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Bewerbungsgespräche: "Bei der Motivation lügen alle"

Von Xenia von Polier

Sie gelten als unberechenbare Fallensteller - doch nur über Personalchefs führt der Weg zum Traumjob. Um sie zu überzeugen, wird getrickst, gelogen und geheult. Meistens hilft das den Bewerbern wenig. Worauf die Interviewer tatsächlich achten, zeigt ein Blick hinter die Kulissen eines Coachings.

Personaler-Training: Wen haben wir denn hier? Fotos
Corbis

Längst nicht jeder Bewerber ist ein guter Verkäufer in eigener Sache: Manche Job-Anwärter versuchen sich mit wenig glaubwürdigen Geschichten kompetenter darzustellen, als sie sind.

Frauen gelten als besonders zurückhaltend, wenn sie die eigenen Kompetenzen vermarkten sollen. Und manche, Männer wie Frauen, haben einfach keine Ahnung, was sie können.

Claudia M.* weiß um ihre Fähigkeiten, aber sie ist in Sachen Präsentation besonders weiblich: Die 50-jährige übt für den Ernstfall, genau wie das Verhörpersonal, das ihr hier gegenübersitzt.

Die Bewerberin sitzt auf einem Stuhl zwei Personalern gegenüber und fühlt sich sichtlich unwohl. Ihre Schultern hängen nach vorn, sie blickt zu Boden und beginnt in kurzen, abgehackten Sätzen ihren Lebenslauf runterzurattern.

So nehmen Personaler den Kandidaten in die Mangel
In sieben Phasen gliedert sich ein Bewerbungsgespräch.

SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Fragen den Kandidaten wann erwarten und wie man den Hürdenlauf zum neuen Job sicher übersteht.

"Ich habe 20 Jahre Erfahrung im IT-Bereich. Wegen einer möglichen Betriebsschließung möchte ich mich neu orientieren." Zehn Minuten haben die Recruiter Claudia für ihre Selbstpräsentation zugewiesen. Nach drei Minuten ist sie am Ende ihres bisherigen Lebens angelangt und erklärt den Personalern harsch: "Es ist alles gesagt."

Die Bewerberin ist ein Rätsel

Sylvia Schlegel, Personalreferentin bei Tom Tailor, sieht die Bewerberin überrascht an. Sie bemüht sich, das Gespräch freundlich fortzusetzen und der wortkargen Frau mehr Details zu entlocken. Schlegel fragt: "Welche der Qualifikationen, die Sie sich während ihrer bisherigen Tätigkeit angeeignet haben, ist Ihrer Meinung nach am herausragendsten? Wie stellen Sie sich Ihren künftigen Arbeitsplatz vor, und was motiviert Sie als IT-Managerin?"

Claudias Ausführungen bleiben schwer nachvollziehbar. Kommunikation und Selbstdarstellung gehören eindeutig nicht zu ihren Stärken. Nach einem halbstündigen Gespräch ist die Bewerberin noch immer ein Rätsel.

Rein äußerlich, und mehr kriegen die Personaler ja nicht zu sehen, wirkt die technikbewandte Frau reizbar, unzufrieden und nervös. Sie scheint der Situation nicht gewachsen. Bei einem echten Bewerbungsgespräch hätte sie eine Absage kassiert. Gut, dass hier heute alle nur üben. Die Bewerberin ebenso wie die Fragensteller.

"Bewerbergespräche mit Niveau führen" ist das Seminarziel für Mitarbeiter von acht großen Unternehmen, darunter Mars, Peek und Cloppenburg, MLP, Otto und Hermes Logistics.

Sie wollen auf dem Seminar des Hamburger Instituts für Managerberatung und Persönlichkeitsdiagnostik lernen, Fähigkeiten und Charakter von Bewerbern richtig einzuschätzen.

*Name geändert

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insgesamt 120 Beiträge
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1. Brezelverkäufer oder Top-Management?
tancarino, 05.08.2010
Sie konzentrieren sich auf höher qualifizierte Berufe. Wer eine Reinigungskraft für's Treppenhaus sucht, schaut mit anderen Augen auf den Bewerber, und ganz sicher nicht so genau hin. Immerhin gibt es das Assessment Center, das relativ gut Auskunft über die Fähigkeiten - und vor allem die "Soft Skills" - gibt. Wirklich Neues enthält der Artikel nicht. Sommerlochfüller?
2. "Bei der Motivation lügen alle" ....
Hilfskraft 05.08.2010
... oder, wer blöde Fragen stellt, kriegt blöde Antworten! Die Leute wollen den Job! Basta! Wer hat denn den Schwachsinn, "Wie bewerbe ich mich richtig?" in die Handbücher geschrieben? Daß Personalchefs dabei auch ein wenig blöde wirken, liegt doch nicht an den Bewerbern! H.
3. Handycam?!
Kokeicha333 05.08.2010
Ehhh, sagen Sie mal, wer hat denn da die Foto's genommen?! Ist ja grauenhaft - von der Qualitaet der Fotos' bis hin zur Kleidung und Setting der Teilnehmer.... Waere ich hier HR Manager, waeren die allesamt durchgefallen, inkl. Photograph! :)
4. ..und wer die Wahrheit sagt.....wird bestraft...
Mohnblut 05.08.2010
Zitat von sysopSie gelten als unberechenbare Fallensteller - doch nur über Personalchefs führt der Weg zum Traumjob. Um sie zu überzeugen, wird getrickst, gelogen und geheult. Meistens hilft das Bewerbern wenig. Worauf die Interviewer tatsächlich achten, zeigt ein Blick hinter die Kulissen eines Coachings. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,710146,00.html
...is doch wie..wie....überall. Is (leider) quasi NORMAL! Geworden! Wer die Wahrheit sagt wird wie im Mittelalter als Überbringer schlechter Nachrichten....abserviert. Eine Gesellschaft erzieht sich ihre schizophrene Verlogenheit mit System und Nachhaltigkeit. Dies Thema will aber keiner hören. Das steht nicht auf der Agenda der Medien als Headline und Dauerbrenner oder Seite 1. Ein toter Wal vor Neufundland ist da Quotenträchtiger. So und nun lassen wir mal diesen Gedanken 15 Sekunden auf uns wirken......
5. Der übliche Mist....
blue_plasma, 05.08.2010
und es wird in zukunft noch schlimmer. Menschen werden immer mehr danach bewertet wie sie sich verkaufen können. Eine gewisse Form von Sozialdarwinismus ist da schon zu erkennen. Vor allem aber zeigt es, dass Personaler -genau wie BWLer oder Juristen- nix richtiges in ihrem Leben gelernt haben. Dem entsprechend müssen sie Mimikri betreiben um was zu werden. Wär' mal schön, wenn ein Mechaniker einen Personaler nach seinen Qualitätskriterien beurteilen dürfte. Ein interessantes Ergebnis wär' zu erwarten... :)
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