Die eine Zeitung macht dicht, die andere entlässt Dutzende Mitarbeiter, die dritte sucht einen Käufer - es war schon leichter, als Journalist sein Geld zu verdienen. Und trotzdem träumen immer noch Tausende junge Menschen von diesem Job.
Die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg gilt als renommierteste Ausbildungsstätte, ihr Auswahlverfahren als das härteste. Sowohl die Schule als auch die Bewerber investieren dabei viel Energie und Zeit - eine geschickte Strategie, sagt Benedikt Hell. Als Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz hat er schon zahlreiche Auswahlverfahren untersucht und selbst entwickelt. Er sagt: "Je stärker man ein Angebot verknappt und den Zugang einschränkt, desto attraktiver wird es."
Und je schwieriger die Prüfung, desto auserwählter fühlt sich, wer es geschafft hat. "Es entsteht durch das gemeinsame Bestehen eines harten Auswahlverfahrens manchmal eine besondere Gruppendynamik", sagt Hell. "Ein starkes Wir-Gefühl."
Wie viel hätten Sie gewusst?
Im "Triathlon des Wissens" der Henri-Nannen-Schule gibt es drei Disziplinen:
- 52 Fragen im Wissenstest
- 30 Prominente erkennen im Bildertest
- und: eine Schreibübung
Nicht nur die Henri-Nannen-Schule investiert viel in die Auswahl, auch die Deutsche Journalistenschule in München beispielsweise verfährt ähnlich. Und junge Menschen, die vom Fliegen träumen, müssen den Pilotentest bestehen, angehende Botschafter fürchten das Auswahlverfahren des Auswärtigen Amtes, auch Unternehmensberatungen wie McKinsey, Boston Consulting Group und Roland Berger pflegen teils bizarre Aufnahmerituale.
Zusatzdisziplin: Polizeimeldung ins Deutsche übersetzen
Dem Auswahlverfahren der Journalistenschule gibt Hell das Prädikat "sehr durchdacht". Die Trefferquote, tatsächlich talentierte junge Journalisten zu finden, dürfte hoch sein, sagt er. Warum? Einerseits ist die Selektionsquote streng - denn von 2300 Personen, die sich in diesem Jahr für das Bewerbungsverfahren registrierten, haben nur 20 einen Platz bekommen.
Andererseits kombiniert die Nannen-Schule mit Wissenstest, Interview und Arbeitsproben solche Auswahlverfahren, die sich in Studien als besonders aussagekräftig erwiesen haben: Zunächst haben die Bewerber drei Wochen Zeit, einen Kommentar und eine Reportage zu vorgegebenen Themen zu schreiben. Die besten 78 Autoren fahren dann nach Hamburg zur zweitägigen finalen Auswahltagung, zuletzt fand sie im Januar statt. Am ersten Tag erwartet die Bewerber dann der Wissens- und der Bildertest sowie eine misslungene Polizeimeldung, die sie verbessern müssen. Außerdem müssen die Bewerber eine Reportage schreiben, das Thema in diesem Jahr: "Sonntagnachmittag auf der Reeperbahn - eine Momentaufnahme".
Auf den neuen Lehrgang der Journalistenschule wartet dann im Hamburger Seminarraum ein Schild, auf dem steht: "Qualität kommt von Qual". Denn was mit dem harten Auswahlverfahren anfing, geht an der Schule weiter.
Auf SPIEGEL ONLINE können Sie testen: Wie viel hätten Sie gewusst? Hier geht's zu den großen Herausforderungen für junge Journalisten: zum Wissenstest und zum Bildertest.
fln
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