Selten beschreibt ein Buchtitel das Phänomen so treffend: Wer zur oft besungenen "Generation P." gehört, fällt auch in eine Zeit, in der nichts so unpopulär scheint, wie endgültige Entscheidungen zu treffen. Und zu ihnen zu stehen. Denn alles ist potentiell auf Abruf, die nächste Krise kommt bestimmt.
Dieses Herumlavieren als Wesensmerkmal zu benennen, das eben nicht nur das Berufliche betrifft, deutet die Klugheit dieses Romans schon an: Nils, Jasmin, Linn, Viktor, Anika, Chris und Giulia sind Nikola Richters "Lebenspraktikanten". Sie sind alle über Ecken miteinander befreundet, und alle leben die Suche nach dem festen Job anders aus. Was sie verbindet: Sie sind ständig woanders zu Hause, zwischen Polen, Berlin und dem Rest der Welt. Das ist ihre Normalität. Sie sind mit dem Wissen aufgewachsen, dass nur weiterkommt, wer mehrere Sprachen beherrscht.
Richter folgt kapitelweise einzelnen Protagonisten und enttarnt jedes Mal die Diskrepanz zwischen äußerem Schein und tatsächlichem Dasein. Die präzisen Schilderungen offenbaren, wie schwer es ist, in dieser Lebensform Freundschaften, geschweige denn Beziehungen zu pflegen, wie rastlos es sich in maximal verwertbaren Zeiteinheiten lebt, auf der strategischen Suche nach dem ersten richtigen Job. Es ist gleichermaßen deprimierend wie wahrhaftig.
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