Judith Lieres Roman hat sich auf die neoliberalen Elemente des Praktikantendaseins eingeschossen: Konkurrenzkampf und Ausbeutung. Cobra bewegt sich zwischen Uniabschluss und, wenn's nach ihr ginge, einem journalistischen Volontariat. Und somit im Niemandsland der Minimalabsicherung. So lange zumindest, bis sie sich beim Hamburger Privatsender "Alster-TV" gegen die 20 Mitbewerber durchgesetzt hat. Das bedeutet: drei Monate Praktikum für insgesamt 600 Euro Lohn.
Liere, Journalistenschülerin und auch UniSPIEGEL-Autorin, hat ihre Geschichte so fest in der Hand wie einen frisch unterschriebenen Arbeitsvertrag. Dass sie stringent erzählt und in erster Linie Cobras Arbeitsalltag beschreibt, ihr Ziel immer gut im Blick, ist die halbe Miete.
Die andere Hälfte ist leider, womit sie das Ganze anfüttert: Da wären Cobras Missgeschicke, so zahlreich wie unerträglich; da ist die tiefdekolletierte Mitpraktikantin, eine blonde Schlange; zu guter Letzt verliebt sich die Protagonistin auch noch in den Personalchef. Und, ehrlich, wenn ein Jungautor noch einmal die Suche nach neuen WG-Mitbewohnern durchdekliniert, sollte das Lektorat diese Seiten bitte großzügig streichen.
Das Ende vom Lied: Sie schmeißt hin, der Neffe vom Chef bekommt die Volo-Stelle.
Piper Verlag 2008; 204 Seiten; 7,95 Euro.
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