Business Schools: Ethik-Häppchen für den Nachwuchs

An den Business Schools regt sich das schlechte Gewissen: Dort wurden viele der Topmanager ausgebildet, die entscheidend zur Wirtschaftskrise beitrugen. Verändern sich jetzt die Regeln, nach denen die Führungskräfte von morgen ausgebildet werden?

Führungskräfte von morgen: Werden Absolventen auch auf ethische Fragen vorbereitet? Zur Großansicht
Corbis

Führungskräfte von morgen: Werden Absolventen auch auf ethische Fragen vorbereitet?

In Business-Schools werden die Führungskräfte von morgen herangezogen - doch sind die auf dieses Morgen eigentlich gut vorbereitet? Wer sich die aktuelle Wirtschaftskrise anschaut, könnte da ins Zweifeln kommen. Viele der Wall-Street-Banker, die die Krise mit verursachten, kommen von rennommierten Business-Schools. Sie hielten viel von Gewinn, aber wenig von Verantwortung, heißt es nun.

Kritik wird laut: Sollten die, die unsere Geschicke in den Händen halten, nicht auch ethisch reflektieren lernen? Müssten nicht die Lehrpläne unseres Nachwuchs deutlich überarbeitet werden?

Doch an den deutschen Business Schools tut sich bisher wenig. Die meisten beeilen sich zu sagen, ethische Fragen seien ja bereits fester Bestandteil der Lehrpläne. So betont die Mannheim Business School, dass in ihrem Vollzeit-MBA-Programm ein soziales Projekt auf dem Plan stehe. Und an der European Business School in Oestrich-Winkel weist man auf die zwei philosophischen Lehrstühle hin, die in den letzten fünf Jahren eingerichtet wurden.

Einige organisieren Ringvorlesungen zu nachhaltigem Wirtschaften, andere machen Wahlveranstaltungen in Corporate Social Responsibility zur Pflicht. Immerhin: an der Tias Nimbas Business School in Bonn müssen die Teilzeitstudenten künftig ein Non-Profit-Projekt bearbeiten.

Selbsttest: Können Sie Chef?
Boss werden wollen viele. Doch nicht jeder hat das Zeug dazu. Haben Sie's? Testen Sie Ihre Eignung zur Führungskraft.

Jetzt beim großen Cheftest mitmachen!

Der große Umbau von Lehrplänen, wie ihn einige fordern, findet aber nicht statt. Auch in den USA nicht, wo die Krise ihren Ursprung hatte. Immerhin sind einige der Business-Schools ins Grübeln gekommen. So wurde an der Harvard Business School kürzlich ein Manager-Eid eingeführt. Mehr als die Hälfte der 900 Absolventen schwor im vergangenen Juni erstmals: "Als Manager ist es meine Aufgabe, der Gesellschaft zu dienen."

"Ein trivialer Versuch, das Problem zu lösen"

An der Thunderbird School of Global Management in Arizona schwören die Studenten, keine Korruption zu dulden, Menschenrechte nicht zu verletzen und niemanden zu diskriminieren. Eine Stiftung setzt sich nun dafür ein, einen landesweit einheitlichen Eid für Manager zu schaffen.

Angel Cabrera, Chef der Thunderbird School fordert darüber hinaus, an allen Business Schools grundlegende Lehrinhalte zu verändern. So müsse etwa das Shareholder-Prinzip hinterfragt werden - nur die Shareholder zufrieden zu stellen soll nach der jüngsten Krise nicht mehr reichen. Auch sein Kollege Henry Mintzberg von der kanadischen McGill University sagte kürzlich dem SPIEGEL: "Ein paar zusätzliche Kurse in Ethik helfen doch nicht. Das ist ein trivialer Versuch, das Problem zu lösen."

