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Ablösesummen für Professoren Das Millionenspiel

Fußballstar Cristiano Ronaldo (bei seiner Vorstellung 2009 in Madrid): Für 94 Millionen Euro wechselte er zu Real - Ablösesummen halten jetzt auch Einzug in die WissenschaftZur Großansicht
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Fußballstar Cristiano Ronaldo (bei seiner Vorstellung 2009 in Madrid): Für 94 Millionen Euro wechselte er zu Real - Ablösesummen halten jetzt auch Einzug in die Wissenschaft

Unterhändler, Geheimabsprachen, Ablösesummen in Millionenhöhe - im internationalen Profifußball ist das völlig normal. Und jetzt schachern auch Hochschulen mit viel Geld um die besten Köpfe. Ein Verfall der Sitten oder der Beginn einer neuen Zeit? Das Hochschulmagazin "duz" gibt Antworten.

Es gibt in der Wissenschaft nicht viele Grundgesetze. Die wenigen aber haben Gewicht. An sie hält man sich, und das über Rektoren- und Professorengenerationen hinweg. Umgeschrieben wird der Kanon akademischer Sitten und Traditionen jedenfalls so gut wie nie. Geschieht es dann doch, ist das eine Sensation. Wie jetzt.

Die Rede ist vom Berufungsverfahren. Genauer, von den dazu gehörenden Verhandlungen. Üblicherweise beginnen sie, nachdem die Berufungskommission die Topanwärter auf den Posten in der sogenannten Dreierliste benannt hat. Die Gespräche bestehen aus zwei Teilen: den Berufungsverhandlungen und den Bleibeverhandlungen.

Den Auftakt der Berufungsverhandlungen macht der Rektor oder Kanzler der Hochschule, die den jeweiligen Professor engagieren will. Am Ende dieser Verhandlungsrunde steht ein schriftliches Angebot. Es ist Schlüssel und Basis für die sogenannten Bleibeverhandlungen. Diese leitet der "gerufene" Professor ein. Er führt sie mit dem Rektor seiner Heimathochschule, um dieser die Chance zu geben, den Ruf abzuwehren und für sich ein besseres Angebot herauszuschlagen.

Ruf, Verhandlung, Rückverhandlung, Entscheidung: Diese Verfahrensschritte hatten im deutschsprachigen Raum über Jahrzehnte hinweg Bestand. Und so hatte sie natürlich auch der Münsteraner Marketingprofessor Dr. Manfred Krafft im Kopf, als er im vergangenen Herbst mit dem Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien, Prof. Dr. Christoph Badelt, verhandelte. Und erkannte: Der Wiener Rektor geht anders vor. Er telefoniert, schickt Mails, nennt Summen und beschreibt Ausstattungsvolumina. Nur eines spart er sich im Programm: das schriftliche Angebot mit Unterschrift.

"Das ist die Zukunft, und sie hat schon angefangen"

Eine Irritation, eine Dreistigkeit oder ein Zeichen von Unseriosität? Alles falsch, sagt Manfred Krafft heute: "Das ist die Zukunft, und sie hat schon angefangen." Tatsächlich ist Badelt nicht der erste Rektor im deutschsprachigen Raum, der aus dem bisherigen Muster ausschert. Vielmehr zeigt das Verhalten des Wiener Rektors eine Entwicklung an, die nicht allen in der Hochschulszene schmeckt und die viele als Verfall der akademischen Sitten brandmarken. Die Sache ist nur: An dem Trend kommt keiner mehr vorbei. Als logische Folge der Hochschulautonomie ist er zudem unumkehrbar, denn natürlich können sich autonome Hochschulen nicht um Konventionen scheren, wenn diese ihren Lauf behindern.

Es ist so einfach wie im Fußball: Wer im nationalen und internationalen Wettbewerb punkten will, muss die bestmöglichen Spieler für sich gewinnen - egal wie. Da werden Unterhändler losgeschickt, Geheimverträge aufgesetzt und Ablösesummen in zweistelliger Millionenhöhe gezahlt. Fast 100 Millionen Euro überwies Real Madrid im vergangenen Sommer an Manchester United, um Cristiano Ronaldo zu sich nach Spanien zu holen. In der Öffentlichkeit führte der Millionentransfer zu heftigen Schlagzeilen, bei Insidern zu Seufzern der Ratlosigkeit. "Das ist nicht mehr meine Welt", sagte Fußball-Legende Günter Netzer.

