Knurrender Magen, Sieben-Tage-Woche, Fußabtreter der Professoren - Doktoranden haben es schwer. Als arme, ausgebeutete "Kettenjobber" oder "Leiharbeiter" sehen sich viele. Doch geht es jungen Forschern wirklich so schlecht oder beklagen sie sich einfach mehr als andere?
Eine neue Studie, die erst im Herbst erscheinen soll, erlaubt nun einen Blick hinter die Kulissen des Promotionsalltags. Ihr Ergebnis haben die Autoren Stefan Hornbostel und sein Team vom Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) in einem Beitrag für die Zeitschrift "Forschung & Lehre" zusammengefasst. Ihre überraschende Erkenntnis: Doktoranden geht es nicht blendend, aber auch nicht so miserabel, wie sie das oft darstellen.
Die Forscher befragen für ihre Erhebung seit 2009 etwa 6600 Doktoranden von zehn Hochschulen während und nach ihrer Promotion. Auch Doktoranden, die von der DFG, Begabtenförderwerken oder dem DAAD gefördert werden, nehmen an der Umfrage teil. Sie werden regelmäßig zu ihren Einkünften, ihrer Arbeitssituation, der Betreuung ihrer Doktorarbeit und ihrem Berufseinstieg nach der Promotion befragt.
Geisteswissenschaftler abgeschlagen
Mit der fachlichen Betreuung sind knapp zwei Drittel der Promovierenden zufrieden. Ein Drittel bemängelt die fehlende Unterstützung bei inhaltlichen und methodischen Fragen. Hinsichtlich ihrer finanziellen Situation betrachtet die Studie Geschichts- und Sozialwissenschaftler sowie Naturwissenschaftler, Elektrotechniker und Informatiker getrennt und dabei werden große Unterschiede zwischen den Fächern deutlich.
Geisteswissenschaftler schneiden beim Verdienst am schlechtesten ab. Sie finanzieren sich meist über Stipendien oder haben gar kein regelmäßiges Einkommen. Feste Stellen sind für Geisteswissenschaftler oft nicht mehr als ein schöner Traum. Wer ein Stipendium bekommt, ist zudem nicht sozialversichert, private Vorsorge und Krankenversicherung belasten zusätzlich.
Darum greifen Geisteswissenschaftler mehr als andere Doktoranden auf Ersparnisse zurück oder erhalten finanzielle Unterstützung von ihren Eltern. 15 bis 20 Prozent verdienen monatlich weniger als 826 Euro und liegen damit unter der Armutsgrenze. Nur etwa einer von fünf Geisteswissenschaftlern gibt an, mehr als 1400 Euro im Monat zur Verfügung zu haben.
Besser sieht es bei den Naturwissenschaftlern und Technikern aus. Hier ist die Armutsgrenze fast kein Thema. Zwei Drittel verfügen über mehr als 1400 Euro im Monat. Viele sind als festangestellte Mitarbeiter obendrein sozialversichert. Ein weiterer Vorteil der Naturwissenschaftler sei die große Nähe zu ihrem Forschungsthema, so die Autoren. Die Doktoranden können meistens an ihrem Promotionsprojekt arbeiten. Geisteswissenschaftler gaben deutlich häufiger an, fachfremde Aufträge ihres Professors erledigen zu müssen.
Unklare Doktorandenzahlen
Die Autoren schlussfolgern: Das "Horrorbild von Doktoranden, die arm und ausgebeutet ihrer Promotion nachgehen", habe wenig mit der Realität zu tun. Im Durchschnitt erhalte die Mehrheit der Doktoranden vergleichbare Gehälter wie andere Hochschulabsolventen. Nichtsdestotrotz müsse man aber die sehr unterschiedlich ausgeprägten Einzelschicksale beachten.
Schwierig für die Forscher: Eine genaue Angabe zu der Gesamtzahl aller Promovierenden in Deutschland gibt es nicht. Es könnten 50.000 oder auch 200.000 sein, sagt Hornbostel im Deutschlandfunk. Darüber gebe es leider keine richtig verlässlichen Informationen, was die Qualitätssicherung besonders schwierig mache.
voe
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