Wenigstens hat eine Studie jetzt ergeben, dass das Wirtschaftsstudium nicht automatisch unmoralisch macht: Wissenschaftler verglichen in einer Online-Befragung die moralischen Vorstellungen von Wirtschafts-Studenten mit Studenten nichtwirtschaftlicher Fächer. Das Ergebnis: Die Studenten unterscheiden sich nur wenig. Und vor allem: Sie verändern ihre Moralvorstellungen im Laufe des Studiums nicht negativ. Möglicherweise können Wirtschafts-Kaderschmieden also sowieso nicht viel an den Ansichten der Manager von morgen ändern.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Was Hänschen nicht lernt....
maipiu 02.07.2010
Ethisches Verhalten kann man nicht lernen wie das Einmaleins. Man muss das vorgelebt bekommen in vielen vielen Details. Wie alt ist man, wenn man ein Wirtschaftsstudium beginnt? Achzehn, neunzehn Jahre? Wenn man bis dahin nicht verstanden hat, was Mitmenschlichkeit bedeutet, dann ist sowieso alles zu spät. Dann nützen die besten Seminare nichts. Ebenso wenig, wie political correctness gegen Rassismus hilft.
2. Ich habe im Frühjahr meinen MA in Marketing & Sales an der ESADE abgeschlossen...
Macallen 02.07.2010
könnte mich aber nicht erinnern, dass von einem schlechten Gewissen die Rede war. Man könnte es eher als "Jetzt erst Recht" bezeichnen, und das obwohl Spanien von der Krise schwer getroffen wurde. Trotzdem kann amn diesn Schulen nicht wirklich einen Vorwurf machen. Sie lehren was auf dem Arbeitsmarkt gefragt wird oder sie fallen aus den FT rankings und verschwinden selber in Bedeutungslosigkeit.
3. moralisierendes Gedöns
Earendil77 02.07.2010
Glauben denn ernsthaft Leute, Wirtschaftskrisen hätten was mit moralischen Defiziten von Führungskräften zu tun? So dumm kann doch wirklich niemand sein, oder? Wer einem Manager vorwirft, gierig zu sein, hält wohl auch einem Zebra vor, dass es Streifen hat. Man möge sich doch mal ernsthaft mit Ökonomiekritik befassen statt mit solch moralisierendem Gedöns!
4. was anständiges lernen
zynik 02.07.2010
Zitat von Earendil77Glauben denn ernsthaft Leute, Wirtschaftskrisen hätten was mit moralischen Defiziten von Führungskräften zu tun? So dumm kann doch wirklich niemand sein, oder? Wer einem Manager vorwirft, gierig zu sein, hält wohl auch einem Zebra vor, dass es Streifen hat. Man möge sich doch mal ernsthaft mit Ökonomiekritik befassen statt mit solch moralisierendem Gedöns!
Wie siehts denn in diesem Fall mit der sonst so gerne gepredigten Eigenverantwortung aus? Sich moralisch hinter irgendwelchen diffusen ökonomischen Systemzwängen zu verstecken, ist doch ziemlich billig. Damit lässt sich wirklich alles legitimieren. Im Gegensatz zu den gestreiften Zebras kam kein Manager mit Dollarzeichen in den Augen auf die Welt, sondern hat sich frei dazu entschieden, sein Leben der Profitmaximierung zu widmen. Er hätte ja auch was anständiges lernen können ;-)
5. Profitmaximierung ist nicht immer Selbstzweck
Don_Corleone 02.07.2010
Zitat von zynikIm Gegensatz zu den gestreiften Zebras kam kein Manager mit Dollarzeichen in den Augen auf die Welt, sondern hat sich frei dazu entschieden, sein Leben der Profitmaximierung zu widmen. Er hätte ja auch was anständiges lernen können ;-)
Man kann aber auch mal an dieser Stelle erwähnen, dass Menschen zu großen Anteilen die Produkte ihrer Umwelt sind. Für die Manager bedeutet das, dass ihre Umwelt Erwartungen an sie stellt - da wären z.B. die Shareholder, die auf höchste Gewinnmaximierung pochen. Dann gibt es da noch die Stakeholder - das sind z.B. die Arbeitnehmer (Bsp. Schalterangestellte bei einer Bank) die selbstverständlich einen sicheren Arbeitsplatz erwarten und auch gerne üppige Gehälter beziehen wollen. Auch für diese Menschen ist der Manager in der Gewinnmaximierungspflicht. Durch sichere Arbeitsplätze und hohen Wachstumsraten wird die wirtschaftliche Grundlage geschaffen, damit Gesellschaften florieren können (es werden z.B. Familien gegründet etc. pp.) All das wäre in Gefahr, wenn die Manager eben nicht mehr gierig wären, sondern genügsam daherkämen. Man darf auch nicht vergessen, das wir als Nation im Wettbewerb mit anderen Staaten stehen => die Chinesen würden uns für eine neue Ethik keinesfalls zusätzliches Geld geben. Und dann wäre das Geschrei noch größer und man würde sicher erkennen, das erst das Fressen kommt und dann die Moral. Fazit: Gier ist gut und fördert Wohlstand und Fortschritt (und somit die Zukunft der nachkommenden Generationen). Die Frage ist allenfalls, wie die Erzeugnisse der Gier weiterverwertet werden. In den USA besteht z.B. eine breite Charity-Kultur in der Bevölkerung, die durch gesetzliche (steuerliche) Rahmenbedingungen Anreize schafft, altruistisch zu spenden. Soetwas fehlt in Deutschland weitestgehend - hier sind aber nicht die Manager die allein Schuldigen, sondern jeder einzelne Bürger (Politiker, Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Gesetzgeber usw. )
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Job & Beruf
RSS
alles zum Thema Karriere
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Vorsicht, Studentenfalle: Lost in Perfection

Fotostrecke
Vorsicht Falle: Die zehn schlimmsten Fehler im Gehaltspoker

[M]DDP ;mm.de
Der Geheimcode der Chefs: In Zeugnissen werden selbst verbale Ohrfeigen nett verpackt. Wer weiß schon, ob ein Lob ehrlich ist oder doch raffiniert verstecktes Gift? Mit dem Klartext-Test finden Sie heraus, was Ihre Zeugnisse wirklich wert sind. mehr....