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Gehaltsreport: Die wahren Gehälter der Juristen

Über Geld spricht man nicht? Von wegen - zum Auftakt einer neuen SPIEGEL-ONLINE-Serie zeigt eine Gehaltsanalyse, was Juristen in Kanzleien oder Unternehmen wirklich verdienen: Liebling Kreuzberg muss den Gürtel enger schnallen, als Anwalt für alle Fälle hält sich das Einkommen sehr in Grenzen.

Das Fach Rechtswissenschaften gehört an deutschen Hochschulen zu den beliebtesten Fächern. Jahr für Jahr beenden etwa 10.000 Juristen ihre Ausbildung und drängen auf den Arbeitsmarkt. Ziel der juristischen Ausbildung, so verlangt es die akademische Tradition in den Rechtswissenschaften, ist die Befähigung zum Richteramt. Das allerdings steht nur den besten Absolventen offen. Wer kein Prädikatsexamen vorweisen kann, muss sehen, wo er bleibt.

So zieht es nur die wenigsten Absolventen in die Rechtspflege. Transatlantische Megakanzleien locken mit hohen Gehältern, internationalem Flair und schnellen Karrierechancen. Doch die große Mehrheit der Absolventen arbeitet in einem Beruf, auf den das Studium sie gar nicht vorbereitet: als Rechtsanwalt.

So vielfältig wie die beruflichen Möglichkeiten für Juristen sind, so unterschiedlich sind auch die Gehälter. Die Vergütungsberatung PersonalMarkt (siehe Kasten) hat die Daten von rund 2000 Juristen in unterschiedlichen Funktionsbereichen ausgewertet.

Wie hoch können Berufseinsteiger pokern?

Vor allem junge Juristen pokern bei der Stellensuche wegen der dürftigen Arbeitsmarktlage recht niedrig. "Wir haben gerade zwei Stellen ausgeschrieben und etwa 500 Bewerbungen erhalten. Die Gehaltsvorstellungen von Volljuristen mit Erfahrungen im Immobilienbereich lagen unter 30.000 Euro pro Jahr - zum Teil deutlich darunter", berichtet der Personalleiter einer großen Bundesbehörde.

Erschreckende Realität: Wer bei den Staatsexamina nicht deutlich überdurchschnittlich abschneidet, konkurriert mit Absolventen anderer Studiengänge um die besten Jobs. Und verkauft sich nicht selten unter Wert, um überhaupt eine Stelle zu bekommen.

Wer indes den Einstieg geschafft und einige Jahre Berufserfahrung hinter sich hat, kann aufatmen: Ein fest angestellter Justiziar oder Syndikus zum Beispiel in einem Versicherungsunternehmen verdient durchschnittlich knapp 58.000 Euro im Jahr. Sobald er in ein großes Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern wechselt und Personalverantwortung übernimmt, steigt das Gehalt auf durchschnittlich 77.000 Euro jährlich.

Topverdiener in der IT-Branche

Die Top-Verdiener in dieser Kategorie (Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, mit Personalverantwortung) finden sich in der Software- und IT-Branche: Hier verdienen Juristen durchschnittlich 167.000 Euro im Jahr. Es folgen die Branchen Pharma (126.000 Euro) und Chemie (112.000 Euro).

Gehälter von Einzelanwälten und in Kanzleien

Gehälter von Einzelanwälten und in Kanzleien

Gut geglückt ist der Berufsstart zum Beispiel Karen Jensen. Die zweifache Prädikatsjuristin mit überdurchschnittlich guten Stationszeugnissen hat nach dem Examen einfach zum Telefonhörer gegriffen. Und tatsächlich sollte beim Landgericht gerade eine Richterstelle besetzt werden. Seit fünf Jahren arbeitet sie nun schon als Familienrichterin in einer Kleinstadt. An drei Tagen fährt sie ins Gericht, an zwei Tagen kann sie sogar zu Hause arbeiten.

Gehälter als Syndikus

Gehälter als Syndikus

Und auch der Verdienst kann sich sehen lassen: Nach der Bundesbesoldungsordnung steht einer 35-jährigen Hamburger Richterin ein monatliches Grundgehalt von 3658 Euro zu. Hinzu kommen diverse Zuschläge. Ein weiterer Vorteil liegt auf der Hand: Wer nicht gerade silberne Löffel klaut (oder politische Ambitionen entwickelt), darf sich auf eine relativ sichere Karriere freuen, die außerdem noch familienfreundlich ist

Gehälter in großen Unternehmen

Gehälter in großen Unternehmen

In der freien Wirtschaft weht ein anderer Wind. Hier sind voller Einsatz, Flexibilität und Mobilität gefragt. Gehälter werden frei verhandelt. Es gelten andere Regeln, es gibt andere Spannen. Wer den Sprung in eine der Megakanzleien mit mehr als 500 Anwälten schafft, verdient schnell über 80.000 Euro im Jahr. Die Gehaltsdaten von PersonalMarkt zeigen, dass in diesen Kanzleien auch deutlich höhere Gehälter möglich sind: 25 Prozent liegen sogar über 97.000 Euro pro Jahr.

Laut Bundesrechtsanwaltskammer sind in Deutschland insgesamt 126.799 Anwälte zugelassen. Die meisten arbeiten jedoch entweder in Sozietäten mit bis zu fünf Anwälten. Oder allein - die Kanzlei ist dann notfalls das eigene Wohnzimmer. Kein Wunder, dass die Einnahmen häufig eher bescheiden bleiben.

Je größer die Kanzlei, desto höher das Einkommen

Rolf W. zum Beispiel ist Einzelkämpfer und hat sich in Bremen als Anwalt niedergelassen. Das Büro im Hochparterre eines schlichten Mietshauses ist klein, aber bezahlbar. Seine Freundin, eine Fachärztin, schiebt regelmäßig zusätzliche Nachtschichten. Ohne diesen Extra-Verdienst sähe es eng aus: Das monatliche Nettoeinkommen des jungen Juristen beträgt knapp 1.800 Euro.

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Kein Einzelfall, denn das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Einzelanwalts liegt bei 37.000 Euro. Wer sich also als Feld-Wald-und-Wiesen-Anwalt niederlässt, braucht neben einer ordentlichen Portion Unternehmergeist auch noch ein dickes finanzielles Polster. In kleineren Kanzleien (bis 20 Anwälte) beläuft sich das Jahresgehalt im Durchschnitt auf exakt 36.852 Euro. Mit der Größe der Kanzlei steigt dann auch das Einkommen der Anwälte: 47.000 Euro in Kanzleien mit 21 bis 50 Mitarbeitern, 53.000 Euro in Kanzleien mit 51 bis 100 Mitarbeitern und 71.000 Euro in Kanzleien mit 101 bis 500 Mitarbeiter.

Früh trennt sich also bei den Juristen die Spreu vom Weizen, der Kampf um die besten Arbeitsplätze ist hart. Die meisten der Hochschulabsolventen müssen sehen, wie sie finanziell über die Runden kommen. Aber trotz der eher trüben Berufsaussichten erfreut sich das Jurastudium nach wie vor großer Beliebtheit - die Zahl der Studienanfänger steigt.

Von Heike Friedrichsen, Personalmarkt.de

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