Von Kirstin von Elm
Auf der sonnensicheren südspanischen Hochebene errichtet ihr Arbeitgeber, die Erlanger Solar Millennium AG, seit 2006 die drei ersten Parabolrinnen-Kraftwerke Europas. Andasol 1, 2 und 3 sollen jeweils bis zu 200.000 Menschen mit umweltfreundlichem Strom aus Sonnenenergie versorgen.
Anders als bei Photovoltaik-Anlagen, die Sonnenlicht unmittelbar in elektrische Energie umwandeln, fangen in den andalusischen Kraftwerken bewegliche Sonnenkollektoren die Strahlung ein, um Wasser zu Dampf zu erhitzen. Über klassische Dampfturbinen und Generatoren wird dann Strom erzeugt. Anne Schlierbach muss sämtliche Kollektoren vor Ihrem Einsatz umfangreichen Funktionstests unterziehen. Ein Job, der die junge Ingenieurin ordentlich auf Trab hält: Mit einer Kollektorfläche von jeweils 510.000 Quadratmetern, das entspricht rund 70 Fußballfeldern, sind die Andasol-Anlagen die größten Parabolrinnen-Kraftwerke der Welt.
Die Branche trotzt der Krise und boomt im vierten Jahr
Für Andasol2 hat Schlierbach in den letzten Monaten 624 Elemente gedreht und geschwenkt, um zu überprüfen, ob sich auch alle reibungslos vom zentralen Kommandostand aus elektronisch steuern lassen. Bis zum Start von Andasol 3 im Jahr 2011 will Anne Schlierbach mindestens in Spanien bleiben. Der auslands- und berufserfahrenen, jungen Solar-Expertin stünden derzeit aber auch viele andere Türen offen, denn die Branche der Erneuerbaren Energien boomt.
Während Fahrzeug- oder Maschinenbauunternehmen Kurzarbeit machen oder sogar Stellen abbauen, haben die Hersteller von Solar-, Wind- oder Wassertechnologie in diesem Jahr kräftig eingestellt. Alleine im ersten Quartal wurden fast 1600 Stellen ausgeschrieben. Das sind rund doppelt so viele wie im ersten Quartal 2007 ( siehe Fotostrecke). Nach Angaben des Wissenschaftsladens Bonn, der den Arbeitsmarkt für Erneuerbare Energien im Auftrag des Bundesumweltministeriums regelmäßig untersucht, setzt sich der Aufwärtstrend damit seit vier Jahren in Folge ungebrochen fort.
"Während die Gesamtwirtschaft in ihrer tiefsten Krise steckt, ist die Branche der Erneuerbaren Energien weiterhin ein verlässlicher Jobmotor", bestätigt Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) in Berlin. Bis 2020 rechnet der BEE für Deutschland mit 500.000 Arbeitsplätzen in der Branche - das wären 220.000 mehr als heute.
Dieses Wachstum ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch politisch gewollt. Denn die Bundesregierung hat den raschen Ausbau grüner Energien zum Ziel erklärt. Fossile Brennstoffe wie Kohle und Gas sollen durch Sonne, Wind oder Wasserkraft langfristig ersetzt werden. Auch Zukunftstechnologien wie beispielsweise Fluss- und Gezeitenkraftwerke oder Geothermieanlagen, die Hitze aus den Tiefen der Erde nutzen, sollen ausgebaut werden. Der BEE hält bis 2020 einen Ausbau der Erneuerbaren am gesamten Energiemix von heute rund zehn auf knapp 30 Prozent für machbar.
Kleine Firmen wachsen rasant
Sogar große Energieversorger wie Eon, RWE oder Vattenfall haben das Thema grüne Energie inzwischen auf ihre Agenda gesetzt, denn viele technisch und ökologisch überholte Anlagen müssen dringend modernisiert werden. So geht der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren etwa 40.000 Megawatt an Kraftwerksleistung ersetzt werden müssen. Das entspricht über 40 Großkraftwerken. Bis 2020 wollen die im BDEW organisierten deutschen Energieversorger deshalb 40 Milliarden Euro in neue, klimafreundlichere Kraftwerke investieren.
Aber auch im Ausland ist grüne Energietechnologie "made in Germany" gefragt. Bei Wind- und Solarenergie gelten die deutschen Hersteller auf vielen Gebieten weltweit als Technologieführer. So liegt die Exportquote der Windtechnologiebranche nach Branchenangaben bei 80 Prozent. Und auch das Auslandsgeschäft der deutschen Sonnenspezialisten zieht offenbar weiter an, denn der Bundesverband Solarwirtschaft mit Sitz in Berlin erwartet für 2010 einen Anstieg des Auslandsanteils am gesamten Branchenumsatz von derzeit 46 auf 56 Prozent.
Entsprechend gefragt sind Ingenieure, die sich mit regenerativen Energien auskennen. In der mittelständisch geprägten Solarbranche zum Beispiel: Seit 2004 hat sich die Zahl der Beschäftigten bei den rund 15.000 deutschen Solarunternehmen auf 75.000 verdreifacht. 40 Prozent aller Stellenangebote rund um die grüne Energie richteten sich Anfang 2009 an Sonnen-Profis wie Anne Schlierbach.
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