Von Martin Wehrle
U wie Überstunden-Hunger
Er winselt nach zusätzlicher Arbeit wie ein Hund nach seinem Futter. Die beste Stunde für ihn heißt: Überstunde. Wenn ihn nicht gerade ein Erdbeben aus dem Gebäude treibt - oder auch dann - wartet er mit seinem Feierabend ab, bis er den Chef mit einem Bückling verabschiedet hat. Nur die treusten Matrosen gehen erst nach dem Kapitän von Bord.
V wie Vorsagen
Ein wichtiges Meeting. Fünf Geschäftspartner sitzen am Tisch. Da verliert der Chef den Faden: "Was wollte ich jetzt sagen?" Die große Stunde des Schleimers. Er, der jedes Wort des Chefs auswendig kann, springt ein: "Sicher wollten Sie darauf hinaus, dass ..." - "Stimmt, danke", sagt der Chef. Und der Arbeitstag, ach was: das Arbeitsjahr des Schleimers ist gerettet.
W wie Wendigkeit
Vor allem ein Körperteil muss beim Schleimer sehr beweglich sein: Er braucht einen Wendehals. Nur so kann er auf die Kehrtwendungen des Chefs reagieren und heute Beschlüsse bejubeln, die gestern noch als "irrsinnig" gegolten hätten - zum Beispiel eine Fusion. Dagegen sind Mitarbeiter, die den Chef an sein Geschwätz von vorgestern erinnern, bei diesem etwa so beliebt wie der Steuerprüfer.
Z wie Zuhör-Masochismus
Die Monologe des Chefs - ein einziges Schlafmittel. Aber nur für die Kollegen. Während sie einnicken, ist der Schleimer am Kopfnicken. Und klebt an den Lippen seines Hirten, als würde er der Bergpredigt lauschen - und nicht der aufgewärmten Fassung einer Motivationsrede, die noch genauso schlecht vor für fünfzehn Jahren ist.
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