Berufsanfänger: Hilfe, ich habe einen Job

Von Steffen Eggebrecht

Hektik, Frust, alles neu, Chaos im Kopf - fast jeder zweite Uni-Absolvent startet holprig in den Beruf. Denn das Studium bereitet kaum auf den Joballtag vor. Drei Berufseinsteiger erzählen von Stress, Therapiewünschen und einer Notausstiegs-Option.

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Genervte Einsteiger: Das geht ja gut los
Die Uni gibt ihren Absolventen im günstigsten Fall allerhand mit auf den Weg: solides Fachwissen plus Fähigkeit zu wissenschaftlicher Arbeit plus vielleicht die Peilung für eigenständiges Denken. Doch die meisten haben beim Lernen für Credits und Abschluss ein konkretes Ziel im Visier - einen möglichst festen und gut bezahlten Job.

Beim Berufsstart ist jeder allein und erfährt meist erst mitten unter den neuen Kollegen: Wie gut ertrage ich Hektik, Frust, starke Belastung? Und hat mich mein Studium ausreichend auf den Berufsalltag vorbereitet?

Forscher des Hochschul-Informations-Systems (HIS) haben ermittelt, dass 83 Prozent der jungen Akademiker während des Studiums ein Praktikum oder ein Praxissemester absolvieren. Trotzdem strauchelt fast die Hälfte im ersten ernsthaften Job: "Knapp die Hälfte der Absolventen fühlt sich beim Berufseinstieg überfordert", sagt HIS-Mitarbeiter Kolja Briedis.

Die Hochschulen kümmern sich ihm zufolge zu wenig um Berufsorientierung. Allerdings überschätze auch ein Teil der Studenten die praktische Anwendbarkeit ihres Hochschulwissens. Geisteswissenschaftler zum Beispiel würden darauf bei der Gestaltung ihres Studiums weniger achten als Kommilitonen anderer Fachrichtungen, sagt Briedis. Allerdings schätzten sie ihre Möglichkeiten oft realistischer ein als angehende Betriebswirte - die dann oft deprimierter sind als die genügsameren Denker.

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Die Sorgen der Berufseinsteiger ähneln sich - das zeigt die HIS-Befragung von 10.000 Absolventen des Jahrgangs 2005 ganz deutlich. Arbeitsüberlastung und Termindruck belasten 41 Prozent. Hinzu kommen fehlendes Feedback, zu schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, unüberschaubare Entscheidungsprozesse oder schlicht Überforderung.

Zum Frustfaktor kann es aber auch werden, wenn Absolventen sich unter ihrem Niveau beschäftigt und unterfordert fühlen. Das Problem trifft vor allem jene, die ihre erste Stelle eher als Überbrückung zu einem besseren Job sehen.

Besser rechtzeitig die Reißleine ziehen

Dass der Start für die Neuen gelingt, sei auch Aufgabe der Arbeitgeber, sagt Wolfgang Lichius vom Fachverband Personalberatung im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Nicht nur auf die Vorbereitung komme es an, "die Unternehmenskultur ist genauso bedeutend". Da müsse der Bewerber eben hineinpassen, doch das könnten auch sorgfältige Jobinterviews und Assessment-Center nicht immer sicherstellen.

Um Stolperfallen zu umgehen, brauche es einen ehrlichen Austausch der Erwartungen, sagt Lichius und sieht vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht. Wenn Bewerber und Firma aber nicht zueinander passen, sollte der Bewerber besser rechtzeitig selbst gehen.

"Ein Berufsanfänger muss nicht alles schlucken", sagt Lichius; ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft sei allerdings gerade im Abschwung nötig. Der Personaler rät Unternehmen, Neulingen möglichst Paten zur Seite zu stellen, die Interna erklären können - "das kann das Einleben wesentlich erleichtern".

