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07. Februar 2012, 18:21 Uhr

Akademischer Titelkampf

Stoiber-Tochter klagt ihren Doktor ein

Sie war das erste Ziel der VroniPlag-Jäger: Veronica "Vroni" Saß, Tochter von Edmund Stoiber. Sie verlor ihren Doktorgrad, weil "erhebliche Teile" ihrer Arbeit aus Plagiaten bestehen, wie die Uni Konstanz feststellte. Jetzt will sie den Dr. zurück und hat Klage eingereicht.

Sie haben mittlerweile 17 Doktorarbeiten und eine Habilitationsschrift auf ihrer Plattform VroniPlag dokumentiert, darunter so prominente Fälle wie den der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin und der Langzeit-Plagiatsverdächtigen Margarita Mathiopoulos. Doch benannt haben die Plagiatsjäger im Netz ihre Seite nach der Autorin der ersten Dissertation, die sie in akribischer Arbeit dort überprüften: Veronica Saß, genannt Vroni.

Lange Zeit war Saß dank ihres berühmten Vaters, des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, nur Teil der bayerischen Partyprominenz. Doch ihre Doktorarbeit und die Seite VroniPlag machten sie bundesweit bekannt.

Jetzt, fast ein Jahr nach den ersten Plagiatsvorwürfen gegen Saß, eröffnet die Politikertochter die nächste Runde im Streit um ihren Doktortitel: Beim Verwaltungsgericht Freiburg hat sie gegen die Aberkennung geklagt. Das sagte eine Sprecherin der Universität Konstanz, an der Saß einst promoviert hatte. Das Gericht bestätigte lediglich den Eingang einer Klage, wollte aber den Namen der Klägerin nicht nennen.

Die Vorgeschichte: Die Plagiatsjäger hatten in der rechtswissenschaftlichen Doktorarbeit von Saß mit dem Titel "Regulierung im Mobilfunk" zahlreiche verdächtige Stellen aufgespürt, darunter abgeschriebene Passagen aus dem Internet-Lexikon Wikipedia, Textbausteine aus Pressemeldungen und paraphrasierte Abschriften aus Standardwerken. Die Uni prüfte die Vorwürfe und kam zu einem eindeutigen Urteil: Der Doktorgrad wurde aberkannt, weil "erhebliche Teile der Arbeit Plagiate darstellen", wie es in einer Mitteilung hieß.

Es dürfte schwierig werden, Argumente gegen die Aberkennung zu finden

Saß legte Widerspruch ein, die Uni prüfte erneut - und wies den Widerspruch zurück. Saß wählte den Rechtsweg, jetzt muss das Gericht entscheiden. Bislang hat Saß allerdings nur die Klage eingereicht, um die Frist zu wahren, aber sie noch nicht inhaltlich begründet, wie es aus der Uni Konstanz hieß.

Saß selbst war nicht zu erreichen. Auf eine Anfrage an die Anwaltskanzlei, in der Saß arbeitet, reagierte sie nicht. Die Anwaltskanzlei, die Saß zu Beginn des Verfahrens im Frühling 2011 engagiert hatte, will sich ebenfalls nicht äußern - und noch nicht einmal bestätigen, dass man Saß vertrete.

Es dürfte ohnehin schwer werden, Argumente zu finden, die für Saß sprechen, zu eindeutig sind die vielen Fundstellen in der Arbeit. Vor allem im fünften Kapitel sind die Ähnlichkeiten mit anderen Veröffentlichungen frappierend. "Regulierung der Mobilfunkmärkte im Einzelnen", heißt dieses Kapitel. Und vieles von dem, was da steht, steht auch anderswo - selbst im Einzelnen. Mindestens drei Aufsätze eines Hamburger Professors, allesamt früher veröffentlicht als die Dissertation, haben offenbar als Vorlage gedient. Um die Überschneidungen zu entdecken, muss man nicht einmal tief in die Texte einsteigen. Es reicht schon, die Überschriften und Zwischenüberschriften zu lesen.

Denkbar ist, dass Saß ähnlich argumentiert wie Koch-Mehrin, die sich ebenfalls juristisch gegen den Entzug ihres Titels wehrt: Die Uni habe die Mängel der Arbeit gekannt, ihr den Titel aber verliehen. Oder sie könnte versuchen, das Entzugsverfahren als solches formal anzugreifen. Bis wann das Verfahren abgeschlossen sein wird, ist unklar. An der Uni Konstanz rechnet man damit, dass man erneut Stellung nehmen muss.

otr/dapd

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