Von Philipp Braun
"Taxi" (Karen Duve)
Wer nach 22 Fachsemestern Philosophie und Tibetistik nicht gleich einen Job findet und daher erst einmal sieben Jahre in Tibet, dann sieben Jahre im Taxi verbringen muss, der kann sich an einem Standardwerk über seine Kollegen und Klienten wärmen: Im Roman "Taxi" von Karen Duve - einer langjährigen Taxifahrerin - geht es um die Erfahrungen einer Chauffeurin, die nur "Zwodoppelvier" gerufen wird. Denn 244 ist die Nummer ihres Taxis in Hamburg-Wandsbek.

Dennoch lernt sie Hamburger Straßennamen und Wegstrecken auswendig und schon bald eine bunte Kollegen-Clique kennen. Man erfährt etwa, dass die Farbe der Taxen RAL 1015 hieß, "hellelfenbeinfarben, also wie blasser Eiter"; man erlebt sonderbare Begegnungen mit.
Daneben erzählt Duve in lakonischem Stil zahlreiche Geschichten von gescheiterten Künstlern, Uni-Abbrechern und frauenfeindlichen Verklemmten, die sich allesamt zwischen Einsteigen und Aussteigen bewegen. Aus dem Taxi wie aus dem Leben.
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