Absagen an Bewerber: "... und auch persönlich alles Gute"

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Der Alptraum kommt im dicken Umschlag: Absageschreiben an Bewerber sind jedes Mal ein kleiner Magenschwinger. Es hilft nicht viel, aber sind sie wenigstens nett formuliert, kann das ein bisschen Mut machen. Die besten Absagen von Unternehmen wurden jetzt prämiert.

Wer hingehalten wird, hat derzeit noch Glück gehabt. Selbst große deutsche Unternehmen, die in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres noch Rekordumsätze feierten, haben in der aktuellen Wirtschaftskrise auf die Einstellungsbremse getreten. Schlechte Zeiten also für frischgebackene Absolventen und Bewerber. Oft ist für sie ein "Eisschreiben" - ein hinhaltender Brief, der um eine längere Aufbewahrung der Bewerbungsunterlagen bittet - schon das höchste der Gefühle.

Viel häufiger sind direkte Absagen. Sie werden zu Tausenden verschickt und sind oft wenig charmant verfasst: Da werden Bewerberprofile wahlweise als ungenügend oder überqualifiziert etikettiert, oder der Absolvent, der sich jeden Werktag wieder um die Mittagszeit mit zittrigen Händen zum Briefkasten schleppt, hört wochen- und monatelang gar nichts.

Bei Absagen ist die Enttäuschung groß, erst recht, wenn die Bewerber einen Brief in fiesem Verwaltungsdeutsch erhalten. Doch die Unternehmen können auch anders, manche jedenfalls - freundlich statt frostig.

Wie das klappt, zeigt eine Auswahl von mustergültigen Texten, die jetzt von der Beratungsfirma Kienbaum Communications prämiert wurden. Kienbaum kürte die besten Absagen in zwei Kategorien: Anstellungen und Ausbildungsplätze. Die Briefe zeigen, dass selbst eine Absage Mut machen kann - auch wenn die Botschaft in dem dicken Brief sicher nicht die erhoffte ist. Es sind sechs positive Beispiele für Absagen, die den Bewerber nicht ins Tal der Verzweiflung stürzen lassen sollen.

Enttäuschung light: Warten auf bessere Zeiten

Wie viele Absagen tagtäglich per Post oder E-Mail versandt werden, zeigt eine kleine Umfrage bei großen Firmen in Deutschland: Der absolute Liebling der Absolventen ist der Internet-Konzern Google. Dort gehen jeden Tag rund 3000 Bewerbungen aus aller Welt ein, sagte ein Firmensprecher SPIEGEL ONLINE. Dabei hatte der Internet-Riese schon im November angekündigt, weniger Stellen schaffen zu wollen und auf einen Großteil der freien Mitarbeiter zu verzichten.

Gerade die bekanntesten Firmen werden mit Bewerberschreiben überhäuft. In der Wirtschaftskrise hat etwa der Walldorfer Software-Entwickler SAP seine Stellenanzeigen stark reduziert und stellt aktuell gar nicht ein - trotzdem erreichen die SAP-Personaler noch immer rund 1400 Bewerbungen im Monat. Auch beim Anlagenbauer Linde sind die Bewerberzahlen krisenbedingt leicht gesunken, dennoch bearbeiten die Personaler 5000 bis 6000 Bewerbungen im Jahr.

Die Flut ist zwar nicht mehr so gewaltig wie noch vor einem Jahr, weil viele Firmen kaum mehr Stellen ausschreiben. Auch Initiativbewerber, die sich nicht gezielt melden, sondern sich ganz allgemein einem Betrieb empfehlen wollen, sind eingeschüchtert und versuchen es weniger häufig.

Trotzdem sind es noch immer Zehntausende Bewerbungspakete, die Monat für Monat auf Papier oder online in den Human-Ressources-Abteilungen eingehen. Und oft wissen die Mitarbeiter kaum mehr ein noch aus vor lauter oft guten Einsendungen, für die aber gerade kein Platz ist.

