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Bildungsverlierer: Ungelernt und chancenlos

Keine Ausbildung, keine Perspektive - der Bildungsbericht 2010 von Bund und Ländern offenbart: Jeder sechste junge Mensch in Deutschland hat keinen Berufsabschluss und wird auch nicht weitergebildet. Auf dem Jobmarkt scheitert das Heer der Ungelernten. Besonders schwer haben es Migranten.

Schlange in der Arbeitsagentur: Kaum Jobs für Ungelernte Zur Großansicht
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Schlange in der Arbeitsagentur: Kaum Jobs für Ungelernte

Jeder sechste junge Mensch in Deutschland zwischen 20 und 30 Jahren hat keinen Berufsabschluss und befindet sich auch nicht mehr in Bildungsmaßnahmen. Das geht aus dem neuen Bildungsbericht von Bund und Ländern hervor, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, der der Bericht mit dem Titel "Bildung in Deutschland 2010" vorliegt.

Besonders dramatisch ist die Situation demnach für 20- bis 30-Jährige mit Migrationshintergrund. Von ihnen ist fast ein Drittel ohne Berufsabschluss und qualifiziert sich auch nicht mehr weiter. Bei jungen Frauen türkischer Herkunft in dieser Altersgruppe sind es sogar 47,5 Prozent.

Der Bericht soll an diesem Donnerstag gemeinsam von Bundesbildungsministerium und Kultusministerkonferenz (KMK) vorgestellt werden. Eine Wissenschaftlergruppe hat ihn erarbeitet, unter Federführung des Frankfurter Bildungsforschers Horst Weishaupt.

Mit 17 Prozent unter den 20- bis 30-Jährigen hat die Zahl der Ungelernten in Deutschland offenbar einen neuen Höchststand erreicht. Im neuen Bund-Länder-Bericht wird diese Quote für das Jahr 2008 ausgewiesen. 2007 waren es laut einem früheren Regierungsbericht nur 15,2 Prozent, also 1,5 Millionen junge Menschen.

Angesichts der steigenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt warnen die Wissenschaftler vor einer verhängnisvollen Entwicklung: Für Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung "dürfte es in Zukunft noch schwerer werden, einen Arbeitsplatz zu finden". Nach einer Prognose wird das Arbeitskräfteangebot von Ungelernten den tatsächlichen Bedarf in den kommenden 15 Jahren dauerhaft um 1,3 Millionen übersteigen.

Hauptschüler haben kaum Chancen auf dem Jobmarkt

Vor allem Hauptschüler haben Probleme, einen Ausbildungsplatz zu finden. Schon der Bildungsbericht 2008 kam zum Ergebnis, dass Hauptschüler auf dem Jobmarkt weiter zurückfallen. Jetzt scheint sich dieser Trend weiter zu verfestigen. Trotz der von Bundesregierung und Wirtschaft signalisierten Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt landet nach wie vor jeder zweite Hauptschüler mit Abschluss nach dem Schulabgang zunächst in einer sogenannten Warteschleife des Übergangssystems, etwa in Bildungsmaßnahmen der Arbeitsagenturen. Von den Hauptschülern ohne Abschluss sind dies laut Bericht mehr als drei Viertel.

Bund und Länder haben schon vor Jahren das Ziel ausgegeben, die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss zu halbieren. Doch es geht nur langsam voran - vor allem im Osten. Bundesweit sank die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss zwar von 8,5 Prozent (2004) auf 7,4 Prozent (2008). Das waren immerhin noch rund 65.000 Schüler. Doch es gibt ein starkes geografisches Gefälle: Im Westen liegt die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss jetzt bei 6,7 Prozent; im Osten dagegen bei 11,6 Prozent - also fast doppelt so hoch. In Mecklenburg-Vorpommern wird der Negativ-Spitzenwert von 17,9 Prozent erreicht. Auffallend sind auch die hohen Negativquoten aus Sachsen-Anhalt (12,1) und Sachsen (11,8).

