Bücher zur "Generation Praktikum": Von Mägden und Knechten

5. Teil: Judith Liere: "Probezeit"

Autorin Judith Liere Zur Großansicht
Arabella Schwarzkopf

Autorin Judith Liere

Judith Lieres Roman hat sich auf die neoliberalen Elemente des Praktikantendaseins eingeschossen: Konkurrenzkampf und Ausbeutung. Cobra bewegt sich zwischen Uniabschluss und, wenn's nach ihr ginge, einem journalistischen Volontariat. Und somit im Niemandsland der Minimalabsicherung. So lange zumindest, bis sie sich beim Hamburger Privatsender "Alster-TV" gegen die 20 Mitbewerber durchgesetzt hat. Das bedeutet: drei Monate Praktikum für insgesamt 600 Euro Lohn.

Liere, Journalistenschülerin und auch UniSPIEGEL-Autorin, hat ihre Geschichte so fest in der Hand wie einen frisch unterschriebenen Arbeitsvertrag. Dass sie stringent erzählt und in erster Linie Cobras Arbeitsalltag beschreibt, ihr Ziel immer gut im Blick, ist die halbe Miete.

Die andere Hälfte ist leider, womit sie das Ganze anfüttert: Da wären Cobras Missgeschicke, so zahlreich wie unerträglich; da ist die tiefdekolletierte Mitpraktikantin, eine blonde Schlange; zu guter Letzt verliebt sich die Protagonistin auch noch in den Personalchef. Und, ehrlich, wenn ein Jungautor noch einmal die Suche nach neuen WG-Mitbewohnern durchdekliniert, sollte das Lektorat diese Seiten bitte großzügig streichen.

Das Ende vom Lied: Sie schmeißt hin, der Neffe vom Chef bekommt die Volo-Stelle.

  • Autorinnenjahrgang: 1979
  • Der Satz, der alles sagt: "Dann kann ich den Dauerauftrag für dein Konto ja kündigen, oder?"
  • Die Protagonisten: Dürfen wenigstens selber Beiträge drehen, schneiden, texten
  • Humorradius: Cobra schält Milchschnitte und isst nur die Innereien.
  • Das taugt's: Reicht allemal, um sich vom Warten auf die Post abzulenken.

Buchtipp
Judith Liere:
"Probezeit"

Piper Verlag 2008; 204 Seiten; 7,95 Euro.

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Träumerle
T. Wagner 09.03.2010
Zitat von sysopBeinah im Monatstakt erscheinen neue Romane oder Sachbücher zu jungen Akademikern, die in eine Berufs- und Lebenskrise taumeln. Mal erschöpft sich das schnell in Praktikantenjammerposen, mal finden die Autoren eine eigene Sprache. Ein Bücher-Sixpack - Anne Haeming fahndete nach den Perlen.
Die Rezension von Frau Haeming ist sehr erhellend. Offenbar will jeder junge Mensch heute Journalist werden. So, als gäbe es nichts anderes auf dieser Welt. Und daher sind nicht nur Praktikumsplätze knapp, sondern auch Arbeitsstellen. Vollzeitstellen in Form eines unbefristeten Arbeitsvertrages gibts in der Branche ohnehin kaum noch. Vielleicht sollten Einige umsatteln. Auch woanders wird Geld verdient.
2. Das Ausmaß wird das System in den nächsten 20 Jahren verändern
Viva24 09.03.2010
Grundlage der Entwicklung ist doch das totale Versagen der Politiker, vorallem der von Lobbyisten bezahlten...
3. ...
disi 09.03.2010
Zitat von sysopBeinah im Monatstakt erscheinen neue Romane oder Sachbücher zu jungen Akademikern, die in eine Berufs- und Lebenskrise taumeln. Mal erschöpft sich das schnell in Praktikantenjammerposen, mal finden die Autoren eine eigene Sprache. Ein Bücher-Sixpack - Anne Haeming fahndete nach den Perlen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,681066,00.html
...ich sehe da 2 grundsätzliche Probleme. Zu einen natürlich das System (Politik UND Wirtschaft) ansich, das den jungen Leuten/Kindern vorgaukelt man müsse zwingend studieren und möglichst noch promovieren um überhaupt mehr als ein Hartz4-Empfänger zu verdienen, dann aber nicht bereit ist den entsprechend Qualifizierten (die es ja dann in Massen gibt) auch ordentliche Jobs mit angemessenem Gehalt anzubieten. (so dass am Ende tatsächlich nur unwesentlich mehr an Gehalt rausspringt als der Mindestsatz) Absolut krank. Zweitens liegt es auch ein Stückweit an der Generation selbst. Wenn die Masse nicht bereit ist, sich in jungen Jahren auch mal die Hände schmutzig zu machen und "unterqualifizierte" Tätigkeiten auszuführen, und nur den Einstieg auf höchstem Niveau anstrebt, wird es zurecht Probleme geben. Man steigt nun mal - nicht nur - direkt als Häuptling in einer Firma ein. Wenn man lange Jahre ein guter Krieger war, ist man sogar meistens später der bessere Häuptling. Zu meiner Lehrzeit in der 80ern gab es sehr viele Azubis mit Abitur in technisch/gewerblichen Bereichen. Das ist heute sicher die Ausnahme.
4. ...die üblichen Sündenböcke
Suryo 09.03.2010
Zitat von Viva24Grundlage der Entwicklung ist doch das totale Versagen der Politiker, vorallem der von Lobbyisten bezahlten...
Gähn! Klar, DIE Politiker sind an allem schuld...
5. .
herr-vorragend 09.03.2010
Zitat von sysopBeinah im Monatstakt erscheinen neue Romane oder Sachbücher zu jungen Akademikern, die in eine Berufs- und Lebenskrise taumeln. Mal erschöpft sich das schnell in Praktikantenjammerposen, mal finden die Autoren eine eigene Sprache. Ein Bücher-Sixpack - Anne Haeming fahndete nach den Perlen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,681066,00.html
Ob ich den Artikel gelesen hätte oder nicht, läuft auf das selbe hinaus: Ich habe schonwieder vergessen worum es im Text eigentlich ging. Vermutlich ist dies das Hauptproblem der angeblichen "Generation Praktikum".
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