In Business-Schools werden die Führungskräfte von morgen herangezogen - doch sind die auf dieses Morgen eigentlich gut vorbereitet? Wer sich die aktuelle Wirtschaftskrise anschaut, könnte da ins Zweifeln kommen. Viele der Wall-Street-Banker, die die Krise mit verursachten, kommen von rennommierten Business-Schools. Sie hielten viel von Gewinn, aber wenig von Verantwortung, heißt es nun.
Kritik wird laut: Sollten die, die unsere Geschicke in den Händen halten, nicht auch ethisch reflektieren lernen? Müssten nicht die Lehrpläne unseres Nachwuchs deutlich überarbeitet werden?
Doch an den deutschen Business Schools tut sich bisher wenig. Die meisten beeilen sich zu sagen, ethische Fragen seien ja bereits fester Bestandteil der Lehrpläne. So betont die Mannheim Business School, dass in ihrem Vollzeit-MBA-Programm ein soziales Projekt auf dem Plan stehe. Und an der European Business School in Oestrich-Winkel weist man auf die zwei philosophischen Lehrstühle hin, die in den letzten fünf Jahren eingerichtet wurden.
Einige organisieren Ringvorlesungen zu nachhaltigem Wirtschaften, andere machen Wahlveranstaltungen in Corporate Social Responsibility zur Pflicht. Immerhin: an der Tias Nimbas Business School in Bonn müssen die Teilzeitstudenten künftig ein Non-Profit-Projekt bearbeiten.
Der große Umbau von Lehrplänen, wie ihn einige fordern, findet aber nicht statt. Auch in den USA nicht, wo die Krise ihren Ursprung hatte. Immerhin sind einige der Business-Schools ins Grübeln gekommen. So wurde an der Harvard Business School kürzlich ein Manager-Eid eingeführt. Mehr als die Hälfte der 900 Absolventen schwor im vergangenen Juni erstmals: "Als Manager ist es meine Aufgabe, der Gesellschaft zu dienen."
"Ein trivialer Versuch, das Problem zu lösen"
An der Thunderbird School of Global Management in Arizona schwören die Studenten, keine Korruption zu dulden, Menschenrechte nicht zu verletzen und niemanden zu diskriminieren. Eine Stiftung setzt sich nun dafür ein, einen landesweit einheitlichen Eid für Manager zu schaffen.
Angel Cabrera, Chef der Thunderbird School fordert darüber hinaus, an allen Business Schools grundlegende Lehrinhalte zu verändern. So müsse etwa das Shareholder-Prinzip hinterfragt werden - nur die Shareholder zufrieden zu stellen soll nach der jüngsten Krise nicht mehr reichen. Auch sein Kollege Henry Mintzberg von der kanadischen McGill University sagte kürzlich dem SPIEGEL: "Ein paar zusätzliche Kurse in Ethik helfen doch nicht. Das ist ein trivialer Versuch, das Problem zu lösen."
Wenigstens hat eine Studie jetzt ergeben, dass das Wirtschaftsstudium nicht automatisch unmoralisch macht: Wissenschaftler verglichen in einer Online-Befragung die moralischen Vorstellungen von Wirtschafts-Studenten mit Studenten nichtwirtschaftlicher Fächer. Das Ergebnis: Die Studenten unterscheiden sich nur wenig. Und vor allem: Sie verändern ihre Moralvorstellungen im Laufe des Studiums nicht negativ. Möglicherweise können Wirtschafts-Kaderschmieden also sowieso nicht viel an den Ansichten der Manager von morgen ändern.
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