Eine weitere Besonderheit im Arbeitsumfeld amerikanischer Unternehmen kennen wir unter den Begriffen Diskriminierung und politische Korrektheit. Deutsche Expatriates sollten besonders sensibel sein, wie Millipore-CEO Madaus empfiehlt.
"Themen, die mit Diversität in Bezug auf African Americans, Immigranten oder Frauen zu tun haben, werden alle von spezialisierten Anwälten vertreten. Ich habe viele Leute gesehen, die massiven Ärger bekommen haben."
Die Arbeitsatmosphäre in US-Firmen ist in der Regel eher entspannt und der Umgangston leger. So lassen sich deutsche Manager leicht zu Äußerungen verleiten, die ihnen später, in formellen Kontexten wie Personalgesprächen, zum Verhängnis werden. Besonders das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist oft eine böse Falle. Ein zotiger Witz, der in Deutschland durchgeht, kann in den USA als Belästigung ausgelegt werden.
Darauf können sehr extreme Reaktionen bis hin zum Gerichtsverfahren folgen. Es ist sinnvoll, im Rahmen der Personalführung eine gewisse Distanz zu seinen Mitarbeitern zu wahren. Dort gilt es eine allzu persönliche Ansprache zu meiden. Jan Snodgrass sagt: "Sie sollten sich davor hüten, Angriffsflächen für Klagen zu bieten."
US-Arbeitsethos: Weniger diszipliniert und dafür länger
Wichtig war für meine Interviewpartner auch das Thema Produktivität. Wenn ein Deutscher zur Arbeit kommt, dann arbeitet er. Da gibt es kein Geplauder, und es werden keine persönlichen Dinge erledigt. Die Zeit, die man in Deutschland im Büro verbringt, ist limitiert, die meisten gehen nach der regulären Arbeitszeit nach Hause. In den USA dagegen arbeiten die Menschen weniger intensiv, dafür länger.
Chris Martin sagt: "Das hohe Produktivitätsniveau in Deutschland beeindruckt mich. In den USA vermischen wir Privates und Arbeit stärker. Da wir länger im Büro sitzen, wundert sich auch niemand, wenn Sie zwischendurch ein privates Gespräch führen oder mitten am Tag die Kinder von der Schule abholen."
Harald Stock ergänzt: "In Deutschland gereicht es Managern zum Nachteil, wenn sie sich verabschieden, um das Fußballspiel ihrer Tochter anzuschauen. In den USA ist das völlig akzeptabel." Deutsche Expatriates in den USA sollten sich darauf einstellen, dass Arbeit mehr Raum in ihrem Leben einnimmt. Sie müssen ihre Arbeit stärker mit ihrem Privatleben verzahnen und vor allem Verständnis dafür haben, wenn ihre US-Mitarbeiter sich dementsprechend verhalten.
Es wird erwartet, dass Sie einen Blackberry benutzen und auch am Wochenende auf E-Mails antworten. Flexibilität wird vorausgesetzt und geschätzt. Sie verbringen zwei, drei Stunden mit Ihrer Familie und kehren abends an Ihren Computer zurück.
"Amerikanische Führungskräfte feiern auch kleine Erfolge"
Amerikaner bevorzugen indirekte, eher subtile Kommunikation. Silke Skrzipietz, Head of HR Regions bei Dräger Medical in Lübeck, beschreibt das so: "Die Menschen haben eine sehr freundliche Art zu sagen, was sie wollen. Sie sind höflich, nutzen ein blumiges, sanftes Vokabular. Botschaften werden wie Geschenke verpackt."
So kommt es häufig zu Missverständnissen zwischen Deutschen und Amerikanern. Als Manager in den USA denken Sie oft, Ihr Team stimme mit Ihnen überein, was aber nicht der Fall ist. Ralf Drews von Dräger Safety erläutert, wozu das führen kann: "Wenn ein Amerikaner vorschlägt, vielleicht sollten wir x, y oder z ausprobieren, heißt das im Grunde: Wir machen es. Das verstehen Deutsche nicht. Sie denken, Amerikaner hätten eine Hidden Agenda. Umgekehrt finden Amerikaner Deutsche oft sehr rüde."
Dies führt dazu, dass auch die Art, Feedback zu geben, sich unterscheidet. Deutsche sind mit Lob eher zurückhaltend. Das steht in starkem Kontast zur Neigung der Amerikaner, Superlative zu benutzen und Mitarbeiter ständig anzufeuern. Adidas-Manager Kempf beschreibt dies so: "Amerikanische Führungskräfte konzentrieren sich mehr auf das Positive. Sie feiern zum Beispiel auch kleine Erfolge."
Ist etwas schlecht gelaufen, gibt es "Raum für Verbesserungen"
Accenture-Mann Marbach hält das Zielemanagement und die Karriereplanung in den USA für stärker professionalisiert als in Deutschland. Management by Objectives ist weitverbreitet. Dennoch bekommen Manager nicht zwingend negatives Feedback, wenn sie ihre Ziele verfehlen. "Statt 'schlechter' Performance spricht man von 'Raum für Verbesserungen'", erläutert Marbach. In Deutschland schöpfe man dagegen die gesamte Skala von Bewertungen aus. Eine rein positive Bewertung nehme keiner ernst.
Für einen Expatriate gilt es die richtige Balance zu finden. Der deutsche Ansatz, sehr direkt zu sein, kann gut funktionieren. Er hat den Vorteil, dass die Leute wissen, wo sie stehen. Achten Sie darauf, Ihr Feedback richtig zu verpacken. Es sollte nicht zu hart oder negativ klingen. Kommunizieren Sie Schwächen auf eine nette Art. Umgekehrt gilt: Deutsche Manager sollten sehr genau hinhören, wenn sie Feedback von ihrem amerikanischen Chef bekommen. Die Kritik steht zwischen den Zeilen.
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