Von Dorothee Fricke
39.339 Euro brutto hat der durchschnittliche Berufseinsteiger im vergangenen Jahr durchschnittlich verdient. Das sind knapp 3300 Euro im Monat - von denen um die 2000 Euro netto auf dem Konto landen, der Rest geht für Steuern und Sozialabgaben drauf. Das hat eine Umfrage der Personalberatung Alma Mater bei mehr als 900 Unternehmen verschiedener Branchen ergeben.
2000 Euro - das sind fast zweieinhalbmal so viel wie die 812 Euro, über die deutsche Durchschnittsstudenten laut Sozialerhebung verfügen. Es muss sich großartig anfühlen, das erste Mal richtig Geld zu verdienen.
Oder?
Welchen Luxus gönnen sich Berufsanfänger - und wo beginnt für sie Luxus? SPIEGEL ONLINE hat fünf Jobneulinge gefragt.
Das erste Gehalt nach dem Studium ist für alle von ihnen etwas Besonderes. Auf die schiere Summe kommt es weniger an, mehr auf die Unabhängigkeit von den Eltern. Und dass sich "im Gehalt die Wertschätzung der Arbeit widerspiegelt", wie es Simon Drees ausdrückt, der Marketing-Einsteiger. Traineeprogramme, in denen Absolventen mit unter tausend Euro abgespeist werden, findet er unverschämt. Drees hatte schon während des Studiums Promotionjobs - und hat deshalb heute kaum mehr übrig als damals.
Anja Tyzak, Juristin mit Prädikatsexamen, hat in ihrem ersten Job von Anfang an den Spitzensteuersteuersatz zahlen müssen - sie verdient prima. Die meisten jungen Akademiker kennen ihren Marktwert ziemlich genau und versuchen, sich nicht unter Wert zu verkaufen. Aber manche sind auch bereit, für mehr Freizeit auf Geld zu verzichten. "Ich komme abends rechtzeitig nach Hause, so dass Zeit zum Sport und gemeinsamen Kochen mit meiner Freundin bleibt. Was sollte ich mit 500 Euro mehr im Monat, wenn ich dafür ständig unterwegs sein müsste?", sagt Betriebswirtschaftler Felix Berghoff, der als Controller in einem Wissenschaftsverlag eingestiegen ist. Eine Haltung, die er auch bei Freunden und ehemaligen Kommilitonen beobachtet.
Fast alle leisten sich vom ersten Gehalt ein Extra - ein tolles Kleid, ein neues Sofa oder auch ein Motorrad. Luxus auf Pump kommt aber für keinen der Fünf in Frage - da lebt man lieber weiter mit den Billy-Regalen aus der Studentenzeit.
Für Wirtschaftsingenieur Philipp P. ist die Zurückhaltung der heutigen Studienabsolventen auch eine Folge der Krise. "Auch wenn der eigene Arbeitsplatz nicht gefährdet ist", sagt er, "das Thema ist natürlich immer präsent."
Große Sprünge, kleine Extras - fünf junge Akademiker erzählen auf SPIEGEL ONLINE, was sich mit dem Berufseinstieg verändert hat:
Der Controller: "Der Sprung ist schon richtig groß"
Der Ingenieur: "Heute isst du mal das Steak, nicht den Burrito"
Die Juristin: "Die Abzüge waren ernüchternd"
Der Marketing-Mann: "Das ist jetzt wirklich alles mein Geld"
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