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Bewerberfang im Internet: Die besten Karriere-Websites

Von Alexandra Sillgitt

Der Wettstreit um Spitzenkräfte beginnt im Netz: Studenten und Absolventen haben in einer Umfrage die besten deutschen Karriereseiten von Firmen bestimmt. Ihr Fazit: Kreativität und Information müssen sich die Waage halten. SPIEGEL ONLINE zeigt die Ergebnisse exklusiv.

Die Flash-Animation informiert, das Video unterhält, das Blog bietet die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Bewerbern. Mit dem "Recruitainment" buhlen die Unternehmen um die besten Bewerber, informieren und unterhalten gleichermaßen. "Ohne Elemente des Web 2.0 kann eine Karriereseite einpacken", sagt Toril Lennig von Potentialpark zu SPIEGEL ONLINE.

Bereits zum sechsten Mal hat die Unternehmensberatung aus Schweden in einer Umfrage die 30 besten deutschen Karriereseiten ermittelt. 1661 Studenten und Hochschulabsolventen stellten das Angebot von 102 Unternehmen auf den Prüfstand: Wer hat die beste Navigation? Wer informiert am besten über das Bewerbungsverfahren? Und - wer sieht dabei auch noch schick aus?

"Die Funktionalität ist das Wichtigste an der Webseite. Aber ohne gutes Design klickt sie keiner", sagt Ursula Kleerbaum von der Deutschen Post. Die Bonner landeten bereits zum dritten Mal auf Platz eins der Bewertung, gefolgt von Bayer und der Deutschen Bank (siehe Bildergalerie und Links zu den Tabellen).

Die Karriereseite der Deutschen Post bündle am besten ihre einzelnen Sparten, verweise auf Stellenangebote der Postbank aber auch der internen Consulting-Abteilung, erklärt Lenning das Erfolgskonzept. Bei der ersten Umfrage 2003 landete der Konzern noch abgeschlagen auf Rang 121 von 140 Unternehmen. Damals war, wie Kleerbaum einräumt, das Design nicht besonders ansprechend, die Seite wirkte sehr statisch und wie zugemauert, auch an Inhalten fehlte es. Nach einem Relaunch sei die Seite nun moderner und präsentiere Informationen übersichtlicher.

"Früher stellten die Firmen einfach ihre Bewerbungsbroschüren ins Netz", sagt Lenning. Heute stecke ein regelrechter Masterplan dahinter. Die Karriereseiten seien nicht mehr nur Teil des Rekrutierungsprozesses - sondern ihr Ausgangspunkt. Die Herausforderung bestehe nun vor allem darin, mit den technischen Innovationen Schritt zu halten: "Was gestern noch neu war, gehört heute zum Standard."

Zu viel Schnickschnack kann schaden

Eine Karriereseite mit eingebautem Video steche kaum noch aus der Masse interaktiv gestalteter Pages heraus, so Lenning. Nicht nur die Bewerber konkurrierten um einen Arbeitsplatz, auch der Wettstreit der Unternehmen um den besten Bewerber habe zugenommen, vor allem bei den Beraterfirmen und Wirtschaftsprüfern. PriceWaterhouseCoopers (PwC), KPMG, Deloitte: Sie alle rangieren unter den Top 10. Auch Roland Berger schaffte in diesem Jahr den Sprung unter die besten 30.

"Beraterfirmen haben einen hohen Bedarf an Mitarbeitern und müssen potentielle Bewerber zunächst über ihre Karriereseite für das Unternehmen begeistern", sagt Thomas Teetz, Personalmarketing-Leiter bei PwC, SPIEGEL ONLINE. Die Seite des Neuntplatzierten bietet nahezu alles, was das interaktive Herz begehrt.

Beinahe schon spartanisch mutet dagegen die Seite der Beraterfirma Booz Allen Hamilton an: keine Flash-Animation, keine Videos. Dennoch schob sich die US-Firma im Ranking vor PwC auf Rang sieben und verbesserte sich damit im Vergleich zum Vorjahr um neun Plätze. "Uns ist wichtig, dass die Bewerber Booz Allen Hamilton kennen lernen, um sie dadurch an uns zu binden", sagt Miriam Kraneis, Recruiting-Manager der Firma. Über kurz oder lang würden Videos in das Angebot eingebunden, das erzwinge der Wettbewerb. Doch jedes Tool werde darauf geprüft, ob es den Bewerber auf der Suche nach einem Arbeitgeber entscheidend weiterbringe.

Im internationalen Vergleich sind die Deutschen stark

Auch Toril Lennig von Potentialpark glaubt nicht, dass es für die Unternehmen sinnvoll sein kann, sich mit technischen Spielereien zu übertrumpfen - zu schnell bleibe die Information auf der Strecke. Das sei aber nicht der Grund, weshalb beispielsweise die Boston Consulting Group im Ranking abgerutscht sei - im Vorjahr war sie auf dem zweiten Rang, nun ging es für die Firma 2008 23 Plätze nach unten. "Sie haben sich einfach zu wenig weiterentwickelt", sagt Lenning.

Weiter bergab ging es auch für McKinsey: Von Rang drei 2006 stürzten die Top-Berater auf Platz 21 ab. Aufsteiger des Jahre ist die Deutsche Bank: Sie arbeitet sich von Rang 15 auf Platz drei hoch.

In den USA und Europa macht Potentialpark ähnliche Befragungen. Das Ergebnis zeigt: Deutsche Firmen rangieren ganz weit oben. Das Feld europäischer Websites führt ebenfalls die Post an, und die Deutsche Bank steht bei den US-Studenten und Absolventen hoch im Kurs. "Deutsche Unternehmen müssen dort smarter und härter sein als die Konkurrenz, um die Bewerber zu locken", sagt Lenning. "Wenn man die Nummer zwei auf dem Markt ist, muss man sich noch mehr engagieren."

Das Ranking der besten Karriereseiten Deutschlands, Europas und den USA: Welches Unternehmen ködert die Bewerber am erfolgreichsten? SPIEGEL ONLINE zeigt's.

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