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Gehaltsreport: Goldene Zeiten für Ingenieure

Überall Stellenanzeigen, dazu Kopfprämien und Handgelder: Ingenieure sind gefragt wie seit langem nicht. Und können sich über hohe Einstiegsgehälter freuen. Der neue Gehaltsreport zeigt, wer besonders viel verdient - und welche Techniker nicht so umschwärmt sind.

Ein Telefonat - und Achim Wagner* konnte sich über einen Arbeitsvertrag und seinen ersten Job freuen. "Ich wurde direkt von der Firma übernommen, bei der ich meine Diplomarbeit geschrieben hatte", erzählt der auf Mikroelektronik spezialisierte Elektroingenieur. "Mein Chef hat sogar eine Prämie kassiert, weil er den Standort aufbauen sollte."

Ingenieure: Umgarnt von der Industrie
DPA

Ingenieure: Umgarnt von der Industrie

Nach einer Studie des Elektronik-Verbands VDE schreiben drei Viertel der Absolventen im Fach Elektrotechnik weniger als zehn Bewerbungen, um einen geeigneten Job zu finden. Rund 24.000 Ingenieur-Stellen haben Unternehmen aktuell ausgeschrieben - das ist Rekord. Doch die meisten, meldet der Verein Deutscher Ingenieure, blieben unbesetzt, weil die passenden Bewerber fehlen. Kopfprämien oder Handgelder sind daher längst nicht mehr selten.

Tatsächlich können sich viele Akademiker in technischen Fachgebieten den Luxus leisten, das beste aus einer Vielzahl von Stellenangeboten auszuwählen: Der Arbeitsmarkt erwartet sie geradezu sehnsüchtig. Weil Angebot und Nachfrage auch das Gehalt regeln, erwarten Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Fächer Gehälter im oberen Bereich aller Hochschulabgänger.

Auf die Tätigkeit kommt es an

Eine Auswertung aktueller Gehaltsdaten durch die Vergütungsberatung PersonalMarkt zeigt, dass die Einstiegsgehälter des technischen Nachwuchses - je nach Unternehmensgröße - zwischen 36.000 und 45.600 Euro pro Jahr liegen. Doch nur, wer zur gefragten Spezies gehört, hat eine gute Verhandlungsposition, wenn es um die Höhe des Gehalts geht.

Großen Einfluss auf die Höhe des Gehalts hat die Tätigkeit selbst. So starten Ingenieure, die in der Produktion arbeiten, mit einem Gehalt von rund 43.200 Euro jährlich. Wer in die Instandhaltung oder in die Konstruktion geht, verdient am Anfang seiner Karriere rund 39.600 beziehungsweise 39.000 Euro im Jahr.

Mehr auf dem Gehaltszettel haben Ingenieure, die keine klassische ingenieurwissenschaftliche Tätigkeit ausüben: Über alle Branchen hinweg ist zu beobachten, dass vor allem Ingenieure im Vertrieb sehr gut verdienen können - in Konzernen liegen die Anfangsgehälter von Vertriebsingenieuren bei rund 47.500 Euro.

Bauingenieure haben weiter schlechte Karten

Im Schatten der klassischen Ingenieurberufe und am unteren Ende der Gehaltsskala stehen dagegen nach wie vor die Bauingenieure: Sie starten mit gerade einmal 32.400 Euro ins Berufsleben. Ein Viertel der Bauingenieure, deren Daten PersonalMarkt ausgewertet hat, verdient sogar weniger als 28.700 Euro jährlich.

Immer mehr Absolventen drängen mit Bachelor- oder Masterabschluss auf den Arbeitsmarkt. Bei den Ingenieuren steuerten im Wintersemester 2006/2007 bereits 40 Prozent aller Studenten einen der beiden Abschlüsse an, wie Angaben des Statistischen Bundesamtes zeigen.

Die alten und die neuen Studienabschlüsse sind in den Unternehmen gleichermaßen willkommen. Am besten bezahlt wird jedoch der Master, er bringt rund 42.250 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Ein Fachhochschulabschluss in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach ist 39.500 Euro wert, das Uni-Diplom rund 40.900 Euro. Und eine Promotion kostet zwar reichlich Lebenszeit und Nerven, bringt aber noch mal ein deutlich höheres Einstiegsgehalt: Promovierte Ingenieure starten mit rund 51.600 Euro ins Berufsleben.

Achim Wagner* hat mittlerweile den ersten Jobwechsel hinter sich, heute arbeitet der Diplom-Ingenieur bei einem Unternehmen aus der Luftfahrtindustrie. Das Gehalt, so der Hamburger, sei einer der Gründe für den Wechsel gewesen. Damit nicht genug: Er arbeitet jetzt 37,5 statt 40 Stunden, bekommt eine Betriebsrente - und günstig fliegen kann er auch.

Gehalts-Höhenflüge in der Luftfahrt

Die Luftfahrtbranche ist tatsächlich ein echter Jobmotor, Ingenieure werden hier beinahe verzweifelt gesucht und mit attraktiven Gehaltspaketen gelockt. Überall dort, wo es den Unternehmen gut geht, lässt sich erfahrungsgemäß auch besser übers Gehalt verhandeln. Schlüsselindustrien wie Automobilbau, Fahrzeugbau oder die Halbleiterindustrie sind seit Jahren für ein hohes Gehaltsniveau bekannt. Diese Branchen sind geprägt von Großunternehmen und Konzernen. Und große Unternehmen zahlen meist besser, allein deshalb, weil sie häufiger tarifgebunden sind.

Gutes Geld für Einsteiger zahlen auch Beratungsfirmen. Deutlich niedriger fällt das Gehalt dagegen für Ingenieure bei Forschungsinstituten, in Ingenieurbüros, in der Bauwirtschaft oder der Öffentlichen Verwaltung aus.

Während für das Einstiegsgehalt noch die akademischen Leistungen von großer Bedeutung sind, gewinnt später die persönliche Leistung eines Mitarbeiters weitaus größere Bedeutung. Die Zahl der Ingenieure, die neben einem Festgehalt einen Teil ihres Gehalts in Form von Prämien oder Erfolgsbeteiligungen erhalten, steigt.

Auch die Anforderungen ändern sich. Ingenieure müssen heute viel stärker interdisziplinär arbeiten. Gefragt sind mehr und mehr soziale Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Kundenorientiertheit und Teamgeist. Kein Ingenieur arbeitet heute noch isoliert im "stillen Kämmerlein". Ganz im Gegenteil: Durch die hohe Vernetzung der Wirtschaft ergeben sich ständig neue Herausforderungen - die bei entsprechender Leistung aber auch adäquat honoriert werden.

Von Heike Friedrichsen, PersonalMarkt

(*Name geändert)

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