matthäus-Prinzip sprechen: Wer hat, dem wird gegeben. Wer 2017 Exzellenz-Profiteur ist, wird es lange bleiben. Manche Unis haben ihre Position bereits im Wortsinn auf Jahre betoniert: Baukräne kreisen über den Exzellenz- Hochschulen. Forscher vor die Tür zu setzen, kurz nachdem sie ihre Labors bezogen haben - dem Steuerzahler wäre das kaum zu vermitteln.

"Ich denke, wir können nicht endlos Exzellenzinitiative machen"

Solche langfristigen Folgen hatte der Soziologe und Elitenforscher Prof. Dr. Michael Hartmann von der TU Darmstadt bereits vor Jahren beschrieben: "Die Exzellenzinitiative wird jene Differenz zwischen Elite und Massenhochschulen in den nächsten Jahren als real erst schaffen, die festzustellen sie jetzt vorgibt." Einer der bekanntesten Kritiker der Exzellenzinitiative, der Bamberger Soziologie Prof. Dr. Richard Münch, warnte kurz darauf vor einem Verdrängungsprozess, wenn Forschung an privilegierten Standorten konzentriert wird.

Aber auch die Fans der Exzellenzinitiative denken längst über 2017 hinaus. Im vergangenen Jahr preschte als erster der baden-württembergische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg (CDU) vor. "Ich denke, wir können nicht sozusagen endlos Exzellenzinitiative machen", sagte er, noch bevor die zweite Runde des Wettbewerbs richtig begonnen hatte. Dabei räumte auch er ein, dass die bis 2017 getroffenen Entscheidungen die Zukunft mitprägen werden: Die Exzellenz-Einrichtungen dürften nach Abschluss der Initiative nicht allein gelassen werden. Das investierte Geld wäre sonst verschwendet.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
31.08.2010 von udippel: Forschungs-Millionär - Die Dritte Welt

Da muss ich mal das kleine Messer nahmen, ich mache sowas nämlich auch, allerdings nicht in unserem geliebten Heimatland. Und wenn das hier ähnlich abgeht - effektiv sogar schneller und leichter - habe ich mich bis dato immer [...] mehr...

30.08.2010 von hansmeisterdermeister: --

Wie wäre es mal Universitäten zu fördern, die besonderes in der Lehre leisten??? Forschung ist ja schön und gut, darf auch gerne gefördert werden, aber die Lehre an einer Uni ist doch wohl das A und O oder nicht?! mehr...

30.08.2010 von kfp: Schweinezyklus...

Und sogar im Falle des Erfolgs heißt das, dass für ein paar Jahre lang Geld fließt, aber danach vermutlich nicht mehr... So produziert massig wissenschaftlichen Nachwuchs, aber noch weniger langfristige Stellen, mit denen dieser [...] mehr...

30.08.2010 von Klo: Wir leben in Absurdistan

Sie haben absolut recht, aber ich darf Sie dennoch korrigieren: Übermorgen ist lediglich der Abgabeschluß der Antragsskizze, nachdem vor Monaten bereits eine Antragsstellungsbekundung eingereicht wurde, damit die DFG genügend [...] mehr...

30.08.2010 von Klo: Es gibt keine Exzellenz und das ist gewollt.

Unsere Anträge sind natürlich längst fertig und auf Englisch übersetzt. Kurioserweise müssen die Anträge nämlich in einer Fremdsprache eingereicht werden, weil ausländische Gutachter herangezogen werden. Das dumme ist nur, dass [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
alles aus der Rubrik Job & Beruf
alles zum Thema Universitäten

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Gefunden in...

duz - Deutsche Universitätszeitung
Magazin für Forscher und Wissenschaftsmanager
Heft 9/2010

Inhaltsverzeichnis

Heft bestellen

www.duz.de




Social Networks

Entdecken Sie außerdem UniSPIEGEL auf...




TOP



TOP