Bücher zur "Generation Praktikum": Von Mägden und Knechten

Beinah im Monatstakt erscheinen neue Romane oder Sachbücher zu jungen Akademikern, die in eine Berufs- und Lebenskrise taumeln. Mal erschöpft sich das schnell in Praktikantenjammerposen, mal finden die Autoren eine eigene Sprache. Ein Bücher-Sixpack - Anne Haeming fahndete nach den Perlen.

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Willkommen im Praktikum: Kopieren, Kaffeekochen, Knechtschaft - ist das so?

Das Gute sitzt so nah, manchmal nur eine Bürotür weiter: Die Buchverlage haben die Praktikanten als Thema für sich entdeckt und müssen, praktischerweise, manchmal gar nicht lange nach den Autoren fahnden. Das Konzept: Sie lassen Nachwuchsjournalisten autobiografisch inspirierte Romane schreiben - die wissen schließlich, wovon sie sprechen. Geisteswissenschaftler, die "irgendwas mit Medien" machen wollen, kommen an der Praktikumsschleuse kaum vorbei. Gut zwei Handvoll einschlägige Taschenbücher landeten bislang auf dem Markt, stets zu Preisen, die sich auch das junge Prekariat leisten kann.

So musste es wohl kommen. Denn die Zielgruppe steht für eine Lebensphase. Und die werden neuerdings gerne in Prosaform gespiegelt, man kennt das Prinzip von "jungen Vätern". Das Zeitalter begann mit einer Namenskür. Vor sechs Jahren rief die "Die Zeit" die "Generation Praktikum" aus. Und traf einen Nerv. Der Ausdruck wurde beinah "Wort des Jahres", die "taz" nannte sie mitleidig "Globalisierungskinder", der Sender Arte widmete ihnen einen Themenabend, zuletzt kam auch noch ein Film über Praktikantenprotest in die Kinos.

Der inzwischen gut abgehangene Begriff "Generation Praktikum" kennzeichnet Berufsanfänger in der Krise. Für die Verlage eine riesige Zielgruppe und zugleich eine schwierige Kundschaft: Mit ihrem bisschen Einkommen überlegen die Jungakademiker dreimal, wofür sie ihr Geld ausgeben.

Manche Bücher entpuppen sich nach wenigen Seiten als wenig originelle Praktikantenjammerliteratur; in einigen wurden Generationen-Gedöns und Romanelemente zusammenlaminiert, nur will der Kleber nicht recht halten. Und in anderen finden die Autoren eine eigene Haltung und eine eigene Sprache, statt sich nur in Larmoyanz zu verkriechen, als wäre die Knechtschaft in Kettenpraktika die einzige Option im Leben. Turnschuhträger und T-Shirts, Kopiergeräte und erschöpfte Menschen am Wasserspender - schon die Coverbilder sprechen Bände. Am liebsten riefe man den Möchtegern-Leistungsträgern zu: Ein bisschen mehr Rückgrat, bitte!

Bei welchen Büchern das Lesen lohnt und wo die Schreibübungen zügig fad werden - ein Überblick über sechs Bücher aus den letzten zwei Jahren.

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Träumerle
T. Wagner 09.03.2010
Zitat von sysopBeinah im Monatstakt erscheinen neue Romane oder Sachbücher zu jungen Akademikern, die in eine Berufs- und Lebenskrise taumeln. Mal erschöpft sich das schnell in Praktikantenjammerposen, mal finden die Autoren eine eigene Sprache. Ein Bücher-Sixpack - Anne Haeming fahndete nach den Perlen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,681066,00.html
Die Rezension von Frau Haeming ist sehr erhellend. Offenbar will jeder junge Mensch heute Journalist werden. So, als gäbe es nichts anderes auf dieser Welt. Und daher sind nicht nur Praktikumsplätze knapp, sondern auch Arbeitsstellen. Vollzeitstellen in Form eines unbefristeten Arbeitsvertrages gibts in der Branche ohnehin kaum noch. Vielleicht sollten Einige umsatteln. Auch woanders wird Geld verdient.
2. Das Ausmaß wird das System in den nächsten 20 Jahren verändern
Viva24 09.03.2010
Grundlage der Entwicklung ist doch das totale Versagen der Politiker, vorallem der von Lobbyisten bezahlten...
3. ...
disi 09.03.2010
Zitat von sysopBeinah im Monatstakt erscheinen neue Romane oder Sachbücher zu jungen Akademikern, die in eine Berufs- und Lebenskrise taumeln. Mal erschöpft sich das schnell in Praktikantenjammerposen, mal finden die Autoren eine eigene Sprache. Ein Bücher-Sixpack - Anne Haeming fahndete nach den Perlen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,681066,00.html
...ich sehe da 2 grundsätzliche Probleme. Zu einen natürlich das System (Politik UND Wirtschaft) ansich, das den jungen Leuten/Kindern vorgaukelt man müsse zwingend studieren und möglichst noch promovieren um überhaupt mehr als ein Hartz4-Empfänger zu verdienen, dann aber nicht bereit ist den entsprechend Qualifizierten (die es ja dann in Massen gibt) auch ordentliche Jobs mit angemessenem Gehalt anzubieten. (so dass am Ende tatsächlich nur unwesentlich mehr an Gehalt rausspringt als der Mindestsatz) Absolut krank. Zweitens liegt es auch ein Stückweit an der Generation selbst. Wenn die Masse nicht bereit ist, sich in jungen Jahren auch mal die Hände schmutzig zu machen und "unterqualifizierte" Tätigkeiten auszuführen, und nur den Einstieg auf höchstem Niveau anstrebt, wird es zurecht Probleme geben. Man steigt nun mal - nicht nur - direkt als Häuptling in einer Firma ein. Wenn man lange Jahre ein guter Krieger war, ist man sogar meistens später der bessere Häuptling. Zu meiner Lehrzeit in der 80ern gab es sehr viele Azubis mit Abitur in technisch/gewerblichen Bereichen. Das ist heute sicher die Ausnahme.
4. ...die üblichen Sündenböcke
Suryo 09.03.2010
Zitat von Viva24Grundlage der Entwicklung ist doch das totale Versagen der Politiker, vorallem der von Lobbyisten bezahlten...
Gähn! Klar, DIE Politiker sind an allem schuld...
5. .
herr-vorragend 09.03.2010
Zitat von sysopBeinah im Monatstakt erscheinen neue Romane oder Sachbücher zu jungen Akademikern, die in eine Berufs- und Lebenskrise taumeln. Mal erschöpft sich das schnell in Praktikantenjammerposen, mal finden die Autoren eine eigene Sprache. Ein Bücher-Sixpack - Anne Haeming fahndete nach den Perlen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,681066,00.html
Ob ich den Artikel gelesen hätte oder nicht, läuft auf das selbe hinaus: Ich habe schonwieder vergessen worum es im Text eigentlich ging. Vermutlich ist dies das Hauptproblem der angeblichen "Generation Praktikum".
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