Härtetest für Jungjournalisten: Wer ist die denn? Und wo bitte liegt Nollywood?

Gesucht im Nannen-Test 2013: Eine mächtige Frau Zur Großansicht
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Gesucht im Nannen-Test 2013: Eine mächtige Frau

Hunderte versuchen es, nur 20 kommen durch: Der Eingangstest der renommierten Henri-Nannen-Journalistenschule gilt als das härteste Auswahlverfahren der Branche. Dazu gehören: schreiben, Menschen erkennen und jede Menge Faktenwissen. Könnten Sie den Test bestehen?

Die eine Zeitung macht dicht, die andere entlässt Dutzende Mitarbeiter, die dritte sucht einen Käufer - es war schon leichter, als Journalist sein Geld zu verdienen. Und trotzdem träumen immer noch Tausende junge Menschen von diesem Job.

Die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg gilt als renommierteste Ausbildungsstätte, ihr Auswahlverfahren als das härteste. Sowohl die Schule als auch die Bewerber investieren dabei viel Energie und Zeit - eine geschickte Strategie, sagt Benedikt Hell. Als Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz hat er schon zahlreiche Auswahlverfahren untersucht und selbst entwickelt. Er sagt: "Je stärker man ein Angebot verknappt und den Zugang einschränkt, desto attraktiver wird es."

Und je schwieriger die Prüfung, desto auserwählter fühlt sich, wer es geschafft hat. "Es entsteht durch das gemeinsame Bestehen eines harten Auswahlverfahrens manchmal eine besondere Gruppendynamik", sagt Hell. "Ein starkes Wir-Gefühl."

Persönlichkeiten im Bildertest: Vier aus 30 - wie viele kennen Sie?
REUTERS; DPA; dapd; AP

Persönlichkeiten im Bildertest: Vier aus 30 - wie viele kennen Sie?

Wie viel hätten Sie gewusst?

Im "Triathlon des Wissens" der Henri-Nannen-Schule gibt es drei Disziplinen:

- 52 Fragen im Wissenstest
- 30 Prominente erkennen im Bildertest
- und: eine Schreibübung

Nicht nur die Henri-Nannen-Schule investiert viel in die Auswahl, auch die Deutsche Journalistenschule in München beispielsweise verfährt ähnlich. Und junge Menschen, die vom Fliegen träumen, müssen den Pilotentest bestehen, angehende Botschafter fürchten das Auswahlverfahren des Auswärtigen Amtes, auch Unternehmensberatungen wie McKinsey, Boston Consulting Group und Roland Berger pflegen teils bizarre Aufnahmerituale.

Zusatzdisziplin: Polizeimeldung ins Deutsche übersetzen

Dem Auswahlverfahren der Journalistenschule gibt Hell das Prädikat "sehr durchdacht". Die Trefferquote, tatsächlich talentierte junge Journalisten zu finden, dürfte hoch sein, sagt er. Warum? Einerseits ist die Selektionsquote streng - denn von 2300 Personen, die sich in diesem Jahr für das Bewerbungsverfahren registrierten, haben nur 20 einen Platz bekommen.

Andererseits kombiniert die Nannen-Schule mit Wissenstest, Interview und Arbeitsproben solche Auswahlverfahren, die sich in Studien als besonders aussagekräftig erwiesen haben: Zunächst haben die Bewerber drei Wochen Zeit, einen Kommentar und eine Reportage zu vorgegebenen Themen zu schreiben. Die besten 78 Autoren fahren dann nach Hamburg zur zweitägigen finalen Auswahltagung, zuletzt fand sie im Januar statt. Am ersten Tag erwartet die Bewerber dann der Wissens- und der Bildertest sowie eine misslungene Polizeimeldung, die sie verbessern müssen. Außerdem müssen die Bewerber eine Reportage schreiben, das Thema in diesem Jahr: "Sonntagnachmittag auf der Reeperbahn - eine Momentaufnahme".

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Journalistenausbildung: Und plötzlich wieder Schüler
Am zweiten Tag zählt der persönliche Eindruck: Jeweils drei Bewerber müssen einer zwölfköpfigen Jury beweisen, dass sie "unverklemmt vernünftige Dinge sagen" können, wie es auf der Homepage der Schule heißt. Zur Prüfungskommission zählten in den vergangenen Jahren neben der Schulleitung Ressortleiter und Chefredakteure von "Zeit", "Stern", "Geo", "Brand Eins", "Neon", des SPIEGEL und von SPIEGEL ONLINE. Jeder Test wird am Ende einzeln ausgewertet und unterschiedlich gewichtet, am meisten zählen dabei die Reportage und das Auswahlgespräch.

Auf den neuen Lehrgang der Journalistenschule wartet dann im Hamburger Seminarraum ein Schild, auf dem steht: "Qualität kommt von Qual". Denn was mit dem harten Auswahlverfahren anfing, geht an der Schule weiter.

