Von Stephan Thomas
Man muss nicht ins Ausland gehen, um als Entwicklungshelfer zu arbeiten. Sven Brieger ist 28 Jahre alt und hat in diesem Jahr sein Politikstudium abgeschlossen. Seit Anfang 2010 arbeitet er als Sachbearbeiter beim Evangelischen Entwicklungsdienst (EED). Dort vermittelt er Fachkräfte für Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika, in Ozeanien, Südosteuropa und im Kaukasus - vom Schreibtisch aus, in einem Büro in Bonn.
Als Erasmus-Student war Sven Brieger schon im polnischen Wroclaw, kann also Auslandserfahrung vorweisen. Doch statt als Fachkraft im Ausland zu arbeiten, sitzt er in einem Büro in Deutschland und sieht die weite Welt nur auf der Karte hinter sich an der Wand. Seinen Inlandseinsatz sieht er ganz pragmatisch: "Ich arbeite hier, um nach dem theoretischen Studium praktische Erfahrung im Bereich Entwicklungszusammenarbeit zu sammeln." Vielleicht klappt es ja später einmal mit dem Sprung über die Landesgrenze.
Berufserfahrung ist wichtig für einen Einstieg in die Entwicklungshilfe. Die meisten Studenten haben aber noch nicht in einem festen Beruf gearbeitet, wenn sie ihr Studium beenden. Die fehlende Praxis lässt sich aber durch andere Qualifikationen ausgleichen, mit Auslandsaufenthalten, Assistenzen oder Fortbildungskursen.
Ein hoher Aufwand, der sich allerdings lohnt. Das haben Kathrin Berensmann und Tilmann Altenburg in ihrer Studie "Berufschancen für deutsche Hochschulabsolventen in der Entwicklungszusammenarbeit" herausgefunden. Beide Autoren arbeiten beim Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. Altenburg ist gelernter Wirtschaftsgeograf, er leitet die Abteilung "Wettbewerbsfähigkeit und soziale Entwicklung". Co-Autorin Berensmann hat in Wales und Würzburg Volkswirtschaftslehre studiert und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin.
Nur 100 freie Auslands-Stellen
In der Studie listen die beiden Autoren auf, wie viele Hochschulabsolventen in der internationalen Entwicklungsarbeit gebraucht werden. Die gute Nachricht dabei ist: Der Bedarf ist in den letzten fünf Jahren gestiegen. Liest man weiter, entdeckt man die weniger gute Nachricht: Für Hochschulabsolventen gibt es nur etwa 100 freie Stellen jährlich. Hinzu kommt, dass die meisten davon zeitlich befristet sind.
So auch bei dem Programm "Beigeordnete Sachverständige" der Bundesregierung. In diesem Förderprogramm werden Nachwuchskräfte für zwei bis drei Jahre zu internationalen Organisationen entsandt. Pro Jahr gibt es 40 freie Plätze, Bewerber sollten einen Hochschulabschluss mitbringen und fließend Englisch sprechen. Und auch hier wird Berufserfahrung vorausgesetzt.
Wenn die Regierung ein Projekt in der Entwicklungszusammenarbeit plant, ist meistens die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) für die praktische Durchführung zuständig. Die GTZ entsendet Fachkräfte in die ganze Welt. Die Organisation bietet auch Praktika für Studenten an, sowohl im Inland als auch im Ausland. Sie weist jedoch auf ihrer Website darauf hin, dass die Chancen auf einen beruflichen Einstieg über ein Praktikum bei der GTZ eher gering seien.
Auch der Freiwilligendienst der Uno führt kaum einen Teilnehmer zu einer Festanstellung. Dieses Programm kann zwischen sechs und zwölf Monaten dauern und bietet Interessierten einen ersten Einblick in den Beruf "Entwicklungshelfer". Wer sich bewerben möchte, sollte gute Sprachkenntnisse in Französisch, Englisch oder Spanisch mitbringen. Außerdem wird ein abgeschlossenes Studium und mindestens zweijährige Berufserfahrung vorausgesetzt
Es geht auch anders
Laut Claudia Pivaral, die in der Personalabteilung der Uno in Bonn arbeitet, nützt es immerhin bei Bewerbungen, wenn man die Teilnahme an dem Programm "UN Volunteers" nachweisen kann. "Die meisten wollen einfach einmal die Erfahrung machen, als Fachkraft im Ausland zu arbeiten. Danach entscheiden sie sich für einen ganz anderen Beruf im Inland." Auch Tilmann und Altenburg stellen in ihrer Studie fest, dass die Arbeit als Fachkraft im Ausland "oft nur ein Abschnitt einer Karriere in der Entwicklungszusammenarbeit ist, die ansonsten im Inland stattfindet".
Das muss allerdings nicht bedeuten, dass es nicht auch anders geht, wie Christoph Weber beweist. Er arbeitet für die GTZ in der Republik Moldau. Dort ist der 56-Jährige Teamleiter des Projektes "Modernisierung der moldauischen Agrarwirtschaft". Weber erklärt seine Berufswahl: "Ich wollte nie einen reinen Bürojob machen, das wusste ich schon, als ich damals Agrarwissenschaft studiert habe."
Danach hat er sich bei der GTZ beworben und kam so zu seiner Stelle. Heute arbeitet er seit seit über 30 Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit. Davon war er die seltenste Zeit im Inland tätig. Und am Schreibtisch saß er kaum.
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klar dass das der traumjob fuer gewisse leute ist: das geld ausgeben dass andere sauer verdient haben und der staat unter dem namen "steuern" gestohlen hat und dabei auch noch auf dem hohen ross der moralinsauren [...] mehr...
Christoph Weber verkoerpert also den Traumberuf Entwicklungshelfer bei der GTZ und sitzt nur manchmal am Schreibtisch ... das gibt es einfach nicht. Gerade die soeben noch einmal bei den MDG Treffen laut geforderte [...] mehr...
Naja, mag sein. Jedoch ist es doch bei den meisten Ausschreibungen so, dass eine "mehrjährige entwicklungspolitische Praxiserfahrung" gefordert wird, um ins Ausland zu kommen. Ein Kernproblem der deutschen [...] mehr...
Über die Ableistung von Auslandspraktika bei Hilfsorganisationen findet man in der Regel immer einen Einstieg. Ob als Student oder als Absolvent, auch bezahlte Auslandspraktika sind immer zu finden. Eine richtig gute Übersicht [...] mehr...
Das hört sich ja interessant an. Viele vergessen jedoch, dass das Leben in der Ferne nachteile hat. Kaum ein Entwicklungshelfer hat eine funktionierende Familie, die Scheidungsrate ist extrem hoch und die ewige Umzieherei geht [...] mehr...
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