Von Christine Xuan Müller
Nicht nur Deutschland hat mit der Exzellenzinitiative ein Mittel in der Hand, Spitzenforschung und Spitzenuniversitäten selektiv mit zusätzlichen Geldern zu fördern. Auch andere Länder verfügen über ähnliche Programme. Denn Wissenschaft ist teuer. "Schon in den 70er- und 80er-Jahren hat die Politik gemerkt, dass sich die Forschungsinfrastruktur eines Landes nicht flächendeckend auf international wettbewerbsfähigem Niveau aufrecht erhalten lässt", begründet Dr. Jochen Gläser vom Zentrum für Technik und Gesellschaft der TU Berlin das Entstehen evaluationsbasierter Förderinstrumente, die zusätzlich Geld in leistungsstarke Spitzenforschung pumpen.
Er hat international drei verschiedene Typen ausgemacht: Forschungsevaluationssysteme, die ein Teil der traditionellen Grundfinanzierung sind, wie etwa die Research Assessment Exercise (RAE) in Großbritannien; Forschungsprämien, die eine zusätzliche Grundfinanzierung darstellen und dauerhaft vergeben werden, wie die an Drittmittel gekoppelte Zusatzfinanzierung in Schweden sowie befristete, zusätzliche Grundfinanzierung sogenannter Ad-hoc-Initiativen, die sich außer in Deutschland in Gestalt der Exzellenzinitiative auch in anderen Ländern, vor allem in Asien, finden lassen.
Zwar findet sich das Prinzip, befristet sehr viel Geld an wenige Universitäten zu verteilen, weltweit noch nicht so häufig. "Die Exzellenzinitiative ist derart komplex, dass es etwas wirklich Vergleichbares eigentlich nicht gibt", sagt Gläser. Insbesondere das Prinzip der dritten Förderlinie, welche die Zukunftskonzepte der Universitäten prämiert, existiere international bisher nicht. " Aber der Vorteil dieses Instruments ist, dass die Politik die Grundfinanzierung nicht antasten muss, Kontrolle über den Zeitraum hat und nicht an Neuverpflichtungen gebunden ist."
Welche Nebenwirkungen haben Milliardenspritzen
Deshalb schauen andere Länder sehr genau, was sich in Deutschland tut und wie hierzulande die Spitzenforschung finanziell ausgestattet wird. In Europa hat Dänemark kürzlich mit Unik eine eigene Exzellenzinitiative ins Leben gerufen Österreich hat ähnliche Pläne schon in der Schublade liegen und könnte demnächst nachziehen. Und Frankreich ist auch gerade dabei, zusätzliche Fördermilliarden in Spitzenforschung zu investieren, wenngleich sich das genaue Verfahren im Moment noch nicht definieren lässt. Und auch die übrige Konkurrenz schläft nicht, sondern hat eigene Systeme, um für Eliteforscher attraktiv zu sein.
Offen bleibt allerdings die Frage, welche Effekte die Milliardenfinanzspritzen tatsächlich auf die Leistungssteigerung der Wissenschaft beziehungsweise auch welche Nebenwirkungen sie haben. "Das wurde noch nie vernünftig untersucht", weiß Gläser. Auch bis Deutschlands Vorzeigeprogramm umfassend evaluiert ist, dürften noch Jahre vergehen. Da ist es vielleicht interessant zu wissen, dass die Niederländer 1979 die ersten waren, die zusätzliche Grundfinanzierung nach Leistungskriterien vergaben. Inzwischen haben sie das System auf Drängen der Universitäten beerdigt.
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