Berufsstart-Report: Die netten Jahre sind vorbei

Raus aus der Uni, rein ins Berufsleben - und willkommen im Hamsterrad. Axel Baumann ist jetzt kein Student mehr, sondern "Junior Brand Manager" in einer Hamburger Agentur. Der Job verändert ihn deutlich. Darf man schon in der Probezeit vom Sabbatical träumen? Ein Protokoll der ersten Monate.

Cheffe beim Berufseinsteiger: Zu allem bereit, zu vielem fähig Zur Großansicht
Corbis

Cheffe beim Berufseinsteiger: Zu allem bereit, zu vielem fähig

Es war einmal ein Leben. Dann kam ein Berufsleben dazu. Klingt wie der Anfang eines Märchens, ist aber Realität. Neben mein Privatleben ist das Berufsleben getreten. Mit all seinen Rechten und Pflichten. Ob ich während des Studiums von "9to5"oder "5to9" gearbeitet oder gefeiert habe, das hat nur wenige interessiert. Anwesenheitspflicht? Eher selten.

Ab morgen besteht für mich Anwesenheitspflicht. Vor kurzem habe ich einen unbefristeten Arbeitsvertrag als "Junior-Brand-Manager" bei einer Hamburger Agentur unterschrieben. Er gilt ab morgen. Dann bin ich endgültig erwachsen.

Aber bin ich das nicht längst, ist der Berufsstart wirklich dieses letzte fehlende Mosaiksteinchen? Ich bin 24 Jahre alt, habe neun Semester an Unis im In- und Ausland studiert. Ich habe den Pkw-Führerschein, Freunde, Bekannte, Pläne und Träume. Ich darf wählen, Alkohol trinken und alleine durch die Welt reisen. Fehlt da etwa noch was? Oder bin ich noch längst nicht erwachsen und will das vielleicht auch nach dem Beginn des Berufslebens gar nicht sein? Hat nicht Erich Kästner einmal treffend festgestellt, dass man die Kindheit nicht ablegen kann wie einen alten Hut?

