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Gehaltsreport Freiberufler: Nicht reich, aber zufrieden

Von Anne Spies

Die Wirtschaftskrise trifft viele Freiberufler härter als Angestellte. Jeder vierte klagt im Gehaltsreport 2009 über deutliche Einkommenseinbußen. Wer ohnehin schon wenig verdient, wird schnell ein Fall für den Staat: Immer mehr Selbständige bekommen als "Aufstocker" Hartz IV.

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Gehaltsreport 2009: Nicht reich, aber zufrieden
Hamburg - Besonders Freiberufler in der Medienbranche leiden an der konjunkturellen Flaute. Ein Drittel der "Freelancer" unter Journalisten, Werbe- und PR-Experten verdiente krisenbedingt weniger. Bei den angestellten Kollegen haben im Schnitt nur 17 Prozent Einkommenseinbußen hinnehmen müssen, die selten höher ausfielen als 20 Prozent. Bei manchem Selbständigen schrumpfte das Einkommen dagegen auf die Hälfte zusammen.

Wer ohnehin schon wenig verdient, wird schnell ein Fall für den Staat: Immer mehr Selbständige bekommen Hartz IV, meldete die Bundesagentur für Arbeit im August. Die Zahl der sogenannten Aufstocker habe sich mehr als verdoppelt. Das Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel warnt vor Altersarmut: Mehr als ein Zehntel aller Selbstständigen verdient zu wenig, um vorzusorgen, ergab eine Studie des Instituts.

Bei den Einkommen von Freiberuflern gibt es enorme Unterschiede. Die selbständig tätigen Teilnehmer des Gehaltsreports von "manager magazin" verdienen mit durchschnittlich 79.000 Euro im Jahr rund 20.000 Euro mehr als die Angestellten - aber womöglich nicht genug. Schließlich müssen sich Selbständige nicht nur einen Teil des Einkommens fürs Alter zurücklegen, sondern sich auch selbst versichern.

Arme Architekten

Ein Architekt beispielsweise, mit einem kleinen Büro und Angestellten, muss das Zwei- bis Dreifache eines Angestelltengehalts erwirtschaften, um alle Betriebs- und Versicherungskosten zu decken, schätzt die Bundesarchitektenkammer. Für einen Journalisten mit etwa acht Jahren Berufserfahrung veranschlagt die Gewerkschaft Ver.di einen Jahresumsatz von 86.000 Euro - 34 Prozent mehr als ein tariflich bezahlter angestellter Redakteur als Gehalt bekommt.

Die Einkommenshöhe variiert je nach Branche und Unternehmensgröße sehr stark, ergab die Untersuchung des "manager magazins" (mm 10/2009). So verdienen Selbständige mit einem Angestellten im Schnitt 97.000 Euro im Jahr, Einzelkämpfer aber nur 70.000 Euro. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist mit 35 Prozent besonders groß. Bei den Angestellten liegt er der "manager magazin"-Studie zufolge nur bei 27 Prozent.

Trotz der zuweilen prekären Einkommenslage sind 55 Prozent der Selbständigen zufrieden mit ihrem Einkommen. Bei den Angestellten sind es nur 49 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren konnten die Selbständigen ihr Einkommen stärker steigern als die Angestellten, in die Zukunft blicken sie jedoch mit gemischten Gefühlen. Einerseits erwarten 44 Prozent Steigerungen von 20 Prozent und mehr, andererseits rechnen 23 Prozent mit stagnierenden oder sinkenden Einkommen.

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Forum - Managergehälter - was ist angemessen?
insgesamt 1814 Beiträge
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1.
wischmopp 28.05.2009
Warum verdient jemand der Porsche an den Rande der Insolvenz treibt 77 Millionen? Wer mir das erklären kann - Kompliment.
2.
Rainer Eichberg 28.05.2009
Zitat von sysopDie Gehälter der Dax-Vorstände sind 2008 um 25 Prozent gesunken. Nur einer triumphiert: Porsche-Chef Wiedeking - der mit 77 Millionen Euro erneut der Topverdiener Europas ist. Wie sehen Sie die Höhe der Managergehälter - was ist angemessen?
Das müssen die Aktionäre mit sich selbst ausmachen, ob ein Herr Wiedeking tatsächlich 77 Mio. wert ist. Wäre ich Porsche-Aktionär, wäre ich empört. Da ich jedoch weder Porsche-Aktionär noch Porsche-Kunde bin, ist es mir gänzlich egal. Allerdings wäre es interessant zu erfahren, ob Herr Wiedeking auch nächstes Jahr noch dieses üppige Salär ernten kann. Ich denke: Nö! So toll steht Porsche finanziell nicht da.
3.
Hartmut Dresia, 28.05.2009
Zitat von sysopDie Gehälter der Dax-Vorstände sind 2008 um 25 Prozent gesunken. Nur einer triumphiert: Porsche-Chef Wiedeking - der mit 77 Millionen Euro erneut der Topverdiener Europas ist. Wie sehen Sie die Höhe der Managergehälter - was ist angemessen?
Grundsätzlich liegt die Höhe der Managergehälter in der Zuständigkeit der Unternehmen, die sie bezahlen. Der Staat muss allerdings zwei Grundsätze beachten: Fließen öffentliche Mittel in die Unternehmen, dann sollten die Gehälter nicht wesentlich höher sein als die der öffentlich Bediensteten in vergleichbarer Position. Das Steuerrecht muss zudem so ausgestaltet sein, dass Übermaß ausgeglichen wird. Privilegierung und Diskriminierung (http://www.institut1.de/privilegierung-und-diskriminierung/) sind auch bei der Bezahlung von Mangern zu beachten. In gewisser Weise diskriminiert ein Managergehalt den Durchschnittsverdiener, wenn es z.B. das Zehnfache eines Durchschnittsgehalts übersteigt.
4. Angemessen?
disbeliever 28.05.2009
Nur mal so als ein möglicher "Vergleich": damit kann man ein Krankenhaus mit etwas mehr als 200 Betten ca 3-4 Jahre betreiben.
5.
Rainer Eichberg 28.05.2009
Zitat von disbelieverNur mal so als ein möglicher "Vergleich": damit kann man ein Krankenhaus mit etwas mehr als 200 Betten ca 3-4 Jahre betreiben.
Na und?
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