Heute geht es also wirklich los - Yang Laoshi als Solo-Lehrer, Englisch mit Achtklässlern. Als ich eine Stunde vor Unterrichtsbeginn die Nachricht erhalte, werde ich doch ziemlich nervös und bereite schnell fix eine Präsentation vor, um mich und mein Land kurz vorzustellen. Mein eigentlicher Job ist ja Deutschunterricht, da könnte ich auf Englisch wenigstens inhaltlich über Deutschland reden.
Dummerweise fällt der Strom aus, just als ich mit der Präsentation beginnen will - also analog und an der Tafel. Da Zhong, Volkswagen, ist bestimmt ein guter Aufhänger, in einer Stadt, in der kurz zuvor der dreimillionste VW vom Band gerollt war. "Kennt ihr Da Zhong?" - und siehe da, alle im Chor: "Jaaaa!"
"Was wisst ihr denn sonst noch über Deutschland?" Ich erfahre Erstaunliches. Die Schüler sind unvorbereitet, trotzdem kommen Antworten wie: "Da fanden 1936 die olympischen Spiele statt"; "Mercedes ist eine deutsche Automarke"; "Die deutsche Fußballmannschaft hat 1990 die Weltmeisterschaft gewonnen". Aber auch: "Die Menschen in Deutschland sind alle groß" - und das alles in flüssigem Englisch.
Bye bye Mr. Yang
Mit einer Karte, die ich an die Tafel gemalt habe, erklärte ich geographische Besonderheiten Deutschlands - und wie wir dort unsere Freizeit verbringen. An der See kann man schwimmen, sonnenbaden und surfen, in den Bergen wandern, skilaufen und klettern. Damit zur heutigen Einheit: "How did you spend your summer vacation?" Die häufigsten Antworten…
…aber auch…
Und schon läutet der Gong. Mir hat's Spaß gemacht. Alle hören aufmerksam zu, schreiben fleißig mit, springen sofort auf und antworten, wenn man auch nur kurz in ihre Richtung schaut. Außerdem kann auch ich hier jede Menge über China lernen und ausprobieren, was ich im Chinesischkurs gelernt habe. "Bye bye Mr. Yang", rufen alle zum Abschied.
Hurra, das strenge Komitee nickt
Jetzt aber erfahre ich, dass ein Komitee darüber beraten muss, ob ich auch weiterhin eingesetzt werde. Sechs Damen und Herren hatten in den hinteren Reihen Platz genommen und mich die Stunde über mit steinerner Miene beobachtet. Was das alles zu bedeuten hat - keine Ahnung. Ich werde angerufen, heißt es. Wahrscheinlich treffen sich jetzt alle im Videoüberwachungsraum und palavern über mein weiteres Schicksal.
Schon am Nachmittag erhalte ich tatsächlich einen Anruf: Ich soll mich im 6. Stock des Hauptgebäudes melden. Dort sagt mir die erfreute Miss Karen, dass alle meinen Unterricht für gut befunden haben und ich mich jetzt als Englischlehrer der Changchun Foreign Language School betrachten könne. Sogar ein Schreibtisch im Großraumbüro wird mir zugewiesen. Unterrichtsbeginn ist allerdings erst im Oktober nach der 60-Jahr-Feier der Volksrepublik China.
Zwischenbilanz nach der Startphase: Alles dauert seine Zeit, man braucht Geduld, und wegen meiner noch mauen Sprachkenntnisse sind mir sicher viele organisatorische Details entgangen. Deutschunterricht wird es wohl in nur sehr kleinem Umfang geben - merkwürdig, denn das ist ja der eigentliche Grund meines Aufenthalts. Egal, erst einmal rede ich auf Englisch über Deutschland: 21 Stunden in der Woche in 21 verschiedenen Klassen.
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