Arbeitsmarkt IT-Branche: Womit Informatiker noch Geld verdienen

Von Peter Ilg

Stabile Beschäftigungszahlen, gleichbleibende Löhne: Dass sich die IT-Branche massiv gewandelt hat, zeigt sich erst beim zweiten Blick. Hardware made in Germany wird zum Auslaufprodukt, Jobs entstehen beim Service - und damit lässt sich gut verdienen.

"Nur weil wir Stellen reduzieren, heißt das noch lange nicht, dass wir keine neuen Leute einstellen", sagt Wolfgang Brickwedde, Chef-Recruiter vom Softwarehaus SAP. Seine scheinbar widersprüchliche Aussage beschreibt die Arbeitsmarktlage von Computerexperten treffend: Innerhalb der Branche findet ein gewaltiger Umbruch statt. Brickwedde drückt es so aus: "Die benötigten Skills verschieben sich." Und damit auch die Einstiegs- und Karrierechancen in der Computerindustrie.

Software und Service sind die Jobbringer der IT-Branche
Corbis

Software und Service sind die Jobbringer der IT-Branche

Die neuen Verhältnisse in der Branche werden sich auf der Cebit zeigen. SAP präsentiert dort nicht nur seine Programme - es geht auch um die Jagd nach Talenten. Die Messe sei "eine Art Pulsmesser für den Zustand auf dem Arbeitsmarkt von Computerspezialisten", sagt Stephan Pfisterer, der beim Branchenverband Bitkom zuständig ist für Personal und Arbeitsmarkt.

Die Bitkom-Zahlen sehen zwar auf den ersten Blick wenig spektakulär auf, bei genauerer Betrachtung zeigen sie jedoch, wie sich die Branche verändert: Im Jahr 2008 sind im Vergleich zum Vorjahr etwa 3000 neue Stellen in der Branche entstanden. Insgesamt haben zum Jahresende 2008 rund 829.000 Menschen in diesem Industriezweig gearbeitet - das sind rund 1400 weniger als im Jahr 2000. Damit scheint langfristig auf dem Arbeitsmarkt für Informatiker wenig Bewegung zu sein. Allerdings nur auf den ersten Blick.

Keine Renaissance der Hardware in Sicht

Denn im Vergleich der Jahre 2000 und 2008 hat die Beschäftigtenzahl in der Hardware um 18.000 abgenommen, der Bereich Telekommunikation ist um 73.000 geschrumpft und in der Consumer-Electronic gab es 14.000 Stellen weniger. Hoffnungsträger sind Software und Service, die heute schon mehr als 60 Prozent der Beschäftigten in der Informations- und Telekommunikations-Industrie (ITK) stellen.

Hier sind im genannten Zeitraum 105.000 neue Stellen entstanden - und damit in etwa so viele, wie in den anderen Segmenten verschwanden. So erklärt sich das Nullsummenspiel mit seinen tektonischen Verschiebungen. Dieser Trend wird sich nach Meinung von Bitkom-Sprecher Pfisterer fortsetzen. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass wir eine Renaissance der Hardware in Deutschland erleben." Nach vorsichtiger Abschätzung des Verbandes wird das Beschäftigungsvolumen 2009 gehalten werden können.

"Der Arbeitsmarkt für Informatiker wird nicht ganz so stark von der Krise betroffen sein wie andere Industrien", vermutet Anette Weisbecker, Direktorin am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. Ihr zufolge haben vor allem diejenigen Informatiker gute Zukunftschancen, die zur Optimierung von Prozessen beitragen.

SAP-Kenntnisse sind gefragt

Das sich kaum ein Unternehmen regelmäßig neue Software kauft, versuchen die Softwarehersteller den Service gleich mitzuverkaufen, etwa die Implementierung. So hängen Software und Service untrennbar miteinander zusammen. Softwareexperten müssen in der Lage sein, Anwendungen intelligent zu kombinieren. "Dieser Ansatz ist es, der die Branche voranbringt, denn intelligent eingesetzte Software erhöht die Produktivität und senkt im Idealfall gleichzeitig die Kosten", sagt Weisbecker vom Fraunhofer-Institut.