Laut Bericht wächst in Deutschland fast jeder dritte Schüler in einer "sozialen, finanziellen oder kulturellen Risikolage" auf. Dies sind gut 29 Prozent der 13,6 Millionen Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren. Die größte Gruppe davon - knapp 25 Prozent - ist vom "Armutsrisiko" betroffen, weil ihre Eltern über weniger als 60 Prozent des üblichen Familieneinkommens verfügen und damit die "Armutsgefährdungsgrenze" überschreiten. Bei Kindern mit Migrationshintergrund lag das Risiko mit 35 Prozent deutlich höher.

Hohes Armutsrisiko in Mecklenburg-Vorpommern

Bei knapp elf Prozent geht kein Elternteil einer Beschäftigung nach; das stufen die Forscher als "soziales Risiko" ein. 13 Prozent der Kinder wuchsen 2008 bei Eltern auf, die keine abgeschlossene Berufsausbildung oder nur geringe Schulbildung haben ("Risiko der Bildungsferne").

Auch der Anteil der Kinder unter 15 Jahren, deren Mütter oder Väter auf Hartz-IV angewiesen waren, schwankte 2008 laut Bildungsbericht regional erheblich: Von zwei Prozent im Landkreis Eichstätt (Bayern) bis 38 Prozent in Schwerin (Mecklenburg- Vorpommern).

Nach Bekanntwerden der ersten Ergebnisse des Berichts gab es Kritik an der Bildungspolitik in Bund und Ländern: Die "klägliche Situation" in den Haupt- und Sonderschulen erfordert nach Auffassung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) "ein grundsätzliches Umsteuern". Bund und Länder müssten statt in Eliteförderung in Chancengleichheit investieren, sagte die GEW-Vize Marianne Demmer: "Statt auszusondern und zu sortieren müssen den Lehrern alle Möglichkeiten eröffnet werden, Kinder und Jugendliche individuell zu fördern."

Von einem "Armutszeugnis" sprach der Grünen-Chef Cem Özdemir: "Wir können es uns nicht weiter leisten, dass so viele junge Menschen in unserem blockierten Bildungssystem abgehängt werden." Notwendig sei eine Kehrtwende hin zu frühkindlicher Förderung, längerem gemeinsamem Lernen und qualitätsvollen Ganztagsschulen.

