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Als Lehrer in China Keine Experimente, Yang Laoshi

Schule in China: Changchun für Anfänger
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Jan-Christoph Kammann

2. Teil: Yang Laoshi im Alleinflug: Also, was kleine Chinesen alles über Deutschland wissen…

Heute geht es also wirklich los - Yang Laoshi als Solo-Lehrer, Englisch mit Achtklässlern. Als ich eine Stunde vor Unterrichtsbeginn die Nachricht erhalte, werde ich doch ziemlich nervös und bereite schnell fix eine Präsentation vor, um mich und mein Land kurz vorzustellen. Mein eigentlicher Job ist ja Deutschunterricht, da könnte ich auf Englisch wenigstens inhaltlich über Deutschland reden.

Dummerweise fällt der Strom aus, just als ich mit der Präsentation beginnen will - also analog und an der Tafel. Da Zhong, Volkswagen, ist bestimmt ein guter Aufhänger, in einer Stadt, in der kurz zuvor der dreimillionste VW vom Band gerollt war. "Kennt ihr Da Zhong?" - und siehe da, alle im Chor: "Jaaaa!"

"Was wisst ihr denn sonst noch über Deutschland?" Ich erfahre Erstaunliches. Die Schüler sind unvorbereitet, trotzdem kommen Antworten wie: "Da fanden 1936 die olympischen Spiele statt"; "Mercedes ist eine deutsche Automarke"; "Die deutsche Fußballmannschaft hat 1990 die Weltmeisterschaft gewonnen". Aber auch: "Die Menschen in Deutschland sind alle groß" - und das alles in flüssigem Englisch.

Bye bye Mr. Yang

Mit einer Karte, die ich an die Tafel gemalt habe, erklärte ich geographische Besonderheiten Deutschlands - und wie wir dort unsere Freizeit verbringen. An der See kann man schwimmen, sonnenbaden und surfen, in den Bergen wandern, skilaufen und klettern. Damit zur heutigen Einheit: "How did you spend your summer vacation?" Die häufigsten Antworten…

  • In den Ferien mache ich Hausaufgaben
  • Ich wiederhole den Unterricht
  • Ich lese viel

…aber auch…

  • In den Ferien gehe ich gern einkaufen
  • Ich schaue gern Actionfilme (Jungs wie Mädchen)
  • Ich surfe im Internet und spiele Basketball
  • Wir besuchen die Verwandten (viele Schüler kommen nicht aus Changchun, sondern aus der ganzen Provinz Jilin)

Und schon läutet der Gong. Mir hat's Spaß gemacht. Alle hören aufmerksam zu, schreiben fleißig mit, springen sofort auf und antworten, wenn man auch nur kurz in ihre Richtung schaut. Außerdem kann auch ich hier jede Menge über China lernen und ausprobieren, was ich im Chinesischkurs gelernt habe. "Bye bye Mr. Yang", rufen alle zum Abschied.

Hurra, das strenge Komitee nickt

Jetzt aber erfahre ich, dass ein Komitee darüber beraten muss, ob ich auch weiterhin eingesetzt werde. Sechs Damen und Herren hatten in den hinteren Reihen Platz genommen und mich die Stunde über mit steinerner Miene beobachtet. Was das alles zu bedeuten hat - keine Ahnung. Ich werde angerufen, heißt es. Wahrscheinlich treffen sich jetzt alle im Videoüberwachungsraum und palavern über mein weiteres Schicksal.

Schon am Nachmittag erhalte ich tatsächlich einen Anruf: Ich soll mich im 6. Stock des Hauptgebäudes melden. Dort sagt mir die erfreute Miss Karen, dass alle meinen Unterricht für gut befunden haben und ich mich jetzt als Englischlehrer der Changchun Foreign Language School betrachten könne. Sogar ein Schreibtisch im Großraumbüro wird mir zugewiesen. Unterrichtsbeginn ist allerdings erst im Oktober nach der 60-Jahr-Feier der Volksrepublik China.

Zwischenbilanz nach der Startphase: Alles dauert seine Zeit, man braucht Geduld, und wegen meiner noch mauen Sprachkenntnisse sind mir sicher viele organisatorische Details entgangen. Deutschunterricht wird es wohl in nur sehr kleinem Umfang geben - merkwürdig, denn das ist ja der eigentliche Grund meines Aufenthalts. Egal, erst einmal rede ich auf Englisch über Deutschland: 21 Stunden in der Woche in 21 verschiedenen Klassen.

