Auszeit nach dem Studium: Mut zur Lücke

Von Britta Mersch

Hurtig, hurtig studieren und sofort mit guten Noten in den Beruf durchstarten - muss das so sein? Manche Studenten legen nach dem Bachelor eine Auszeit ein. Urlaub, Praktikum, Sprachkurs: Ins "Gap Year" passt viel. Und der kreative Schlenker kann auch Chefs überzeugen.

Im Grunde war alles nach Plan verlaufen bei Maximilian Schulte Terboven, und trotzdem hatte er vor einem Jahr das Gefühl, etwas ändern zu müssen in seinem Leben. Mit 18 hatte er sein Abitur gemacht, danach ging er zur Bundeswehr. Als er fertig war, schrieb er sich an der privaten European Business School in Oestrich-Winkel ein. Sein Studium, "General Management", zog er zügig in sechs Semestern durch.

Große Freiheit: Eine Auszeit nach dem Studium
Corbis

Große Freiheit: Eine Auszeit nach dem Studium

Ein vorbildlicher Lebenslauf also, zumal jetzt noch der Master folgen soll. Doch vorher, sagt der 23-Jährige, "muss noch etwas anderes passieren": eine Auszeit, ein so genanntes Gap Year.

Der englische Begriff bezeichnet eine Zeitspanne zwischen zwei Lebensabschnitten, in der Leute zwischen Anfang und Ende 20 etwas Neues ausprobieren. In Großbritannien und in den USA sind Gap Years sehr beliebt - etwa nach dem Bachelor-Abschluss, um noch mal etwas anderes zu machen, bis das Master-Studium oder der neue Job beginnt.

"Viele nutzen die Zeit gezielt, um sich weiterzubilden", sagt Ulrich Grot-hus vom New Yorker Büro des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Vor allem überdurchschnittlich gute Studenten aus den USA gönnen sich ein Jahr Pause von der Universität, um im Ausland neue Impulse zu bekommen. Der DAAD hilft dabei und vermittelt beispielsweise Kontakte zu Forschungseinrichtungen in Deutschland. Auch Freiwilligendienste im Ausland oder innerhalb der USA werden absolviert.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

In Deutschland haben bislang vor allem Abiturienten eine solche Auszeit eingelegt. Vor dem Studium reisen sie für einige Monate über verschiedene Kontinente oder arbeiten in sozialen Projekten in Entwicklungsländern mit. Durch die neuen Bachelor- und Master-Abschlüsse ergibt sich im Karriereverlauf jetzt eine neue Möglichkeit für einen solchen kreativen Schlenker.

Anders als bei den alten Diplom- und Magister-Studiengängen ist das Studium jetzt in zwei Abschnitte unterteilt: Der Bachelor gilt in der Regel als sechssemestrige Grundausbildung, der Master als zweijährige Spezialisierung. Weil die Bewerber aber nicht wissen können, ob sie an ihren Wunsch-Hochschulen einen Platz für ein Master-Studium bekommen, suchen viele nach Alternativen. Ein Gap Year ist da eine gute Wahl - sofern es nicht nur zum Surfen auf Hawaii genutzt wird.

So wie bei Maximilian Schulte Terboven. Er entwickelte einen ambitionierten Plan, bei dem eins klar war: "Auf die faule Haut legen wollte ich mich nicht." Schon zu Studienzeiten kümmerte er sich deshalb um Praktika in vier verschiedenen Unternehmen, die er nun sukzessive absolviert. "Ich möchte austesten, welche Branche am besten zu mir passt", sagt Schulte Terboven - und machte bereits Station bei der Deutschen Bank, der Werbeagentur Saatchi & Saatchi und der Bertelsmann-Tochter Arvato.

Noch einmal die Freiheit ausleben

Eine große Herausforderung. Denn bei jedem Praktikum musste er sich in ganz neue Themen einarbeiten. Bei der Deutschen Bank zum Beispiel arbeitete er in einem Team, das sich um Firmenfusionen und -übernahmen kümmert. "Ich fand es sehr spannend, die verschiedenen Stadien eines solchen Prozesses zu verfolgen", sagt Schulte Terboven - etwa wenn beide Parteien ihre Vertraulichkeitserklärungen abgeben und dem bisherigen Konkurrenzunternehmen große Datenmengen zur Verfügung stellen.

Anders als Maximilian Schulte Terboven können Studenten aber auch auf organisierte Programme zurückgreifen und sich an Anbieter wenden, die sich auf Sprachreisen, Praktika im Ausland oder Freiwilligendienste spezialisiert haben. Die Länge des Aufenthalts lässt sich variieren - ein Gap Year muss nicht zwölf Monate dauern. "Wir haben ganz unterschiedliche Angebote entwickelt", sagt Tanja Kuntz, die bei TravelWorks und carpe diem Sprachreisen für Marketing, PR und Personal verantwortlich ist. Der Veranstalter organisiert Freiwilligendienste und Work and Travel ins Ausland, also kombinierte Reise- und Arbeitsaufenthalte.

"Bislang haben wir besonders viele Abiturienten vermittelt", sagt Tanja Kuntz, "wir merken aber, dass in letzter Zeit die Bewerber deutlich älter werden." Sie glaubt, dass sich mit den neuen Abschlüssen ein ähnlicher Trend entwickelt wie in Großbritannien, dass sich also eine Lücke auftut, in der die Absolventen noch einmal ihre Freiheit ausleben möchten.

Viele Studenten sind jedoch unsicher, wie sich ein Auslandsaufenthalt in einem Krankenhaus in Afrika oder die Arbeit auf einem Bauernhof in Australien sinnvoll in den Lebenslauf integrieren lässt. "Bei einem Gap Year wird den Leuten oft unterstellt, dass sie sich einen schönen Tag machen und viel faulenzen", sagt Tanja Kuntz. In angelsächsischen Ländern seien Personalchefs der Auszeit gegenüber viel aufgeschlossener als hierzulande.

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