Die Preisschraube dreht sich weiter

Natürlich lassen sich Hochschulen nicht wirklich mit Fußballclubs vergleichen. Auch mögen Professorengehälter in Deutschland im Vergleich zu den Millionenverdiensten eines Champions-League-Spielers ein Witz sein. Doch ob nun im Hochleistungsbetrieb Sport oder in der Wissenschaft - der Schlüssel zum Erfolg ist das Recruitment. In Wissenschaft und Forschung gelingt das nicht nur, aber zunehmend eben auch mit sehr viel Geld.

Das wissen Rektoren so gut wie Politiker und Wirtschaftsunternehmer. Nicht selten helfen heute alle zusammen, um einen Coup wie etwa den Wechsel des international umworbenen Batterieforschers Prof. Dr. Martin Winter von der Universität Graz nach Münster im Jahr 2008 zu landen. Damals legten gleich mehrere Firmen zusammen, um Winters Stiftungsprofessur für fünf Jahre mit 2,25 Millionen Euro zu finanzieren. Weitere 30 Millionen Euro nehmen dazu noch die Universität Münster und mehrere Landesministerien in die Hand. Ein Laborgebäude und ein daran angeschlossenes Technikum sollen Münster zum Mekka der Autobatterieforschung machen.

Das Beispiel zeigt: Wer in Forschung und Innovation den großen Wurf plant, nimmt in den Technik- und Naturwissenschaften heute durchaus Summen in die Hand, die im oberen Preissegment der Bundesliga verhandelt werden. Der FC Bayern München und der VfB Stuttgart einigten sich beim Transfer von Top-Stürmer Mario Gomez im vergangenen Jahr auf eine Ablösesumme von 30 Millionen Euro. Ein Rekord in der bundesdeutschen Vereinsgeschichte. Die Preisschraube dreht sich nach oben - im Sport wie in der Wissenschaft.