dpa/otr

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1. ...
yucatan_1 15.06.2010
Zitat von sysopKeine Ausbildung, keine Perspektive - der Bildungsbericht 2010 von Bund und Ländern offenbart: Jeder sechste junge Mensch in Deutschland hat keinen Berufsabschluss und wird auch nicht weitergebildet. Auf dem Jobmarkt scheitert das Heer der Ungelernten. Besonders schwer haben es Migranten. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,700889,00.html
Nee, besonders schwer haben es die "Alten"... die trotz ihrer immensen Erfahrung keine Chance haben, sich weiter auf dem Arbeitsmarkt etablieren zu können... Da spielt noch nicht mal der Berufsabschluss eine Rolle... Das Problem ist, dass heute nur noch Menschen einen "Job" bekommen, wenn sie bereit sind, sich für einen Lohn den Hintern aufzureißen, für den "die oberen Zehntausend" sich noch nicht mal mehr vom Frühstückstisch erheben würden... Ich erlebe es seit Jahren... Qualifizierte und intelligente Arbeitskräfte sind offensichtlich eine Gefahr für den Arbeitsmarkt... Dieses Deutschland ist echt arm dran...
2. System ersetzt niemals Lernwille und Einsicht ....
mercator, 15.06.2010
Zitat von sysopKeine Ausbildung, keine Perspektive - der Bildungsbericht 2010 von Bund und Ländern offenbart: Jeder sechste junge Mensch in Deutschland hat keinen Berufsabschluss und wird auch nicht weitergebildet. Auf dem Jobmarkt scheitert das Heer der Ungelernten. Besonders schwer haben es Migranten. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,700889,00.html
Mag ja sein - aber was bitte schön hat das mit dem sog. System zu tun ? Wenn ich das schon lese ...'wird nicht weitergebildet ....' - müsste doch wohl richtig heissen: ruht sich in der sozialen Hängematte aus und will sich nicht weiterbilden ... Zuerst muss doch mal die Einsicht dass Bildung nötig ist im Elternhaus vorhanden sein, dann von dort an die Kids vermittelt werden und dann kann man vielleicht mal über das System nachdenken - aber es kann mir keiner - auch nicht Herr Özdemir und andere 'Bildungsexperten' - weismachen, daß dieser hohe Anteil von 'drop-outs' am System liegt - denen fehlt ganz einfach die Einsicht - was ja am Ende noch viel schlimmer ist - denn diese Menschen wird man mit keinem Bildungssystem zu mehr Bildung bringen. Falsch dagegen ist der Ansatz, Niveau und Anforderungen immer weiter nach unten anzupassen bis auch der letzte I.... mitkommt - damit werden dann die Lernwilligen auch noch frustriert. Kann doch wohl nicht sein, daß man sich hier nach unten orientiert......
3. Titel
Gabri, 15.06.2010
Zitat von sysopKeine Ausbildung, keine Perspektive - der Bildungsbericht 2010 von Bund und Ländern offenbart: Jeder sechste junge Mensch in Deutschland hat keinen Berufsabschluss und wird auch nicht weitergebildet. Auf dem Jobmarkt scheitert das Heer der Ungelernten. Besonders schwer haben es Migranten. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,700889,00.html
Dann kann ich nicht verstehen, warum diese Leute nicht in Branchen anzutreffen sind, für die weder ein Berufsabschluss noch eine Weiterbildung notwendig ist, nämlich in den Gewerben, in denen Abiturienten zuhauf ihre Zeit zwischen Abitur und Studium/Ausbildung vertrödeln: in der Gastronomie, bei sozialen Betätigungen (Zivildienst) oder in anderen ungelernten Tätigkeiten.
4. Alles vergebens. . . .
Transmitter, 15.06.2010
Zitat von yucatan_1Nee, besonders schwer haben es die "Alten"... die trotz ihrer immensen Erfahrung keine Chance haben, sich weiter auf dem Arbeitsmarkt etablieren zu können... Da spielt noch nicht mal der Berufsabschluss eine Rolle... Das Problem ist, dass heute nur noch Menschen einen "Job" bekommen, wenn sie bereit sind, sich für einen Lohn den Hintern aufzureißen, für den "die oberen Zehntausend" sich noch nicht mal mehr vom Frühstückstisch erheben würden... Ich erlebe es seit Jahren... Qualifizierte und intelligente Arbeitskräfte sind offensichtlich eine Gefahr für den Arbeitsmarkt... Dieses Deutschland ist echt arm dran...
