Von Steffen Eggebrecht

Charlotte litt unter ihrer Arbeit als Product Managerin eines Social-Media-Internetportals. Ihr BWL-Diplom half ihr im Alltag mit wechselnden Zuständigkeiten nicht wirklich weiter.
Bisher durchlief ich mehrere Arbeitsbereiche. Die ständigen Wechsel und Anpassungen wurden bald sehr anstrengend, alle und alles waren austauschbar. Nach einem Jahr erdrückte mich diese Situation immer mehr. Es gab Momente, in denen ich meine zentralen Aufgaben nicht kannte. Meine Chefs übten stetig höheren Druck aus, fortwährend musste ich eine Daseinsberechtigung liefern. Es ging nur noch darum, seinen aktuellen Bereich zu verteidigen.
Ich fühlte mich eingeengt, Angst gewann die Oberhand. Ständig fragte ich mich, wie ich den Ansprüchen überhaupt gerecht werden kann. Bei der Arbeit hatte ich niemanden, mit dem ich mich austauschen konnte. Die Firma saugte mich aus.
Bis zum Jahresende will ich einen neuen Job finden
Irgendwann fingen sogar Freunde an, mich auf meinen Zustand anzusprechen. Ich redete ständig nur von meinem Job und über das, was mich bedrückte. Dabei weinte ich oft. Die fröhliche Charlotte, die meine Freunde kannten, gab es nicht mehr.
Schließlich ging ich in Psychotherapie. Ich holte mir eine Krankschreibung, es fühlte sich wie eine Niederlage an. Im Nachhinein war es jedoch genau die richtige Entscheidung. Das war der erste Zeitpunkt, an dem ich die Kraft besaß, das Thema auch bei meinen Chefs anzusprechen, ohne dass mir dabei Tränen in die Augen schossen. Die Kollegen zeigten viel Verständnis, einige meinten aber auch, ich nähme mir alles zu sehr zu Herzen.
Die Therapie stärkte mich und gab mir neue Energie. Allerdings funktioniert das auch nicht immer. Daher suche ich jetzt nach Alternativen. Bis zum Jahresende will ich einen neuen Job finden, das steht für mich fest. Ich hab auch wieder Spaß am Arbeiten mit Stoffen und am Nähen gefunden. Am glücklichsten wäre ich, wenn ich einen eigenen Laden hätte. Aber erst einmal hat mich der Arbeitsalltag wieder."
(*Namen geändert)
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Job & Beruf | RSS |
| alles zum Thema Karriere | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH