Generation Internet: Wie Personaler Mitarbeiter von morgen aufspüren

Von Marike Frick

Sie twittern, posten und bloggen, haben 467 Online-Freunde und chatten auch zu Arbeitszwecken: Für die Führungskräfte der Zukunft ist das Internet ein zweites Zuhause. Jetzt steuern Personalmanager um, um Berufseinsteiger der "Generation Y" vom eigenen Unternehmen zu überzeugen.

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Social Networks: Bei Facebook, Twitter und Co. ist Generation Y zu Hause

Wenn Carsten Franke die Generation Y beschreiben soll, dann erzählt er erst einmal einen Witz. "Fragt ein Zwölfjähriger seinen Vater: 'Papa, wie seid ihr eigentlich ins Internet gegangen, als es noch keine PCs gab?'" Franke lacht, der Witz kommt immer gut an. "So sind die jungen Leute - sie können es sich ohne das Internet gar nicht vorstellen."

Unter der Generation Y versteht man laut Franke diejenigen, die zwischen 1980 und 1994 geboren wurden und die jetzt in das Berufsleben eintreten. Ein Leben ohne Internet ist für sie höchstens in einem einwöchigen Selbstversuch vorstellbar. Wer sie für sich gewinnen möchte, muss umdenken. Weil sie in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Xing zu Hause sind, könne man sie dort am besten erreichen, sagt Carsten Franke. Für die Agentur "Milch und Zucker" berät er Personalmanager und sagt, die seien meist aufgeschlossen - aber oft ziemlich hilflos.

Denn wie bei dem Zwölfjährigen und seinem Vater prallen zwischen Personalern und jungen Talenten manchmal Welten aufeinander. Dabei eröffnen sich durch das Internet viele neue Möglichkeiten: Mitarbeiter, die in einem Blog aus ihrem Arbeitsalltag berichten. Chefs, die tolle Arbeitsbedingungen per Twitter anpreisen. Azubis, die auf der Firmen-Web-Seite Fragen von potentiellen Bewerbern beantworten.

Dass sich das Umdenken lohnen kann, erzählt auch Anders Parment, Autor des Buches "Generation Y - Mitarbeiter der Zukunft". Zum Beispiel für diesen Automechaniker-Betrieb, der auf eine Zeitungsannonce hin keine einzige Bewerbung erhielt. Stattdessen spricht man nun potentielle Mitarbeiter direkt an - über Facebook. "Das Internet ersetzt nicht das persönliche Treffen", sagt Parment. "Aber es ist für einen Erstkontakt ideal."

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Allerdings müssen sich Personaler auch bewusst sein, dass gerade durch das Internet Bewerber oft besser informiert sind als früher. "Die jungen Leute stellen clevere Fragen. Und sie nutzen das Netz, um mehr über die Arbeitsbedingungen in der Firma zu erfahren." Denn: Die Generation Y ist anspruchsvoll. "Ihnen ist der Standort wichtig, flexible Arbeitszeiten, dass ihr Job eine Bedeutung hat", sagt Parment. "Und sie wollen von vornherein ihre Entwicklungschancen kennen."

Frag den Azubi: Wer treibt sich wo im Web herum?

Ältere fänden diese Ansprüche manchmal unverschämt. Denen müsse aber klar sein, dass sich die Machtverhältnisse geändert hätten, so der Buchautor: Weil gute Fach- und Führungskräfte immer schwieriger zu bekommen sind, müssen Personaler jetzt mehr als früher um sie werben.

Sven Weickert vom Institut für Personalmanagement drückt das so aus: Personalmanagement sei heute "nicht mehr so eindimensional." Er ist sicher, dass in Zukunft viel mehr Aufwand dafür getrieben werden muss, die besten Schüler, Uni-Absolventen und Jobwechsler für sich zu gewinnen. Deshalb lautet sein Rat, in einen guten Ruf zu investieren, in den Aufbau der Marke. "Der Mittelstand in Deutschland ist zwar attraktiv - es kennt nur kaum einer diese Firmen."

Man müsse deshalb auf den Portalen der Hochschulen präsent sein, Praktika und Semesterarbeiten anbieten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betonen, sagt Weickert. Wer das mit Hilfe des Internet umsetzt, könnte etwa Studenten per Twitter-Nachricht über neue Praktikumsplätze informieren - und zwischendrin immer mal wieder Informationen über die Firma einstreuen.

Wer noch auf der Suche nach Ideen ist, dem rät Personalberater Carsten Franke, mit Azubis und anderen jungen Mitarbeitern zu sprechen: Wo treiben die sich im Netz herum? Wo im echten Leben? Wo findet man also ihresgleichen?

Der Personaler einer Firma im Bereich Automatisierungsanlagen hat das kürzlich getan. So kam er auf die Idee, einer Facebook-Gruppe zum Thema Modellbau beizutreten. Und dann tat er noch etwas ganz Altmodisches: Er ging auf einen örtlichen Modellbau-Verein zu. Manchmal geht es eben auch ohne Kontakt 2.0.

Diese Unternehmen beispielsweise sind bereits im Internet aktiv, um sich bei potentiellen Bewerbern vorzustellen:

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insgesamt 22 Beiträge
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1. So ein Quatsch!
cognaq 28.07.2010
Personaler, insbesondere die von größeren Unternehmen wissen gar nichts, und schon gar nicht, wie sie talentierte Mitarbeiter finden, erkennen, bewerten und dann einstellen. Das ist doch nur eine Ausrede, weil ein paar "Personaler" zu viel Online-Nutzung erklären mussten!
2. Immer dieses gehype
dotd 28.07.2010
Auf der Jagd nach dem nächsten Hype. Gestern mussten alle zu myspace, dann zu xing und facebook und morgen wird einer Char Roulette als völlig unverzichtbar präsentieren. Das einzige wahre Wort im Artikel ist die Sache mit dem Modellbauverein. Wer gute Mitarbeiter will, muss sich darum bemühen, muss als Personaler den Arsch vom Stuhl hoch bekommen und auf die Leute zugehen. Dazu gehört auch sich Gedanken zu machen wo man sie trifft und nicht einfach eine blinde "Wir machen jetzt auch mit Facebook, wir sind modern und fancy" Strategie auzurufen. Wer jeden Bewerber als Bittsteller betrachtet, der gefälligst froh sein soll, dass man sich mit seiner Bewerbung abmüht, kriegt halt nur Leute die aufgrund der hohen Verfügbarkeit ihrer Qualifikation sich so etwas gefallen lassen müssen. Ich muss auch nicht im Internet zu Unternehmen recherchieren, wenn mich die Personalabteilung 5 Mal wegen unsinniger Dokumente anmahnt, weil man dass immer so macht, keinerlei Flexibilität bei Terminen zeigt und bei kritischem Feedback zu ihrem Serviceselbstverständnis patzig wird, dann kann man 100 Mal auf die Webseite die hochgehaltenen Mitarbeiterwerte schreiben oder seine Kununu Bewertung faken. So eine Firma wird hochqualifizierte Fachkräfte nie anziehen können. Das ist doch aber doch nichts Neues! Und wer mir auf einem der wenigen Plattformen, die ich nutze um private Kontakte zu pflegen mit Headhunteransprachen im 6 Wochen Takt auf den Keks geht wird nicht mehr Glück haben.
3. dotd hat recht
Schinkenfisch 28.07.2010
Ich weiß nicht wie das in anderen Branchen ist, aber gerade im IT-Bereich würde ich mir doch Mitarbeiter mit einer gewissen Medienkompetenz wünschen... und nicht Leute, die ihre Privatsphäre in Social Networks opfern und offensichtlich keine Ahnung haben, was sie da tun.
