Die Wirtschaftsjunioren Deutschlands (WJD), ein Verband junger Unternehmer unter 40 Jahren, ist gegen ein anonymes Bewerbungsverfahren, wie es große deutsche Unternehmen ab Herbst testen wollen. Eine Mitgliederbefragung hatte ergeben, dass sieben von zehn Mitgliedern des Unternehmerverbandes anonyme Bewerbungen ablehnen, teilte der Verband am Dienstag mit.
Ein gutes Drittel der Verbandsmitglieder hielt anonymisierte Bewerbungsverfahren für nicht praktikabel, erklärten die WJD am Dienstag. 39 Prozent fanden, anonyme Bewerbungen seien nicht notwendig, weil Arbeitgeber auch jetzt schon allein anhand der Qualifikation entschieden. Jeder Zehnte gab an, anonymisierte Bewerbungen seien "grundsätzlich gut", aber für kleine Unternehmen zu aufwendig. Lediglich 14 Prozent der Befragten unterstützten die Idee uneingeschränkt.
Forscher hatten mehrfach belegt, dass Bewerber mit gleichen Anforderungen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft diskriminiert werden. Bei einer verdeckten Untersuchung reichte ein ausländisch klingender Name aus, um die Bewerberchancen messbar zu reduzieren.
Das Verfahren, bei dem Arbeitgeber nur anhand der Qualifikation über die Eignung des Bewerbers entscheiden, soll Diskriminierungen aufgrund des Alters, des Geschlechts, der Nationalität oder der ethnischen Herkunft reduzieren. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände hatte den Vorstoß der Antidiskriminierungsstelle kritisiert. Durch anonymisierte Bewerbungen würden die Bemühungen um Vielfalt in den Belegschaften sogar konterkariert, weil nicht mehr gezielt Frauen oder Bewerber mit ausländischen Wurzeln eingeladen werden könnten.
cht/AFP
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