Wir kennen die soziolog. Studien, die Printmedien berichten seit Jahren immer wieder breitest darüber, wir sehen es bis zum Abwinken im Unterschichten-TV: Dieser überbürokratisierte Sozialstaat hat sich selbst ein voll etabliertes Hartz IV-Prekariat herangezüchtet. Demotivierte, ungebildete, lebensuntüchtige Menschen, die nur noch "Leistungsempfänger" SEIN KÖNNEN. Die Schlaueren beziehen Hartz IV in allen Variationen und machen "schwarz" immer ein paar hundert Euro im Monat nebenher. Damit lässt sich auskömmlich leben. Auto und regelmässiger Urlaub eingeschlossen. Wir erleben Grossclans von Mitbürgern mit Migrationshintergrund, die seit vielen Jahren hier leben, ständig grösser werden und die den Hartz IV-Status schon traditionell an ihre Kinder weitergeben. Arm und verlottert sehen die aber nicht gerade aus. Ganz im Gegenteil! Wie das geht, weiß jeder Mitarbeiter in ARGE-Leistungsstellen, man darf man aber nicht fragen! Wir wissen alle, dass zahllose Jobs hierzulande nicht besetzt werden können, obwohl Firmen händeringend Mitarbeiter suchen. Reinigungsdienste, Hilfskräfte in Lager und auf dem Bau, landwirtschaftliche Erntehelfer usw. Wir sehen, dass unsere Städte verfallen, öffentliche Anlagen nicht mehr gepflegt werden, Pflegehilfskräfte vorne und hinten fehlen. DAS, liebe Mitforisten, ist die Realität in unserem Land. Und wir dürfen nicht sagen, was schuld daran ist? Seit Jahrzehnten ist es so und es wird immer schlimmer. Jeder weiss es, jeder sieht es, jeder kann es lesen und im TV sehen. Sozialverbände, Gewerkschaften, Politiker beklagen anhaltend das Auseinanderklaffen von Arm und Reich, bejammern die "Diskriminierung" breiter Schichten Arbeitsloser, die "soziale Kälte" in diesem Land. Aber es darf in diesem Land, dass bereits über die Hälfte seiner Steuereinnahmen für soziale Transferleistungen ausgibt, nicht die WAHRHEIT gesagt werden. Mit Jahr für Jahr steigender Tendenz geht es schneller bergab. In einem Land, dessen Infrastruktur ersichtlich verfällt, weil die öffentlichen Hände kein Geld mehr haben, darf man nicht sagen, WER an dieser ganzen Sch.. . . . schuld ist? Obwohl es alle doch wissen? So ein Land ist verkommen. Es ist in meinen Augen verloren. Es wird sich nie etwas ändern, es ist alles vergebens, bis es zum letzten grossen Knall kommt. Wir hätten gemeinsam rechtzeitig etwas ändern können, wir hätten den Super GAU verhindern können. Wir hätten unseren Wohlstand, unsere Sicherheit, unsere Zukunft retten können, wenn uns der hierzulande ALLES unterbügelnde Meinungsfaschismus, Political Correctness genannt, nicht daran gehindert hätte. Und alle haben mitgemacht. . . .
5. Differenzierung
zalog 15.06.2010
Zitat von mercatorMag ja sein - aber was bitte schön hat das mit dem sog. System zu tun ? Wenn ich das schon lese ...'wird nicht weitergebildet ....' - müsste doch wohl richtig heissen: ruht sich in der sozialen Hängematte aus und will sich nicht weiterbilden ... Zuerst muss doch mal die Einsicht dass Bildung nötig ist im Elternhaus vorhanden sein, dann von dort an die Kids vermittelt werden und dann kann man vielleicht mal über das System nachdenken - aber es kann mir keiner - auch nicht Herr Özdemir und andere 'Bildungsexperten' - weismachen, daß dieser hohe Anteil von 'drop-outs' am System liegt - denen fehlt ganz einfach die Einsicht - was ja am Ende noch viel schlimmer ist - denn diese Menschen wird man mit keinem Bildungssystem zu mehr Bildung bringen. Falsch dagegen ist der Ansatz, Niveau und Anforderungen immer weiter nach unten anzupassen bis auch der letzte I.... mitkommt - damit werden dann die Lernwilligen auch noch frustriert. Kann doch wohl nicht sein, daß man sich hier nach unten orientiert......
Danke für diesen Kommentar! Ich möchte noch ergänzen, dass der pauschale Bezug auf Migranten die Sache verfälscht. Es sind nämlich mitnichten alle Migranten "Bildungsverlierer". Diese Gruppe wird vielmehr überwiegend durch Migranten aus der Tükei und dem arabischen Raum gebildet. Es wäre schön, wenn Bildungsbericht 2010 mehr diffenzieren und der Frage nachgehen würde, warum gerade die Mitglieder dieser Gruppe überdurchnittlich häufig durch das Bildungssystem direkt in das soziale Netz rauschen.
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