4. Ja, ja . . . heißt
jenny123456 28.07.2010
Ich muss meinen Vorgängerinnen und Vorgängern Recht geben. Unternehmen und Firmen antworten noch nicht einmal auf Bewerbungen, die per E-Mail eingeschickt werden SOLLEN. Eine automatisch, generierte Bestätigungs-Mail kann man doch erwarten ... Aber Voraussetzung eines Bewerbers ist Outlook-Kenntnisse nachzuweisen bis zum erbrechen . . . Liebe Personaler, wenn Ihr Stellen ausschreibt, dann stellt Euch Leute ein, die ein Minimum an Interesse vorheucheln und wenigstens so tun, als hätten sie von E-Mails Ahnung. Denn auf jede Antwort die ich von Euch NICHT erhalte, bin ich froh, nicht dort angestellt worden zu sein. Denn Ihr habt mir Eure Mängel in Eurer Flexibilität sowie Schwächen in den Grundkenntnissen aufgezeigt.
5. .
kuchenbob 28.07.2010
Zitat von jenny123456Unternehmen und Firmen antworten noch nicht einmal auf Bewerbungen, die per E-Mail eingeschickt werden SOLLEN. Eine automatisch, generierte Bestätigungs-Mail kann man doch erwarten ... Aber Voraussetzung eines Bewerbers ist Outlook-Kenntnisse nachzuweisen bis zum erbrechen . . . Liebe Personaler, wenn Ihr Stellen ausschreibt, dann stellt Euch Leute ein, die ein Minimum an Interesse vorheucheln und wenigstens so tun, als hätten sie von E-Mails Ahnung. Denn auf jede Antwort die ich von Euch NICHT erhalte, bin ich froh, nicht dort angestellt worden zu sein. Denn Ihr habt mir Eure Mängel in Eurer Flexibilität sowie Schwächen in den Grundkenntnissen aufgezeigt.
Ganz genau diese Erfahrungen habe ich auch mehrfach gemacht. Sehr ärgerlich. Generation-Y, meine Güte...Dieser Social-Media-Hype bei den Personalern ist so lächerlich. Wurde ja schon gesagt: Wenn ein Unternehmen nicht mal in Lage oder Willens ist auf E-Mails vernünftig zu reagieren, warum sich dann noch weiter vor wagen? Wie kann man zudem ernsthaft glauben potenzielle, neue Mitarbeiter bei Facebook, Xing usw. irgendwie gezielt ansprechen zu können? Die Auswahl die man so treffen kann ist völlig willkürlich und zufällig. Zumindest nicht genauer als die Bewerbungen die ein Unternehmen aufgrund einer Stellenausschreibung erhält. Zudem irritiert mich auch, dass es offenbar für einen Bewerber spricht, wenn er sein Privatleben in irgendwelchen Web 2.0 Communities öffentlicht macht. Das ist doch gerade das Gegenteil von Medienkompetenz. Gerade in Bereichen die auch nur im Entferntesten etwas mit IT/ Internet/ Technologie zu tun haben. Ich vermute es wird (nicht unbedingt bewusst) versucht die Arbeit der Headhunter auf alle Bewerbungssituationen auszuweiten. Das ist natürlich Quatsch. Ausserdem glaubt ein Großteil der Menschheit offenbar den Mythos der einfach so hereinflatternden Jobangebote über Xing usw. wirklich. Jeder kennt jemanden der jemanden kennt, der ständig mit konkreten Jobangeboten über die ach so wertvollen Xing-Kontakte schon fast zugemüllt wird. Natürlich gibt es sowas, nur ist es nicht die Regel, aber diese Geschichten werden immer noch weitererzählt. Wie auch jeder die Geschichte des Mädchens mit dem Hund und der Nutella (jaja, hier gibt es Variationen) kennt. Die Lemminghaftigkeit vieler Leute ist erschreckend.
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