Getränke und Essen servieren, die Gäste umsorgen und Zimmer putzen - das ist der Alltag für angehende Hotelfachleute. Junge Menschen in dieser Berufsgruppe werden schlechter ausgebildet und sind unzufriedener als Azubis in anderen häufigen Ausbildungsberufen. Das hat eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ergeben. Hotelfachleute landeten unter den 25 häufigsten Ausbildungsberufen auf dem letzten Platz, wenn es um die Qualität ihrer Ausbildung geht. Das steht im Ausbildungsreport 2011, den der Gewerkschaftsbund am Mittwoch in Berlin vorstellte.
Für den Report hatten 9325 Auszubildende in verschiedenen Jahrgängen einen Fragebogen ausgefüllt. Sie beantworteten zum Beispiel, ob sie sich gut betreut fühlen, ob der Ausbildungsplan eingehalten wird und wie viele Überstunden pro Woche anfallen.
So gehören regelmäßige Überstunden für gut 40 Prozent der Befragten zum Berufsalltag. Laut Jugendarbeitsschutzgesetz dürfen Auszubildende gar keine Mehrarbeit leisten. Doch die DGB-Umfrage ergab, dass unter den Azubis, die regelmäßig mehr arbeiten, jeder Fünfte wöchentlich sechs bis zehn Überstunden leistet. Fast zwei Prozent machten sogar mehr als 20 Überstunden pro Woche. Und fast jeder Fünfte gab an, geleistete Überstunden weder abbauen zu können noch ausbezahlt zu bekommen. Viele wehrten sich nicht gegen die Mehrarbeit, aus Angst, nach der Ausbildung nicht übernommen zu werden.
"Überstunden, die ich im Berichtsheft nicht angeben darf"
Rundum die zufriedensten Auszubildenden sind Industriemechaniker-Lehrlinge. Am zufriedensten mit den Ausbildungsinhalten waren Tischler-Azubis, am besten angeleitet fühlten sich Steuerfachangestellte. In der Gesamtwertung der qualitativ besten Ausbildungsberufe liegt die Banklehre ganz vorn. Gut schnitt auch die Ausbildung zum Mechatroniker ab. Im vergangenen Jahr waren die besten Positionen in der DGB-Rangliste ähnlich verteilt.
Am schlechtesten schnitt das Hotel- und Gaststättengewerbe ab. Ähnlich schlecht wie angehende Hotelfachleute bewerteten künftige Restaurantfachleute ihre Ausbildung. "Eine schlechte fachliche Anleitung, permanent viele Überstunden, ein oftmals rauer Ton und der Eindruck, ausgenutzt zu werden, bestimmen bei vielen Auszubildenden in dieser Branche den Arbeitsalltag", schreibt der DGB.
Der Gewerkschaftsbund zitiert eine Auszubildende, die sich im März an das Online-Beratungsforum "Dr. Azubi" wandte. "Seit acht Monaten mache ich die Ausbildung zur Hotelfachfrau", berichtet sie. "Ich werde durch die Abteilungen gereicht und mache viele Überstunden, die ich in meinem Berichtsheft nicht einmal angeben darf." Nach einem Gespräch mit dem Chef, in dem sie ihn auf ihre Rechte hingewiesen habe, sei es "nur noch schlimmer" geworden, berichtet die junge Frau. Gerade im Hotel- und Gaststättengewerben berichten Jugendliche öfter von herrischen Chefs und ungebührlich langen Arbeitszeiten.
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband räumte zwar Handlungsbedarf ein, wehrte sich gleichzeitig jedoch gegen die umfassende Kritik. "Wir wollen die Probleme, die es in der Ausbildung gibt, nicht kleinreden", sagte Geschäftsführerin Sandra Warden. Ihre Position als Schlusslicht habe die Branche aber nicht verdient. Junge Menschen hätten nach Abschluss ihrer Ausbildung gute Perspektiven. Das klein- und mittelständische Dienstleistungsgewerbe sei zudem mit großen Industrieunternehmen nur bedingt vergleichbar.
Der DGB zeigte sich insgesamt unzufrieden mit der Qualität der Ausbildung in Deutschland. "Leider sind die Probleme von Auszubildenden in den letzten Jahren nicht geringer geworden", erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Angesichts der Debatte um mangelnde Bewerberzahlen sei zu erwarten gewesen, dass sich die Qualität der Ausbildung "eigentlich verbessert hat", meinte der DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf.
son/dapd/dpa
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