Checkliste: Fünf Kriterien für ein gutes Praktikum

Von Nadine Nöhmaier

Praktikanten erwarten Fairness, Unternehmen engagierte Mitarbeit. Wer andere Praktikanten fragt und schon im Vorstellungsgespräch klärt, ob einige wichtige Voraussetzungen erfüllt sind, kann böse Enttäuschungen vermeiden.

1. Komplexe Aufgaben

Experte Honolka: "Keine Lebenszeit vergeuden"

Experte Honolka: "Keine Lebenszeit vergeuden"

Bei zu schlichten Aufgaben hat ein Praktikant keine Chance zu beweisen, was er kann. Erfährt der Bewerber beim Vorstellungsgespräch, dass er drei Monate lang ausschließlich eine EDV-Datei pflegen soll, dann sollte er die Finger von der Stelle lassen. "Tagein, tagaus eine rasch erlernbare Tätigkeit zu machen, vergeudet Lebenszeit - für wenig Lohn", sagt Harro Honolka. "Natürlich muss jeder mal eine Datei pflegen oder Kaffee kochen. Aber nicht ausschließlich und auf Dauer."

Bei einem qualifizierten Praktikum dagegen steht der Erwerb komplexer Fertigkeiten im Vordergrund. Ideal wäre, wenn der Praktikant ein Projekt übernimmt, zum Beispiel die "Marktanalyse Polen" auf den aktuellen Stand bringt.

2. Eigenständig und nicht am Rockzipfel

Nach einer Einweisung sollte der Praktikant sein Projekt eigenverantwortlich bearbeiten können - natürlich unter gelegentlicher Hilfestellung. Schafft er das souverän, kann er beeindrucken: "Viele Unternehmen fürchten, dass Praktikanten zu sehr an der Hand genommen werden müssen, dass sie zu viele Fragen stellen und dadurch die Mitarbeiter zu sehr belastet werden", weiß Honolka. "Daher sollte der Praktikant seinem Gegenüber im Vorstellungsgespräch klar machen: Ich werde nicht an Ihrem Rockzipfel hängen."

3. Ausreichende Dauer

Ein Praktikum, das nur drei Wochen dauert, kann nicht qualifiziert sein, denn komplexe Aufgaben erfordern mehr Zeit und längere Einarbeitung. Das Unternehmen wird zudem nicht fundiert ausbilden, wenn der Praktikant zu kurz im Haus verweilt, um letztendlich produktiv mitarbeiten zu können. Das würde sich nicht rechnen.

Andererseits gilt aber auch: Sucht eine Firma Praktikanten gleich für ein ganzes Jahr, womöglich noch ohne jede Bezahlung, riecht das nach Ausbeutung. Drei Praktika mit jeweils zwei bis drei Monaten sind eine gute Faustregel.

4. Fester Ansprechpartner

Wenn es im Unternehmen einen Praktikumsbeauftragten gibt, ist die Betreuung einigermaßen sichergestellt.

5. Faire Bezahlung

Bestenfalls wird ein Praktikum mit 800 Euro entlohnt, marktüblich sind 300 bis 500 Euro. Und oft - etwa in der Medienbranche - wird gar nichts bezahlt. Wer sich das leisten kann, sollte das Praktikum trotzdem antreten, steht doch eine nützliche Erfahrung im Vordergrund und nicht das Geldverdienen.

Misstrauen kann aber auch angebracht sein, wenn ein Praktikum fürstlich entlohnt wird. "Bei einem Praktikum, bei dem ein Praktikant 1000 Euro verdient, lernt und sieht er oft nicht viel", warnt Honoloka und argwöhnt: "Da muss er wohl nach kurzer Einarbeitungszeit ranklotzen, beispielsweise tausende Adressen abtippen, sonst würde die Firma nicht so viel bezahlen."

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