Ich beschließe, mich in den kommenden Monaten genau zu beobachten. Was der Berufsbeginn mit mir macht - ein Protokoll.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 66 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. deal with it
ofelas 22.12.2009
Das ist ein ganz normaler Praxisschock. Zugegeben, fuer einige Studenten ist dieser halt groesser als fuer andere. Das Studium ist "locker" gestaltet oder halt einfacher, wenn finanzielle Mittel fehlen es genuegend Erwerbsquellen gibt, und weil es mittlerweile mit Internet, Discountreisen etc viele Alternativen gibt die Zeit auch anders zu verbringen. Sicher, es gab und gibt viele Studenten die sich reglich abrackern muessen. Ein schwerers, oft von der Hochschule schlecht organisiertes Studium und finanzielle Schwierigkeiten. Im Spiegel stehen oft Artikel die von Luxus-"Problemen" handeln.
2. Habe gerade..
random42 22.12.2009
..genau das selbe hinter mir wie der Autor. Nach meinem Bachelor Studium habe ich einen Job als Softwareentwickler angefangen. Anfangs war es ziemlich hart und ich hatte große Selbstzweifel, ob ich dem Druck und den Aufgaben gewachsen sein würde. Nach nunmehr über 9 Monaten Arbeitszeit hat sich bei mir zum Glück ebenfalls ein gewisses Gefühl des Selbstvertrauens aufgebaut (meistens zumindest). Aber neben meinem Job habe ich leider auch relativ wenig Zeit für Freizeit Aktivitäten, nicht zuletzt aufgrund vieler (zum Glück meistens bezahlter) Überstunden für ein großes Projekt. Als nächstes habe ich nun den Master im Auge, den ich dann wohl mit einem Jahr Berufserfahrung in Angriff nehmen werde. Der Artikel hat mir übrigens sehr gut gefallen!
3. Jammern auf hohem Niveau !
mooksberlin 22.12.2009
In einer Zeit in der der viele Absolventen sich nur mit McJobs über Wasser halten, ist ein unbefristeter Arbeitsvertrag in einer Agentur doch fast schon ein Sechser im Lotto. Hat der Autor denn nie ein Praktikum gemacht, dass er von langen Arbeitszeiten und stark eingeschränktem Privatleben so überrascht ist ? Ich war mit 23 mit dem Studium fertig und klar hatten Freunde, die mit 29 noch an ihrem Magister in Eurythmie bastelten mehr Freizeit und ein geregeltes Privatleben. Dafür hatten sie aber auch konstant Geldsorgen und Angst um die Zukunft. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass der Zeitpunkt kommt, an dem man zwischen der Karriere und mehr Geld und Einfluss oder einer bessere Work-Life Balance und einem geregelten Privatleben, dafür aber weniger Geld wählen muss. Jeder muss dies für sich selbst entscheiden und wer nur immer der Arbeit den Vorzug lässt, ist schon bald ein einsamer Geselle und gute Freunde kann kein Geld der Welt erkaufen. Sich jedoch nach ein paar Monaten im Job ein Sabbatical zu wünschen ist dann doch etwas verfrüht.
4. Finde ich auch gut so...
bvdlinde 22.12.2009
Was der junge Autor, und auch junge Kollegen in meiner Branche (Unternehmensberatung) nicht erahnen ist: wie wenig sie zu Beginn eigentlich können. Die ersten, ultraanstrengenden Jahre sind natürlich dadurch geprägt, dass man viel operatives Zeug machen muss. Aber auch dadurch, dass man dafür 3x so lang braucht wie ein erfahrener Haudegen. Würde ich heute mit 10 Jahren Erfahrung nur die Arbeiten erledigen müssen, die ich als Neueinsteiger tagtäglich auf dem Tisch hatte, würde ich (abgesehen von operativen Terminen, die natürlich Zeit beanspruchen) um 16 Uhr das Büro verlassen.
5. Es dürfte zukünftig viel, viel schwieriger werden.
Sapientia 22.12.2009
Zitat von sysopRaus aus der Uni, rein ins Berufsleben - und willkommen im Hamsterrad. Axel Baumann ist jetzt kein Student mehr, sondern "Junior Brand Manager" in einer Hamburger Agentur. Der Job verändert ihn deutlich. Darf man schon in der Probezeit vom Sabbatical träumen? Ein Protokoll der ersten Monate. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,667540,00.html
Die erhöhten Erwartungen eines nicht immer sozial aktiven Arbeitgebers mit dem verwöhnten, ggf. unrealistisch erwartenden und ein bisschen auf Egozentrik gebürsteten Berufsanfänger auf eine harmonische Linie zu bringen, ist schwierig. Da stehen ggf. Karriere-Phantasterei ohne viel Mühe den knallharten Erwägungen des Arbeitgebers gegenüber, sich überhaupt mit einem in der Praxis ungeübten Arbeitnehmer eingangs mehr befassen zu sollen oder zu wollen. Ich denke aber trotz; wer als Berufsanfänger zu erkennen gibt, dass er bereit ist sich den "Hintern" aufzureissen, mit Zuverlässigkeit glänzt und auch eine Bereitschaft zeigt, Verantwortung übernehmen zu wollen - dem ist man, wenn man nicht unglücklicherweise gleich auf .....löcher trifft, wohl gesonnen und zeigt ihm auch viel, damit er schnell allein wirksam werden kann. Neider, Mobber, unverträgliche Charaktere etc. gab es immer; es gehört auch dazu, sich mit jenen arrangieren zu können, ohne in die Knie gehen zu müssen - meistens. Das größte Problem gegenüber früher ist, dass die jungen Leute anfangs zu hohe Erwartungen haben, sofort eigenständig loslegen zu können, ihnen aber schlicht die Erfahrung dazu fehlt. Universitäre Ausbildungen sind ja oftmals sehr theorie-befangen. Ob ein guter Theoretiker auch gleich ein guter Praktiker ist, liegt am Einzelfall. Also muss man bereit sein, sich was sagen zu lassen; bis man kapiert hat, was und wie die Leute es dort gemacht haben wollen. Nur hieraus ist eine eigene, ggf. effektivere Handschrift zu entwickeln, andernfalls gibt es gleich zu Beginn stress. Früher gab es keinen so starken Arbeitsplatzplatzmangel, Senior-Partner waren oftmals väterlich bemüht um einen guten Einstieg und nahmen sich ggf. auch Zeit dafür. Das dürfte alles vorbei sein, es ist kälter und sachlicher, unpersönlicher geworden - gar nicht zu reden von etwaig noch auftretenden Ost-West-Konflikten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Job & Beruf
RSS
alles zum Thema Studium - und dann?
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 66 Kommentare
Fotostrecke
Auf dem Sprung: Erwachsenwerden in der Krise

CAEPSELE / Ortwein / Stegmaier / Swierczyna
Wie tickt die Generation der 20- bis 35-Jährigen? Sind Sie auf einer Wellenlänge? Finden Sie es heraus im Krisenkinder-Test von SPIEGEL ONLINE. Mehr...
Mein Leben, mein Job - sieben Berufseinsteiger erzählen

[M]DDP ;mm.de
Der Geheimcode der Chefs: In Zeugnissen werden selbst verbale Ohrfeigen nett verpackt. Wer weiß schon, ob ein Lob ehrlich ist oder doch raffiniert verstecktes Gift? Mit dem Klartext-Test finden Sie heraus, was Ihre Zeugnisse wirklich wert sind. mehr....