Von Marike Frick
Wenn Carsten Franke die Generation Y beschreiben soll, dann erzählt er erst einmal einen Witz. "Fragt ein Zwölfjähriger seinen Vater: 'Papa, wie seid ihr eigentlich ins Internet gegangen, als es noch keine PCs gab?'" Franke lacht, der Witz kommt immer gut an. "So sind die jungen Leute - sie können es sich ohne das Internet gar nicht vorstellen."
Unter der Generation Y versteht man laut Franke diejenigen, die zwischen 1980 und 1994 geboren wurden und die jetzt in das Berufsleben eintreten. Ein Leben ohne Internet ist für sie höchstens in einem einwöchigen Selbstversuch vorstellbar. Wer sie für sich gewinnen möchte, muss umdenken. Weil sie in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Xing zu Hause sind, könne man sie dort am besten erreichen, sagt Carsten Franke. Für die Agentur "Milch und Zucker" berät er Personalmanager und sagt, die seien meist aufgeschlossen - aber oft ziemlich hilflos.
Denn wie bei dem Zwölfjährigen und seinem Vater prallen zwischen Personalern und jungen Talenten manchmal Welten aufeinander. Dabei eröffnen sich durch das Internet viele neue Möglichkeiten: Mitarbeiter, die in einem Blog aus ihrem Arbeitsalltag berichten. Chefs, die tolle Arbeitsbedingungen per Twitter anpreisen. Azubis, die auf der Firmen-Web-Seite Fragen von potentiellen Bewerbern beantworten.
Dass sich das Umdenken lohnen kann, erzählt auch Anders Parment, Autor des Buches "Generation Y - Mitarbeiter der Zukunft". Zum Beispiel für diesen Automechaniker-Betrieb, der auf eine Zeitungsannonce hin keine einzige Bewerbung erhielt. Stattdessen spricht man nun potentielle Mitarbeiter direkt an - über Facebook. "Das Internet ersetzt nicht das persönliche Treffen", sagt Parment. "Aber es ist für einen Erstkontakt ideal."
Frag den Azubi: Wer treibt sich wo im Web herum?
Ältere fänden diese Ansprüche manchmal unverschämt. Denen müsse aber klar sein, dass sich die Machtverhältnisse geändert hätten, so der Buchautor: Weil gute Fach- und Führungskräfte immer schwieriger zu bekommen sind, müssen Personaler jetzt mehr als früher um sie werben.
Sven Weickert vom Institut für Personalmanagement drückt das so aus: Personalmanagement sei heute "nicht mehr so eindimensional." Er ist sicher, dass in Zukunft viel mehr Aufwand dafür getrieben werden muss, die besten Schüler, Uni-Absolventen und Jobwechsler für sich zu gewinnen. Deshalb lautet sein Rat, in einen guten Ruf zu investieren, in den Aufbau der Marke. "Der Mittelstand in Deutschland ist zwar attraktiv - es kennt nur kaum einer diese Firmen."
Man müsse deshalb auf den Portalen der Hochschulen präsent sein, Praktika und Semesterarbeiten anbieten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betonen, sagt Weickert. Wer das mit Hilfe des Internet umsetzt, könnte etwa Studenten per Twitter-Nachricht über neue Praktikumsplätze informieren - und zwischendrin immer mal wieder Informationen über die Firma einstreuen.
Wer noch auf der Suche nach Ideen ist, dem rät Personalberater Carsten Franke, mit Azubis und anderen jungen Mitarbeitern zu sprechen: Wo treiben die sich im Netz herum? Wo im echten Leben? Wo findet man also ihresgleichen?
Der Personaler einer Firma im Bereich Automatisierungsanlagen hat das kürzlich getan. So kam er auf die Idee, einer Facebook-Gruppe zum Thema Modellbau beizutreten. Und dann tat er noch etwas ganz Altmodisches: Er ging auf einen örtlichen Modellbau-Verein zu. Manchmal geht es eben auch ohne Kontakt 2.0.
Diese Unternehmen beispielsweise sind bereits im Internet aktiv, um sich bei potentiellen Bewerbern vorzustellen:
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