Geschäfte der Ghostwriter: Von Geisterhand verfasst

Von Juliane Frisse

Sie sehen sich als nützliche Dienstleister und bestreiten stets, dass sie beim Betrügen helfen. Ghostwriter leben vor allem von ihrem Ruf, für Geld den wasserdichten akademischen Schwindel liefern zu können. Der UniSPIEGEL zeigt, wie die heimlichen Lohnschreiber wirklich arbeiten.

Corbis

In Unis werben Ghostwriter gern diskret, mit Aushängen an den schwarzen Brettern. "Biete Lektorat", heißt es da ganz unschuldig. Doch oft liefern die Werber dann deutlich mehr: Zügig und fast immer unbemerkt von den Professoren schreiben sie Seminar- und Abschlussarbeiten, manche liefern sogar komplette Dissertationen.

Im Internet dagegen treten die Ghostwriter geschützt von der Anonymität des Netzes häufig ganz offen auf - und überbieten sich darin, ihre zwielichtigen Dienste anzupreisen. Was sie tun, ist bei Licht betrachtet vor allem eins: bezahlte Hilfe beim wissenschaftlichen Betrügen.

Es wurde viel darüber spekuliert, ob der entdoktorte Ex-Verteidigungsminister und CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg mit seiner plagiatverdächtigen Arbeit vielleicht einem ungeschickten Auftragschreiber aufgesessen ist. Wenn dem so wäre - der Ghostwriter hätte einen richtig schlechten Job gemacht. Denn der Ruf der klandestinen Branche steht und fällt damit, dass die Auftragschreiber für teils fünfstellige Honorare Arbeiten liefern, die einer wissenschaftlichen Prüfung standhalten.

Klar, Anstand und Selbstrespekt gebieten, dass man eine wissenschaftliche Arbeit nicht von jemand anderem schreiben lässt, um sie dann als seine auszugeben. Die Ghostwriter wollen davon nichts hören, sie sehen sich als "Nothelfer" verzweifelter Studenten und Doktoranden, und sie betonen, das Verfassen der Texte sei doch ein "ganz normaler Job".

SPIEGEL ONLINE erklärt, wie das Geschäft der Geisterschreiber funktioniert, warum die Schreiber in einer Grauzone operieren - und dass sich die Käufer sogar strafbar machen können.

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insgesamt 45 Beiträge
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1. ja...
jb3005 02.03.2011
Dumm nur wenn man sich hinterher nicht durchliest was der Ghostwriter für einen verfasst hat. Völlig Abstrus!
2. Exotenfächern
minsk60 02.03.2011
Gerade in den sogenannten Exotenfächern, wie Islamwissenschaften, Indologie, Byzantistik halte ich eine Auftragsarbeit für ausgeschlossen, da die Auftragsschreiber dazu u.a. auch exotische Sprachen können und Archivarbeit leisten müßten.
3. Dieser Artikel ist totaler Blödsinn
tangarra 02.03.2011
Dieser Artikel ist totaler Blödsinn, denn er behauptet schlicht und ergreifend, dass das Schreiben einer Doktorarbeit ein einfacher Job ist. Ist es nicht, weder für den Doktoranden noch für jemand, der schon promoviert oder habilitert ist. Jede einzelne Doktorarbeit ist ein echter Marathon. Und die Behauptung, dass jemand in der Lage ist, für 50 bis 80 Euro pro Seite eine Doktorarbeit zu schreiben, ist lächerlich. Denn dabei geht es nicht nur um das Schreiben der Seiten und die redaktionelle Endfassung, sondern es muß ja auch noch kräftig nachgedacht werden und was Neues erarbeitet werden. Eine zweite oder dritte Doktorarbeit zu schreiben ist für jemanden, der schon promoviert ist, genauso schwierig wie für eine Rockband einen zweiten oder dritten Nummer 1 Hit zu landen. Schön wäre es, wenn das so simpel wäre, wie der Artikel suggeriert. Dieser Artikel bringt eine schlimme Geringschätzung der wissenschaftliche Arbeit zum Ausdruck, die im Gegensatz zu allen bisherigen Aussagen von Spiegel Online steht.
4. wie einfallsreich
Sandygirl 02.03.2011
Zitat von sysopSie sehen sich als nützliche Dienstleister und bestreiten stets, dass sie beim Betrügen helfen. Ghostwriter leben vor allem von ihrem Ruf, für Geld den wasserdichten akademischen Schwindel liefern zu können. Der UniSPIEGEL zeigt, wie die heimlichen Lohnschreiber wirklich arbeiten. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,747608,00.html
*lach* schon wieder ein "versteckter" Anti-Guttenberg-Artikel.
5. vom Fach abhängig
eigene_meinung 02.03.2011
Aus dem Artikel: "Eine Kollegin meint: "Im Grunde beweisen wir Ghostwriter ja nur, dass so eine Arbeit jeder schreiben kann, der ein wissenschaftliches Buch lesen kann."" Für die Fächer, für die Ghostwriter hauptsächlich tätig sind, stimmt diese Aussage wohl. Eine Promotion in Naturwissenschaften, Mathematik oder einer Ingenieurwissenschaft zu schreiben, ist für einen Ghostwriter sicher nicht möglich, jedenfalls nicht für 80 Euro pro Seite.
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Plagiate - wissenschaftliches Diebesgut
Veröffentliche oder verrecke
"Copy & paste" gilt als Trendsport bei Studenten, die sich Seminar- oder Abschlussarbeiten mitunter aus dem Internet zusammenräubern. Wie sauber aber arbeiten Professoren? "Publish or perish" verlangt die akademische Tradition: Als erfolgreich gilt, wer viele bedeutsame Fachartikel veröffentlicht. Da können auch gestandene Hochschullehrer der Versuchung erliegen, Ideen oder Texte zu klauen.
Sünder im Verborgenen
Geistiger Diebstahl bleibt der Natur der Sache nach verschwiegen und wird nur ausnahmsweise aufgedeckt. Vor allem das Internet verlockt als unendliches Dokumentengrab Hochschullehrer wie Studenten zu Grabräubereien. Heraus kommt das am ehesten durch Bestohlene, die auf den Widerhall ihres Werkes achten, oder Kollegen im selben Arbeitsbereich, häufig belesene Doktoranden. Immer wieder werden schlechte Beispiele von wissenschaftlichen Promis bekannt: aus der Philosophie und Theologie, der Mathematik und Medizin, den Rechts- wie den Wirtschaftswissenschaften.
Spielarten des geistigen Diebstahls
Ein Plagiat ist genaugenommen die geklaute Kopie eines fremden Textes, ohne Angabe der Fundstelle - von einzelnen Passagen bis zu kompletten Texten. Schwerer nachweisbar ist der bloße Ideenklau im kollegialen Austausch. Im Hochschulbetrieb ist anonymes Ghostwriting für einen anderen unzulässig, aber kaum auszurotten. Alles andere als selten ist auch die bloße "Ehrenautorschaft" eines Chefs, der sich von seinen Wasserträgern, den wahren Autoren, huckepack nehmen lässt, obwohl er bei der Publikation selbst keinen Finger gerührt hat - nach der alten Devise "Der Geist des Instituts schreibt immer mit".