Drei Erfahrungsberichte: Jule, Christian und Charlotte erzählen, was ihnen den Start verhagelt hat - und wann nur noch ein Jobwechsel hilft:

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insgesamt 57 Beiträge
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1. Titellos
Moridin 29.06.2010
Aus dem Artikel: ---Zitat--- In meinem aktuellen Job als Softwareentwickler habe ich endlich das Gefühl, etwas von Wert zu schaffen und Anerkennung dafür zu erhalten. Die Ergebnisse meiner Arbeit werden eingesetzt, darauf bin ich stolz." ---Zitatende--- Wegen dieser elenden (nur gefühlten?) Sinnlosigkeit habe ich mein Studium abgebrochen und eine Ausbildung begonnen. Heute geht es mir so wie im Zitat ausgesagt. Ich will nie wieder zurück in eine Bildungsinstitution - für einige war das die schönste Zeit des Lebens, für mich jedenfalls nicht. Wenn jemand nach seiner Ausbildung auch noch ein Studium absolvieren will, finde ich das sehr bewundernswert.
2. Wie jetzt?
Parzival v. d. Dräuen 29.06.2010
Zitat von sysopHektik, Frust, alles neu, Chaos im Kopf - fast jeder zweite Uniabsolvent startet holprig in den Beruf. Denn das Studium bereitet kaum auf den Joballtag vor. Drei Berufseinsteiger erzählen von Stress, Therapiewünschen und einer Notausstiegs-Option. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,700152,00.html
Ich dachte bisher, die haben alle im Schnitt zwanzig Praktika hinter sich. Da kann die neue Firma doch nicht mehr so bedrohlich wirken.
3. -
Mulharste 29.06.2010
Zitat von sysopHektik, Frust, alles neu, Chaos im Kopf - fast jeder zweite Uniabsolvent startet holprig in den Beruf. Denn das Studium bereitet kaum auf den Joballtag vor. Drei Berufseinsteiger erzählen von Stress, Therapiewünschen und einer Notausstiegs-Option. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,700152,00.html
Stress? Überstunden? Arbeit? Ungerechtigkeit? Willkommen im Leben! Da skommt davon, wenn man alles glaubt, was einem in der Werbung erzählt wird, wenn man mit völlig falschen Erwartungen an sich selbst in dne Beruf einsteigt, nach Trends studiert, keine Eier hat und bei IKEA die Einrichtung zusammenstellt. Das kommt davon, wenn man glabut zu irgendeiner Elite zu gehören, oder denkt, 2 Auslandspraktika befähigen zum Erreichen der Weltherrschaft. Nein - liebe Studies - genau so ist es nicht! Kommt endlich im Leben an - wer ne Therapie braucht, weil er arbeiten muß, sollte über seine Lebenseinstellung nachdenken.
4.
john mcclane 29.06.2010
Zitat von MoridinAus dem Artikel: Wegen dieser elenden (nur gefühlten?) Sinnlosigkeit habe ich mein Studium abgebrochen und eine Ausbildung begonnen. Heute geht es mir so wie im Zitat ausgesagt. Ich will nie wieder zurück in eine Bildungsinstitution - für einige war das die schönste Zeit des Lebens, für mich jedenfalls nicht. Wenn jemand nach seiner Ausbildung auch noch ein Studium absolvieren will, finde ich das sehr bewundernswert.
Das kann ich voll unterschreiben. Immer wenn ich einen reden höre, das die Zeit des Studiums die schönste in seinem Leben war, dann frage ich mich wie beschissen sein vorheriges oder aktuelles Leben wohl sein muß. Jemandem, der bereits eine abgeschlossene Ausbildung und etwas Berufserfahrung hat würde ich in jedem Fall von einem Vollzeit-Präsenzstudium abraten: Eigenständiges Denken ist zumindest im Grundstudium unerwünscht, der Prof hat qua Amt Recht, ein regelmäßiger Geldeingang auf dem Konto findet nicht mehr statt und wenn einen das alles noch nicht geschafft hat, muß man sich mit den Mega-Idioten von der Hochschulverwaltung rumärgern, die in jeder Behörde die Papiere bekommen würden, in der Uni aber den Macker raushängen lassen und die Studenten traktieren dürfen...
5. Universitätsverständnis
autocrator 29.06.2010
Die Bologna-Reformen hätten es bringen sollen, aber der notwendige 2. Schritt der Reform wurde mal wieder nicht getan. Die Universität ist keine Berufsvorbereitungs-Veranstaltung! An einer Uni wird Wissenschaft, Forschung und Lehre betrieben. Auch wenn 90% der Studenten ihr Studium nicht aus Liebe zum Fach und zu Wissen und Forschung betreiben, sondern eben genau das darin sehen: eine Voraussetzung um im Berufsleben Fuß zu fassen: Es ist nicht Aufgabe einer Uni, Leute auf die Berufswelt vorzubereiten. (Allerdings sollten das Arbeitgeber und Personalmanager auch verstehen ...)
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