Auf SPIEGEL ONLINE können Sie testen: Wie viel hätten Sie gewusst? Hier geht's zu den großen Herausforderungen für junge Journalisten: zum Wissenstest und zum Bildertest.

fln

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Bitte ...
grandpa_wolf 25.02.2013
...noch Link/Verknüpfung zum Wissens- bzw. dem Bildertest einbauen oder "scharfschalten".
2. optional
mluebeck 25.02.2013
Und wo ist der Link zum Test ?
3. Erstens
lobbie 25.02.2013
schreibt man prominent klein und Prominente groß. Zweitens ist der Link am Ende des Artikels nicht aktiviert und 3. finde ich es salopp gesagt irritierend, wenn Diskussionsbeiträge zum Korrigieren des eigentlichen Artikels ohne weitere Kennzeichnung benutzt werden.
4.
Sleeper_in_Metropolis 25.02.2013
Zitat von sysopHunderte versuchen es, nur 20 kommen durch: Der Eingangstest der renommierten Henri-Nannen-Journalistenschule gilt als das härteste Auswahlverfahren der Branche. Dazu gehören: Schreiben, Menschen erkennen und jede Menge Faktenwissen. Könnten Sie den Test bestehen?
Wo ist denn nun dieser Test ? Ich finde da nur eine Reihe von 30 Bildern, mit denen man munteres Personen-raten spielen kann. Das wird ja wohl nicht alles sein, oder ?
5. Bildertest
darthmax 25.02.2013
Erstaunlich wen man so alles als prominent erachtet, drittklassige Politiker, Frauen von Wirtschaftsbossen. Schauspieler, die nur die ARD kennt, fehlen noch die Teilnehmer vom Dschungelcamp ( nichts gegen Frau Lagarde aber es wäre wichtiger zu wissen, für was sie steht).
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Sprachkritiker Wolf Schneider: "Du musst dich plagen"

Wo geht's denn hier in den Journalismus?
"Irgendwas mit Medien..."
DPA
Für viele Abiturienten und Studenten ist Journalist ein Traumberuf. Rechtlich darf jeder sich so nennen - das garantiert Artikel 5 des Grundgesetzes, die Pressefreiheit verbietet jede Reglementierung des Berufszugangs. In Deutschland gibt es rund 70.000 Journalisten, rund die Hälfte Freiberufler. Wer davon leben will, muss sein Handwerk lernen und beherrschen.
Der klassische Weg: Volontariat
Praxis pur verspricht das Volontariat - bei Zeitungen und Zeitschriften, in Online-Redaktionen, bei Radio und Fernsehen, privat oder öffentlich-rechtlich. Die Ausbildung dauert zwischen zwölf und 24 Monaten und ist meist durch Tarifverträge geregelt. Typischerweise fahren Volontäre Karussell: Sie durchlaufen verschiedene Ressorts ("Volo, du Amöbe, mach' du den Abendtermin!") und nehmen an Fortbildungen teil. Ein vorheriges Studium ist keine Pflicht - aber längst die Regel.
Der Königsweg: Journalistenschule
Viel Andrang, rare Plätze: Journalistenschulen sind ein Nadelöhr. Auch hier dominiert die Praxis. Es unterrichten gestandene Journalisten, in Praktika wird das Gelernte eingesetzt und ausgebaut. Die Ausbildung dauert in der Regel anderthalb bis zwei Jahre. Mal zahlen Journalistenschüler Gebühren, mal erhalten sie Geld.

Zu den wichtigsten Einrichtungen zählen die Henri-Nannen-Schule (Hamburg), die Deutsche Journalistenschule (München), die Berliner Journalisten-Schule, die Axel-Springer-Akademie und die Evangelische Journalistenschule (alle in Berlin). Die RTL-Journalistenschule (Köln) bildet speziell für TV-Berufe aus, die Electronic Media School (Babelsberg und Bremen) für Radio, Fernsehen und Internet. Die Holtzbrinck-Schule (Düsseldorf) und die Kölner Journalistenschule sind auf Wirtschaft spezialisiert.
Der Trampelpfad: Studium
Und wo bleibt die Theorie? Hier: Studiengänge in Journalistik oder Publizistik, Medien- oder Kommunikationswissenschaft gibt es an beinah jeder größeren Universität (siehe Hochschulkompass). Besonders bekannt sind die Journalistik-Studiengänge in Leipzig, Dortmund und München. Dort absolvieren die Studenten auch Pflichtpraktika - wer nur theoretisch weiß, wie eine gute Glosse entsteht, hat es schwer.

Was Chefredakteure der ganz alten Schule von den Absolventen halten? Sie rümpfen die Nase, rollen die Augen und raten: "Studieren Sie lieber etwas Handfestes, Jura oder BWL oder sogar Byzantinistik." Damit haben sie nicht unbedingt Recht, ein Medienstudium kann schon nahe an den Beruf heranführen. Trotzdem gehen Absolventen meist noch ins Volontariat oder in eine Journalistenschule - denn ein schickes Uni-Zeugnis allein beeindruckt im Journalismus niemanden. Erstklassige Arbeitsproben und sinnvolle Praktika schon.
Der Sonderweg: Rein ins Wasser, Schwimmen lernen
Was ebenfalls geht: Man wird Journalist, indem man's einfach ist - "Learning by doing" in Neudeutsch. Medienberufe sind offen für Autodidakten und Quereinsteiger mit krummen Biografien. Wer viel und gut schreibt, der findet auch seinen Platz. Praktika und Kontakte sammeln, sich als Experte für bestimmte Themen einen Namen machen, die Arbeit intelligent organisieren - und irgendwann fragt niemand mehr nach Ausbildung und Abschlüssen. Für das große Heer der freien Journalisten gilt das ohnehin, für Redakteursjobs nur bedingt. Da zählen bei der Einstellung auch formale Qualifikationen.
Wer will Journalist werden?
Das Auswahlverfahren ist rigoros, die Ausbildung hart und umfassend: Vor allem deshalb steht die Hamburger Henri-Nannen-Schule im Ruf, die renommierteste deutsche Journalistenschule zu sein, getragen von den Verlagen Gruner+Jahr, SPIEGEL und Zeit. 18 Monate lang werden 20 junge Frauen und Männer intensiv im Handwerk der Print- und elektronischen Medien geschult. Das Auswahlverfahren für den nächsten Lehrgang (Beginn Januar 2015) startet Anfang 2014 mit einer dreimonatigen Registrierungsphase.

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Hamburger Journalistenschule: Qualität kommt von Qual