Bernd Wegner, Chefredakteur des internationalen "Zentralblatt MATH", erzählt SPIEGEL ONLINE Beispiele aus dem schmuddeligen Nähkästchen der Naturwissenschaften: "Unabgeschlossene Diskussionsbeiträge, Pre-Prints, von einer öffentlichen Internetplattform kopieren und dann damit schneller als der wahre Autor in Druck gehen; oder als Gutachter fremde Arbeiten ablehnen und die dann selber, natürlich 'verbessert', zur Veröffentlichung einreichen; oder eine Arbeit auf Russisch in englischer Version als Innovation zu verkaufen - das sind die wirklich harten Fälle!"

Amtliche Aufklärung
An manchen Hochschulen werden studentische Prüfungsschriften automatisch mit einer handelsüblichen Plagiat-Software durchleuchtet. An jeder Hochschule gibt es einen Ansprechpartner für wissenschaftliches Fehlverhalten, außerdem einen bundesweit tätigen Wächterrat (www.ombudsman-fuer-die-wissenschaft.de). Diese Prüfstellen zielen auf eine gütliche Einigung zwischen den Streitparteien. Ansonsten steht der Rechtsweg offen, ein Hinweis an den Disziplinarvorgesetzten eines Hochschullehrers und eine Straf- oder Betrugsanzeige bei der Polizei.
Der Schaden der Opfer
Der geistige Dieb betrügt an zwei Stellen - dort, wo er klaut, und dort, wo er den Text weiter verhökert. Der wahre Autor oder sein Verlag können gerichtlich durchsetzen, dass als Buch veröffentlichtes Diebesgut nicht länger im Handel bleibt. Der Verlag, der das Plagiat zurückholen und vernichten muss, kann für seinen finanziellen Schaden den Plagiator selber haftbar machen. Es bleibt der immaterielle Schaden des Bestohlenen: Sein eigener Text, etwa eine Doktorarbeit, spukt oft im Internet unter dem Namen des Diebes weiter - und wird von ahnungslosen anderen mit der falschen Autorenangabe zitiert.
Strafen für die Täter
An der Uni Münster wurde 2009 ein Examenskandidat wegen Plagiats rechtskräftig exmatrikuliert. In Nordrhein-Westfalen müssen abschreibende Studenten mit bis zu 50.000 Euro Geldstrafe rechnen. Neuerdings verfolgen Staatsanwaltschaften plagiierte Doktorarbeiten "im öffentlichen Interesse", ganz ohne Anzeige eines Betroffenen; die Strafe liegt durchweg bei drei Monatsgehältern oder 90 Tagen Haft. Beamteten Hochschullehrern drohen Disziplinarstrafen von der (gängigen) Ermahnung bis zur (theoretischen) Entlassung aus dem Dienst, Angestellten böse Briefe von der Abmahnung bis zur außerordentlichen Kündigung. Gleichwohl gilt der geistige Diebstahl unter Professoren oft noch als Kavaliersdelikt. Deswegen ist noch niemand aus dem Deutschen Hochschulverband, der Standesvertretung der Uni-Dozenten, ausgeschlossen worden.
Weitere Infos
Zum Schutze der persönlichen Autorenrechte gelten an allen Hochschulen Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Rechtsprofessor Volker will neu auftauchende Missbrauchsfälle laufend auf einer eigenen Webseite dokumentieren: www.wissenschaftsplagiat.de