Berufsanfänger: Hilfe, ich habe einen Job
Hektik, Frust, alles neu, Chaos im Kopf - fast jeder zweite Uni-Absolvent startet holprig in den Beruf. Denn das Studium bereitet kaum auf den Joballtag vor. Drei Berufseinsteiger erzählen von Stress, Therapiewünschen und einer Notausstiegs-Option.
Die Uni gibt ihren Absolventen im günstigsten Fall allerhand mit auf den Weg: solides Fachwissen plus Fähigkeit zu wissenschaftlicher Arbeit plus vielleicht die Peilung für eigenständiges Denken. Doch die meisten haben beim Lernen für Credits und Abschluss ein konkretes Ziel im Visier - einen möglichst festen und gut bezahlten Job.
Beim Berufsstart ist jeder allein und erfährt meist erst mitten unter den neuen Kollegen: Wie gut ertrage ich Hektik, Frust, starke Belastung? Und hat mich mein Studium ausreichend auf den Berufsalltag vorbereitet?
Forscher des Hochschul-Informations-Systems (HIS) haben ermittelt, dass 83 Prozent der jungen Akademiker während des Studiums ein Praktikum oder ein Praxissemester absolvieren. Trotzdem strauchelt fast die Hälfte im ersten ernsthaften Job: "Knapp die Hälfte der Absolventen fühlt sich beim Berufseinstieg überfordert", sagt HIS-Mitarbeiter Kolja Briedis.
Die Hochschulen kümmern sich ihm zufolge zu wenig um Berufsorientierung. Allerdings überschätze auch ein Teil der Studenten die praktische Anwendbarkeit ihres Hochschulwissens. Geisteswissenschaftler zum Beispiel würden darauf bei der Gestaltung ihres Studiums weniger achten als Kommilitonen anderer Fachrichtungen, sagt Briedis. Allerdings schätzten sie ihre Möglichkeiten oft realistischer ein als angehende Betriebswirte - die dann oft deprimierter sind als die genügsameren Denker.
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Die Sorgen der Berufseinsteiger ähneln sich - das zeigt die HIS-Befragung von 10.000 Absolventen des Jahrgangs 2005 ganz deutlich. Arbeitsüberlastung und Termindruck belasten 41 Prozent. Hinzu kommen fehlendes Feedback, zu schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, unüberschaubare Entscheidungsprozesse oder schlicht Überforderung.
Zum Frustfaktor kann es aber auch werden, wenn Absolventen sich unter ihrem Niveau beschäftigt und unterfordert fühlen. Das Problem trifft vor allem jene, die ihre erste Stelle eher als Überbrückung zu einem besseren Job sehen.
Besser rechtzeitig die Reißleine ziehen
Dass der Start für die Neuen gelingt, sei auch Aufgabe der Arbeitgeber, sagt Wolfgang Lichius vom Fachverband Personalberatung im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Nicht nur auf die Vorbereitung komme es an, "die Unternehmenskultur ist genauso bedeutend". Da müsse der Bewerber eben hineinpassen, doch das könnten auch sorgfältige Jobinterviews und Assessment-Center nicht immer sicherstellen.
Um Stolperfallen zu umgehen, brauche es einen ehrlichen Austausch der Erwartungen, sagt Lichius und sieht vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht. Wenn Bewerber und Firma aber nicht zueinander passen, sollte der Bewerber besser rechtzeitig selbst gehen.
"Ein Berufsanfänger muss nicht alles schlucken", sagt Lichius; ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft sei allerdings gerade im Abschwung nötig. Der Personaler rät Unternehmen, Neulingen möglichst Paten zur Seite zu stellen, die Interna erklären können - "das kann das Einleben wesentlich erleichtern".
Drei Erfahrungsberichte: Jule, Christian und Charlotte erzählen, was ihnen den Start verhagelt hat - und wann nur noch ein Jobwechsel hilft:
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