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kmgeo 29.03.2010
Sicherlich ist es gut und richtig, auch an den Universitäten und Fachholschulen Wettbewerb einziehen zu lassen; allerdings ist hierbei in ersten Linie zu fragen, ob dies ein neues Element in der Wissenschaftslandschaft und ob [...]
Sicherlich ist es gut und richtig, auch an den Universitäten und Fachholschulen Wettbewerb einziehen zu lassen; allerdings ist hierbei in ersten Linie zu fragen, ob dies ein neues Element in der Wissenschaftslandschaft und ob dieser Wettbewerb auch in allen Bereichen der Universitäten und Fachholschulen gilt. Es ist nämlich ganz erstaunlich und eigentlich nicht verständlich, warum überall bestehende Barrieren zur Durchläasigkeit des Arbeitsmarktes durchbrochen werden, nur an den Universitäten noch ein Relikt früheren Regulierungswahn Bestand hat: Es ist doch grundsätzlich zu fragen, warum im gesamten öffentlichen Dienst und der privaten Wirtschaft Beschäftigungsverhältnisse verlängert werden können und somit eine lange Institutionen/Betriebszugehörigkeit erreicht werden kann, jedoch an den Universitäten Regelungen greifen, die festlegen, wann ansonsten hochqualifizierte Mitarbeiter, in die die Universitäten viel Geld zur Promotion und Habilitation gesteckt haben, nicht mehr beschäftigbar sind: Die 6+6 Jahres Regel ist ein Anachronismus, der unbedingt abgeschafft werden muss. Nur dann kann man auch dem Wettbewerb der Universitäten um die besten Professoren zustimmen.
Oliver Rauhut 29.03.2010
Obwohl es sicherlich wünschenswert ist, den Universitäten größere Freiheiten bei Berufungen (und insbesonders auch bei Bezahlung und Ausstattung von Spitzenforschern) zu geben, gibt es bei dieser zunehmenden Marktorientierung der [...]
Obwohl es sicherlich wünschenswert ist, den Universitäten größere Freiheiten bei Berufungen (und insbesonders auch bei Bezahlung und Ausstattung von Spitzenforschern) zu geben, gibt es bei dieser zunehmenden Marktorientierung der Universitäten doch einige Aspekte, die ich bedenklich finde. Wie in dem Artikel bereits angesprochen, wird eine Universität natürlich überwiegend aus Steuergeldern bezahlt und hat somit recht begrenzte Mittel zur Verfügung. Das bedeutet somit auch, dass, wenn ich viel Geld für einen Spitzenforscher an einer Stelle ausgebe, ich dieses Geld woanders wieder einsparen muss - und damit die Gefahr besteht, dass Fächer, deren "Sichtbarkeit" und vielleicht auch "gesellschaftliche Bedeutung" von den Beteiligten als gering eingestuft werden, besonders stark zur Ader gelassen oder gleich ganz abgeschafft werden. Dies bedeutet letztendlich hauptsächlich eine Ausdünnung der Grundlagenforschung (soweit sie gerade nicht in Mode ist) und somit ein Verlust von Kompetenzen, die in der Zukunft wichtig werden könnten (wer kann jetzt schon mit Sicherheit bewerten, was in 30 Jahren oder so eine zukunftsweisende Forschungsrichtung sein mag? Und wenn man den Zug einmal verpasst hat, hinkt man später ewig hinterher). Daneben fördert dieses System eine Kommerzialisierung der Wissenschaft, die ohnehin bereits im Gange ist. Viele Entscheidungsträger an den Unis sehen bereits jetzt insbesonders diejenigen Forschungsrichtungen als besonders förderungswürdig an, die für ihre Forschung viel Geld benötigen und somit also viel Programmpauschalen einbringen. Dies führt bereits jetzt dazu, dass häufig in Berufungsverfahren Kandidaten bevorzugt werden, die vielleicht nicht einmal absolute Spitzenforschung betreiben, aber eben viel Geld einwerben, während andere Forscher, die vielleicht höchst innovative, aber eben "billige" Ansätze verfolgen, aussen vor bleiben. Dies wird sich sicher verschärfen, wenn die Uni darauf achten muss, dass sie auch die ausgegebenen Berufungsgelder irgendwie wieder reinholen muss! Schöließlich ist immer auch noch die Frage, was denn den Ausschlag gibt, einen neuen Professor einzustellen. In den ganz überwiegenden Fällen ist dies sicherlich die Forschungsrichtung und die Verdienste in der Forschung; lehre wir meist kaum oder gar nicht beachtet. Und was nützt es mir, wenn ich zwar einen absoluten Forschungs-Superstar an meiner Uni sitzen habe, der zwar (bis er von woanders ein höheres Angebot kriegt) im Bereich der Wissenschaft große Verdienste anhäuft, es aber nicht vermag, seine Expertise an Studenten weiterzugeben? Hochschulen sollten ja nicht zuletzt auch Bildungseinrichtungen sein und bleiben... Wie gesagt, mehr Wettbewerb ist sicher wünschenswert und, in gewissem Umfang, förderungswürdig, aber eine Universität rein nach den Gestzen des Marktes zu führen, halte ich für äusserst bedenklich - das ist letztendlich der Bildung und Forschung in deutschland insgesamt nicht dienlich!
seligerweise 29.03.2010
Man muss bedenken, dass die aktuelle Situation vor dem Hintergrund der neu eingeführten W Besoldung von Professoren erfolgt. Diese wurde eingeführt, um Leistungsanreize bei Professoren setzen zu können. Dazu wurden die Bezüge [...]
Man muss bedenken, dass die aktuelle Situation vor dem Hintergrund der neu eingeführten W Besoldung von Professoren erfolgt. Diese wurde eingeführt, um Leistungsanreize bei Professoren setzen zu können. Dazu wurden die Bezüge im Durchschnitt gegenüber dem alten C Besoldungssystem um 25% gesenkt. Altersabhängige Besoldungserhöhungen wurden abgeschafft. Ein Professor verdient also von seiner Berufung bis zur Pensionierung dasselbe (bzw. die faktische Besoldung sinkt, weil die Tarifsteigerungen in der Beamtenbesoldung nicht die Inflation ausgleichen). Diese massive Veränderung wurde damit begründet, dass die eingesparten Mittel dazu genutzt werden sollen, Zulagen zu den Bezügen zahlen zu können, die dann eben nicht mehr abhängig vom Alter, sondern von der Leistung des Professors sein sollen. Berufungsverhandlungen sind eine der wenigen Situationen, in denen Professoren überzeugend zu ihren Gunsten mit der Hochschulleitung verhandeln können. Nun könnte man aber auch meinen, die um 25% gesenkten Bezüge und die altersunabhängige Bezahlung reichen doch aus. Darüber kann man streiten. Ein Hochschullehrer hat, bevor er mit 35-45 Jahren berufen wird, eine sehr fordernde, risikoreiche Karriere auf befristeten Stellen mit Promotion, Habilitation, Auslandsaufenthalten etc. hinter sich. Die Besoldung sollte die Qualifikation, den Einsatz und das Risiko widerspiegeln. Zumindest sollte die Besoldung innerhalb des Öffentlichen Dienstes vergleichbar sein. Was verdient ein lediger Professor nach Grundgehalt in Bayern? W2 Professor: 3.492 € Netto. W3 Professor: 3.991 € Netto. Von diesen Bezügen muss noch die Krankenversicherung bezahlt werden. Ein Gymnasiallehrer (A13, Studienrat) verdient in Bayern ab dem 45. Lebensjahr mehr als ein W2 Professor. Der Professor hat hinter sich: - Ein Prädikatsexamen - Eine Prädikatspromotion. Bis zur Promotion arbeitet er bestenfalls auf einer halben Stelle - Eine Habilitation Und die Rektoren finden es nun beschämend, dass Professoren in Berufungsverhanlungen ihre Bezüge steigern wollen?
wenn das Leistungsprinzip teuer zu werden droht, dann soll Geld nicht alles sein ? Da lache ich nur höhnisch. Erst wird mit der W-Besoldung die größte Gehaltskürzung in der Geschichte des Staatsdienstes eingeleitet. Dies auch [...]
wenn das Leistungsprinzip teuer zu werden droht, dann soll Geld nicht alles sein ? Da lache ich nur höhnisch. Erst wird mit der W-Besoldung die größte Gehaltskürzung in der Geschichte des Staatsdienstes eingeleitet. Dies auch noch mit der tatkräftigen Unterstützung des damaligen Vorsitzenden der HRK, des Kollegen Landfried, dem ich bei dieser Gelegenheit mal sagen möchte "Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber". Und jetzt soll auch noch einer der wenigen positiven Aspekte - die freie Verhandelbarkeit der Bezüge - zur Diskussion gestellt oder sonstwie be(land)friedet werden. Ich würde in der heutigen Zeit nicht noch einmal diesen Weg gehen: extremes Risiko bei schlechter Bezahlung.
Dumme Fragen 29.03.2010
v.a. wenn jemand viel publiziert hat heißt das nicht, dass er ein Gewinn für die Uni ist. Allerdings heißt es im Umkehrschluß auch nicht, dass jemand der nicht gut publiziert ein guter Lehrer ist... (in Analogie zum bekannten [...]
Zitat von Friedrich der StreitbareIch würde in der heutigen Zeit nicht noch einmal diesen Weg gehen: extremes Risiko bei schlechter Bezahlung.
v.a. wenn jemand viel publiziert hat heißt das nicht, dass er ein Gewinn für die Uni ist. Allerdings heißt es im Umkehrschluß auch nicht, dass jemand der nicht gut publiziert ein guter Lehrer ist... (in Analogie zum bekannten Spruch "Those who can, do. Those who cannot, teach") Wer nicht in der richtigen Seilschaft steckt, oder aber bei einem echten Könner das Handwerk lernt und vom MPI gleich in die Partnerarbeitsgruppe in den USA geschickt wird, sollte es garnicht erst versuchen...
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