Vor diesem Hintergrund ist eine freundliche Absage viel wert, denn vielleicht gelingt es ja, denjenigen später, wenn die Zeiten wieder besser und die Einstellungssperren aufgehoben sind, für das Unternehmen zu gewinnen. Denn auch eine Absage muss den hoffnungsfrohen Empfänger nicht schon im Treppenhaus in Tränen ausbrechen lassen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 67 Beiträge
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1. das es so etwas gibt...
indosolar 03.07.2009
ist sehr gut, sicher koennen viele Bewerber ein Lied davon singen, entweder gar keine Antwort zu erhalten, momentan 70% meiner Bewerbungen oder es kommt auch schon mal vor, dass der Name bzw. das Geschlecht in der Anrede falsch geschrieben ist, aber im Text steht " nach eingehender und gruendlicher Pruefung Ihrer Unterlagen...." . Es waere mal interessant diese Art von Antworten zu veroeffentlichen. Dazu das Bonbon der Arbeitsaemter: "wir teilen Ihnen mit, dass Sie jetzt mehr Bewerbungen abrechnen koennen...", allerdings wurde die Kostenerstattung pro Bewerbung von 5 auf 3 Euro gesenkt. Es ist schon ein tolles Erlebnis, sich bewerben zu duerfen und gleichzeitig immer mal wieder als Sozialschmarotzer tituliert zu werden!
2. .
derien, 03.07.2009
heutzutage muss man ja, wie oben schon erwähnt, froh darüber sein, überhaupt eine Rückantwort zu erhalten! Da halten es manche personalbüros nicht mal für nötig, jemanden über eine Absage in Kenntnis zu setzen, so auch öffentliche Einrichtungen. ganz mies. Noch dreister finde ich die Einbehaltung von Unterlagen; da schickt man bei teuren Bewerbungsmappen einen beschrifteten Rückumschlag gleich mit und die Unterlagen landen dennoch im Müll und nicht beim Absender.
3. Was Bewerber verlangen
tomymind, 03.07.2009
Wenn man sieht was alles von Bewerbern verlangt wird und was dann zurückkommt, kann man nur froh sein bei einigen Unternehmen nicht gelandet zu sein, z.B.: - Jet-Services, keine Antwort, Stelle ist schon besetzt. Absage hätte gereicht - Synaxon, weilviele Bewerbungen eingegangen sind, muss der Bewerberkreis verkleinert werden, Stelle wird zum 4 mal bei arbeitsagentur.de ausgeschriben. Efach ein "..sie passen nicht...", aber keine dummen Lügen Unternehmen seid ehrlich nund korrekt, mehr verlangen Bewerber nicht.
4. Zurückgetreten
gsm900, 03.07.2009
nach Absaee eines deutschen Automobilherstellers war meine Antwort: Dann kaufe ich eben einen Japaner.
5. schönste Absage
Pink 03.07.2009
Die schönste Absage, die ich einmal bekam, war, als ich mich bei Artprint, der damals integrierten Layoutsiebdruckerei der Peter Schmidt Studios in Hamburg auf die Annonce "Perfekter Layout-Siebdrucker gesucht" bewarb, obwohl ich keine Ahnung hatte, was Layout-Siebdruck war. Ich stellte mich mit ein paar von mir gedruckten Autoaufklebern vor und wartete. Dann kam ein extrem bedauernder Anruf des Chefs, der mir sagte, dass er einen anderern anstellt, aber eine offene Stelle in einer anderen Firma wusste, wo ich mal anrufen sollte. Es war die Vakanz, die der zurückgelassen hatte, den er jetzt anstellte. Ich rief an, machte ein paar Probedrucke. Der Inhaber sagte, "Ja, verkaufen könnte ich das noch nicht, aber ich sehe, Sie haben Talent" und gab mir eine Chance. Ich blieb 10 Jahre.
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