Beliebteste Arbeitgeber der Informatiker
Rang 2008 Unternehmen Trend Rang Prozent 2008 Rang 2007
1 Google 19,5 2
2 SAP 16,0 1
3 IBM 13,9 8
4 Siemens 10,8 3
5 Fraunhofer-Gesellschaft 8,8 6
6 BMW 8,0 5
7 Microsoft 7,4 4
8 Apple 7,1 7
9 Porsche 6,9 9
10 Electronic Arts 6,3 -
Quelle: trendence Institut GmbH
Bei den fachlichen Fähigkeiten von Informatikern gilt: Wer sich mit SAP auskennt, steigert seine Chancen. "In mehr als einem Fünftel aller Projekte wurde SAP-Know-how gesucht", sagt Stefan Symanek, Marketingleiter bei Gulp in München. Die Firma vermittelt Freiberufler und hat einen guten Überblick darüber, welche Kenntnisse ein Computerspezialist aktuell mitbringen muss. Bei Datenbanken seien vor allem Oracle- und SQL-Kenntnisse gefragt, bei den Programmiersprachen lieferten sich Java mit 16 und die C-Familie mit zwölf Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Dass Spezialisten gesucht werden, zeigt das Beispiel Telekom: Das Unternehmen plant, in diesem Jahr bis zu 3.500 neue Mitarbeiter einzustellen, die Personaler suchen auch auf der Cebit. Hat ein passender Kandidat Interesse, kann es schnell gehen: Die Standbesetzung kann ihn via Webcam und Headset mit den Vorgesetzten verbinden, die können dann intensivere Gespräche abtauchen.

Gehälter bleiben stabil, Prämienmodelle nehmen zu

Während die Jagd nach Talenten auch in Krisenzeiten intensiv betrieben wird, setzen Unternehmen bei Arbeitsverträgen zunehmend auf die für sie risikoärmere Variante. Immer öfter enthalten Verträge einen variablen Gehaltsbestandteil, also erfolgsabhängige Prämien. Die Anzahl der Beschäftigten mit so einem Passus im Vertrag ist gegenüber dem Vorjahr um ein Viertel gestiegen, so das Ergebnis der Studie "Entgelt in der ITK-Branche 2009", die von der IG-Metall zur Cebit herausgegeben wurde.

"Die Unternehmen verlagern damit Risiken auf die Arbeitnehmer und das kann in guten Zeiten zu höheren Einkommen, in schlechten zu niedrigeren führen", sagt Hans-Joachim Weis aus dem Vorstand der Gewerkschaft in Frankfurt am Main. Die Studie basiert auf den Einkommen von rund 21.000 Beschäftigen in tarif- und nicht-tarifgebundenen Unternehmen der Computerindustrie. Erhoben wurden die Daten im Oktober und November 2008 und sind somit eine Momentaufnahme inmitten der Krise.

Insgesamt sind die Gehälter im Vergleich zu 2007 in etwa gleich geblieben. Die höchsten Einstiegsgehälter werden mit 47.138 Euro im Projektmanagement bezahlt, dann folgen Training mit 46.810 Euro und technische Dokumentation mit 44.155 Euro. Im Durchschnitt steigt ein Hochschulabsolvent mit etwa 42.000 Euro Jahresgehalt ein. Weis erwartet, dass 2009 die Festgehälter stabil bleiben, es aber größere Gehaltseinbrüche bei den variablen Gehaltsbestandteilen geben wird - und das kann sich spürbar beim Einkommen auswirken: Selbst bei Berufsanfängern kann die erfolgsabhängige Vergütung bis zu 20 Prozent vom Gesamtgehalt ausmachen.

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