28. Dezember 2012, 17:30 Uhr

Neue Ausbildung in Großbritannien

Jurist ganz ohne Studium

Horrende Gebühren halten viele Briten von der Uni fern. Doch statt das Studium wieder günstiger zu machen, hat die Regierung eine andere Idee: Warum nicht Jurist oder Steuerberater werden, ohne eine Hochschule besucht zu haben? Eine Berufsausbildung soll bald die teuren Jahre an der Uni ersetzen können.

Junge Briten sollen künftig akademische Berufe ergreifen können, ohne je studiert zu haben. Die Regierung plant, Karrieren als Rechtsanwalt, Steuerprüfer oder in der Versicherungsbranche für Menschen zu öffnen, die keinen Hochschulabschluss vorweisen können. Noch muss man dafür vorher in der Regel drei Jahre studiert haben.

"Doch Universitäten sind nichts für jeden", schrieb Matthew Hancock, als Staatssekretär zuständig für die Berufsausbildung, am Donnerstag in der Tageszeitung "The Telegraph". Und es gebe keinen Grund, warum man nicht dieselben Qualifikationen erwerben könne, wenn man sich von Tag eins an direkt in einer Firma ausbilden lasse.

Britische Universitäten sind tatsächlich nichts mehr für "jeden", seit die konservativ-liberale Regierung von David Cameron die Studiengebühren drastisch in die Höhe geschraubt hat. Sie strich die Investitionen in Hochschulen 2010 stark zusammen und setzte die Höchstgrenze für Studiengebühren in England hinauf, sie stieg von 3290 Pfund pro Studienjahr auf 9000 Pfund, umgerechnet etwa 11.000 Euro. So viel verlangen viele Universitäten ab diesem September. Die Zahl der Studienbewerber brach daraufhin deutlich ein.

Gleichwertig mit Bachelor- und Master-Abschluss

Die Regierung fördert seit vergangenem Jahr 30 Unternehmen mit umgerechnet mehr als 30 Millionen Euro, damit sie neue Qualifikationen für Auszubildende entwickeln. Darunter sind die Baufirma Balfour Beatty und die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Ab kommendem Jahr sollen die ersten Ausbildungsgänge offiziell als gleichwertig mit Bachelor- und Master-Abschlüssen anerkannt werden, schrieb Hancock.

Großbritannien leide seit Jahrzehnten unter einer künstlichen Trennung von akademischer und praxisnaher Bildung. Deswegen seien Länder wie Deutschland im globalen Wettstreit um fachliche Exzellenz voraus, sagte Hancock. Hierzulande kann man Steuerberater oder Versicherungsfachmann werden, ohne zu studieren. Das gilt jedoch nicht für Rechtsanwälte.

Die britischen Pläne stoßen auch auf Kritik. Junge Menschen sollten nicht dazu gedrängt werden, in ihrer Ausbildung den günstigsten Weg zu wählen, sagte Sally Hunt von der Bildungsgewerkschaft University and College Union. Der akademische Sparkurs der Regierung und die drastische Erhöhung der Studiengebühren wurden in England von heftigen Protesten begleitet.

son


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