Evangelische Schule: Ethischer Journalismus, aber ohne Beten

Müsst ihr am Morgen beten? Sind Witze über Jesus okay? Solche Fragen hören Schüler der Evangelischen Journalistenschule manchmal. Für Jana Petersen und Adrian Pickshaus zählt aber vor allem eins: Ihre Schule gibt ihnen ein stabiles Wertegerüst mit auf den Berufsweg.

Journalistenschüler: Adrian Pickshaus und Jana Petersen fühlen sich bereit - dank EJSZur Großansicht
Christina Felschen

Journalistenschüler: Adrian Pickshaus und Jana Petersen fühlen sich bereit - dank EJS

"Die Evangelische Journalistenschule (EJS) in Berlin liegt direkt hinter dem Bahnhof Zoo - was für ein Kontrast. Aber für uns, die 15 Jungjournalisten des aktuellen Jahrgangs, war das nicht der entscheidende Grund für die Bewerbung in dem Altbaufelsen neben dem Drogenstrich.

Einer kam, weil ihn das Flair der Hauptstadt reizte. Eine andere, weil sie ihrem Sohn keinen weiteren Umzug zumuten wollte. Und alle haben sich an der EJS beworben, weil ihnen hier etwas geboten wird, was es so an keiner anderen Journalistenschule gibt: eine moderne Multimedia-Ausbildung plus belastbares Wertegerüst.

Der Aufbau unserer 18-monatigen Ausbildung ist besonders: Nach jedem Schulblock - es gibt drei Blöcke für Print- und je einen für Radio-, Fernseh- und Online-Journalismus - schließt direkt ein Praktikum in einer entsprechenden Redaktion an. Gelerntes wird sofort umgesetzt. Die Stationen wählt jeder Volontär selbst. Oft entstehen enge Verbindungen über die Praktika hinaus. Viele von uns schreiben oder produzieren neben der Schule weiter für diese Redaktionen. Und jetzt, einige Monate vor dem Abschluss, verhandeln einige über freie Mitarbeit und Jobs im Sommer.

Einmischen und protestieren, wenn es nötig ist

Am Ende jeder Lehrredaktion steht ein Abschlussprojekt. Im Hörfunk ist das ein einstündiges Radiomagazin, selbst entwickelt, produziert und moderiert - eigene Beiträge, eigene Musikauswahl, alles sendefähig. Nach der TV-Lehrredaktion gibt es einen 30-minütigen Film von uns zu sehen, eventuell sogar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Nach der letzten Print-Lehrredaktion haben wir ein eigenes Magazin gestemmt. Der Titel: "Einsichten13".

Immer wieder bekommen wir die gleiche Frage gestellt: Was macht eure Schule eigentlich evangelisch? Nun, einige von uns sind Protestanten, einige Katholiken - und ein paar sind noch nicht einmal getauft. Es wird hier nicht gebetet, es gibt keine morgendlichen Andachten - dafür aber eine Ausbildung, die einen ethischen Journalismus fördert und die Persönlichkeitsentwicklung der Volontäre vorantreibt. Wir lernen uns einzumischen, zu diskutieren und auch zu protestieren, wenn es nötig ist. Und außerdem: Die Kirche hat eine lange Tradition des Publizierens, eine ziemlich erfolgreiche sogar.

Wir 15 Volontäre ergänzen uns mit unserer Vorbildung und unseren unterschiedlichen Charakteren. Obwohl uns allen die Krise im Rücken lauert, obwohl um uns herum die Medien sterben und uns jeder eine düstere Zukunft als Freie prognostiziert: Wir sind kämpferisch. Wir fühlen uns gut vorbereitet. Und das liegt nicht zuletzt an der sehr guten Ausbildung an der EJS."

Journalistenschulen

Teilnehmer: bis zu 16

Bewerber: rund 400

Dauer: 22 Monate. Die Bewerbungsfrist zum nächsten Jahrgang, der zum 1. November antritt, endet am 30. Juni 2010.

Kosten/Vergütung: kostenfrei/ keine Vergütung

Voraussetzungen: abgeschlossene Berufs- oder Hochschulausbildung, Höchstalter 32


Von Jana Petersen und Adrian Pickshaus

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  • Freitag, 25.06.2010 – 13:20 Uhr
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