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insgesamt 240 Beiträge
TommIT 05.05.2009
in Indien typisch deutsch direkt aufs Thema zuzusteuern oder gar als Kontaktaufnahme zuerst ne E-Mail loszuschiessen (No go). Dann sollte man sich besser mit Geduld wappnen...mit sehr sehr sehr viel Geduld. Und Kopfnicken ist [...]
in Indien typisch deutsch direkt aufs Thema zuzusteuern oder gar als Kontaktaufnahme zuerst ne E-Mail loszuschiessen (No go). Dann sollte man sich besser mit Geduld wappnen...mit sehr sehr sehr viel Geduld. Und Kopfnicken ist keine Zustimmung und seinen deutschen Zeitbegriff sollte man schnell ablegen.
LouisWu 05.05.2009
Als ich das erste Mal nach Düsseldorf kam und sah, dass mich meine Kölner Freunde und Verwandten belogen hatten. Die hatten in Düsseldorf doch richtige Straßen und sogar elektrischen Strom, auch die Nachttöpfe wurden nicht [...]
Als ich das erste Mal nach Düsseldorf kam und sah, dass mich meine Kölner Freunde und Verwandten belogen hatten. Die hatten in Düsseldorf doch richtige Straßen und sogar elektrischen Strom, auch die Nachttöpfe wurden nicht einfach aus dem Fenster auf die Straße entleert. Gut, die Menschen dort sind eher einfach gestrickt. Aber das macht nichts, da muß man eben etwas langsamer sprechen... ;-o))
mooksberlin 05.05.2009
Ich finde es interessant, dass in dem Beitrag zu Japan wieder einmal die ganz ollen Kamellen aufgewärmt werden. Eigentlich sollte man im Zeitalter von €399 Flügen nach Tokyo meinen, dass auch der Normalbürger sich selbst ein [...]
Zitat von sysopWer im Ausland arbeitet, erst recht in exotischen Ländern, erlebt oft einen Kulturschock - und erwischt spielend die Fettnäpfe, im Berufsleben wie in der Freizeit. Was haben Sie in fernen Ländern erlebt?
Ich finde es interessant, dass in dem Beitrag zu Japan wieder einmal die ganz ollen Kamellen aufgewärmt werden. Eigentlich sollte man im Zeitalter von €399 Flügen nach Tokyo meinen, dass auch der Normalbürger sich selbst ein Bild des Landes der aufgehenden Sonne machen kann, doch scheinbar wird das von den Japanern selbst geschürte Bild vom "wir sind so anders" auch gerne von deutschen Redakteuren übernommen. Zum einen gibt es schon seit einigen Jahren im Sommer keinen "Krawattenzwang" mehr, dieser wurde während der "Cool Japan" Kampagne des Ex-Premiers Koizumi aufgehoben, dieser hatte wohl selbst keine Lust auf nen Strick um den Hals und verkaufte den Verzicht als eine Massnahme gegen die Klimerwärmung, da man ohne Krawatte die Klimaanlage im Büro nicht so kalt einstellen müsse. Exotische Lebensmittel gibt es genug, jedoch von Krabbeneis habe weder ich noch all meine japanischen Freunde je gehört, wenn es dies gibt, dann ist es garantiert nicht Mainstream. Auch wird das dezente Naseputzen in ein Taschentuch, insbesondere bei Ausländern, schon seit Jahren toleriert, das konstante Nasehochziehen hingegen wird auch von vielen jungen Leuten (insbesondere von Frauen) mit Argwohn betrachtet. Auch hatte ich noch nie Probleme mit dem Taxi dort anzukommen wo ich eigentlich hin wollte. Ich frage den Taxifahrer immer ob er weiss wo das Ziel liegt und hatte schon häufig ein direktes "Nein" zur Antwort. Man sollte allerdings in etwa wissen wo das Ziel liegt vor der Abfahrt, sonst kann es schon mal problematisch werden. So hatte ich vor 2 Jahren die Schwierigkeit ein Taxi für einen Kollegen zu bekommen welches ihn ins neu erbaute Hotel "Peninsula" bringen konnte. Mehrere Taxifahrer lehnten die Fuhre ab, da sie noch nie von diesem Luxushotel gehört hatten und dann nicht einen "Gaijin" im Auto sitzen haben wollten, der sich beschwert.
HariboHunter 05.05.2009
Grosse Kulturschocks: -In China Nanjing, wo ich Huehnerembyos mit den Staebchen aus dem Ei rauspulen und essen sollte. (Hund dagegen war lecker.) - In Mexiko Saltillo, als mir ein 8 Jaehriger Junge in einem grossen Kaufhaus [...]
Grosse Kulturschocks: -In China Nanjing, wo ich Huehnerembyos mit den Staebchen aus dem Ei rauspulen und essen sollte. (Hund dagegen war lecker.) - In Mexiko Saltillo, als mir ein 8 Jaehriger Junge in einem grossen Kaufhaus die Einkaufstuete zusammengepackt hat und ich echte Cowboys zu sehen bekam. - Letzten Samstag beim Kentuckyderby, wo neben mir plotzlich eine Frau fuer eine Plastikhalskette Ihre Brueste auspackte. Dieses Verhalten scheint im prueden Amerika sehr ueblich zu sein. Hatte mich schon gewundert warum so viele Maenner bei Veranstaltungen mit den Ketten rumlaufen.
TommIT 05.05.2009
Was genau hat sie da denn geschockt, wenn ich fragen darf, waren die eckig wie die japanischen Melonen?
Zitat von HariboHunterGrosse Kulturschocks: -In China Nanjing, wo ich Huehnerembyos mit den Staebchen aus dem Ei rauspulen und essen sollte. (Hund dagegen war lecker.) - In Mexiko Saltillo, als mir ein 8 Jaehriger Junge in einem grossen Kaufhaus die Einkaufstuete zusammengepackt hat und ich echte Cowboys zu sehen bekam. - Letzten Samstag beim Kentuckyderby, wo neben mir plotzlich eine Frau fuer eine Plastikhalskette Ihre Brueste auspackte. Dieses Verhalten scheint im prueden Amerika sehr ueblich zu sein. Hatte mich schon gewundert warum so viele Maenner bei Veranstaltungen mit den Ketten rumlaufen.
Was genau hat sie da denn geschockt, wenn ich fragen darf, waren die eckig wie die japanischen Melonen?
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Jan-Christoph Kammann

Jan-Christoph Kammann, Jahrgang 1979, studierte in Hamburg Englisch und Geographie auf Lehramt, bevor er als Fremdsprachen-Assistent nach China ging. An der Changchun Foreign Language School will er bis Juni 2010 unterrichten.


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