Henri-Nannen-Schule: Die Schreibübung 2011

Vor solchen Meldungen fürchten sich Lokalredakteure: Stil, Satzbau und Logik sind total verkorkst. Die Henri-Nannen-Schule legte diesen Text ihren Bewerbern vor. Aufgabe: berichtigen, kürzen, besser machen.

Sie arbeiten in einer Lokalredaktion und bekommen eine Polizeimeldung auf den Tisch. Der Text ist schwach: Stil, Satzbau, logischer Aufbau - alles noch kräftig zu verbessern. Bitte tun Sie es. Schreiben Sie eine neue Meldung von maximal 1000 Zeichen, zudem eine einzeilige Überschrift.

Explodierende Feuerwehrskörper riefen am Sonntagnachmittag die Beamten der Polizeistation Korbach auf den Plan. Spaziergänger im Forst Wirrhausen hatten die knallartigen Störungen der Polizeistation gemeldet. Als die Beamten in einem Waldstück oberhalb der Grillhütte eintrafen, fanden sie drei jugendliche Nachwuchsrambos beim Ausheben eines Schützengrabens an. Ausgestattet mit Nachbildungen von Sturmgewehren, Revolvern und Maschinenpistolen, Messern und Feuerwerkskörpern, empfingen die Jugendlichen die Funkstreife in voller Kampfmontur. Das gefährliche und äußerst bedenkliche Treiben wurde sofort unterbunden und das umfangreiche Waffenarsenal polizeilich sichergestellt. Die Täter erklärten, für eine Theateraufführung in ihrer Schule wollen sie die Einübung einer Kampfszene durchführen. Dafür wäre ein einsamer Wald besonders geeignet. Obwohl es sich bei den Waffen, die die Jungen im Internet bestellt haben wollen, nach Inaugenscheinnahme klar um Kinderspielzeug handelte, besteht nach dem Waffengesetz das Verbot zur Führung dieser sogenannten Anscheinswaffen in der Öffentlichkeit. Auch eine Flasche Hochprozentiges mussten die Beamten sicherstellen, ebenso einen Plastikeimer mit Schwarzpulver sowie eine elektrische Sprengkapsel, die beides einer der Jungen auf Befragen in einem nahegelegenen Steinbruch gefunden haben soll. Die drei jungen Männer wurden zeitnah ihren Eltern übergeben. Auf die jungen Herren im Alter von 14 beziehungsweise 15 Jahren warten nun Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz und Sprengstoffgesetz.

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Sprachkritiker Wolf Schneider: "Du musst dich plagen"

Wer will Journalist werden?
Das Auswahlverfahren ist rigoros, die Ausbildung hart und umfassend: Vor allem deshalb steht die Hamburger Henri-Nannen-Schule im Ruf, die renommierteste deutsche Journalistenschule zu sein, getragen von den Verlagen Gruner+Jahr, SPIEGEL und Zeit. 18 Monate lang werden 20 junge Frauen und Männer intensiv im Handwerk der Print- und elektronischen Medien geschult. Die Bewerbungsfrist für den nächsten Lehrgang (Beginn Januar 2012) endet am 3. März 2011. Weitere Informationen unter: www.journalistenschule.de
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Journalistenausbildung: Die harte Hamburger Schule

Wo geht's denn hier in den Journalismus?
"Irgendwas mit Medien..."
DPA
Für viele Abiturienten und Studenten ist Journalist ein Traumberuf. Rechtlich darf jeder sich so nennen - das garantiert Artikel 5 des Grundgesetzes, die Pressefreiheit verbietet jede Reglementierung des Berufszugangs. In Deutschland gibt es rund 70.000 Journalisten, rund die Hälfte Freiberufler. Wer davon leben will, muss sein Handwerk lernen und beherrschen.
Der klassische Weg: Volontariat
Praxis pur verspricht das Volontariat - bei Zeitungen und Zeitschriften, in Online-Redaktionen, bei Radio und Fernsehen, privat oder öffentlich-rechtlich. Die Ausbildung dauert zwischen zwölf und 24 Monaten und ist meist durch Tarifverträge geregelt. Typischerweise fahren Volontäre Karussell: Sie durchlaufen verschiedene Ressorts ("Volo, du Amöbe, mach' du den Abendtermin!") und nehmen an Fortbildungen teil. Ein vorheriges Studium ist keine Pflicht - aber längst die Regel.
Der Königsweg: Journalistenschule
Viel Andrang, rare Plätze: Journalistenschulen sind ein Nadelöhr. Auch hier dominiert die Praxis. Es unterrichten gestandene Journalisten, in Praktika wird das Gelernte eingesetzt und ausgebaut. Die Ausbildung dauert in der Regel anderthalb bis zwei Jahre. Mal zahlen Journalistenschüler Gebühren, mal erhalten sie Geld.

Zu den wichtigsten Einrichtungen zählen die Henri-Nannen-Schule (Hamburg), die Deutsche Journalistenschule (München), die Berliner Journalisten-Schule, die Axel-Springer-Akademie und die Evangelische Journalistenschule (alle in Berlin). Die RTL-Journalistenschule (Köln) bildet speziell für TV-Berufe aus, die Electronic Media School (Babelsberg und Bremen) für Radio, Fernsehen und Internet. Die Holtzbrinck-Schule (Düsseldorf) und die Kölner Journalistenschule sind auf Wirtschaft spezialisiert.
Der Trampelpfad: Studium
Und wo bleibt die Theorie? Hier: Studiengänge in Journalistik oder Publizistik, Medien- oder Kommunikationswissenschaft gibt es an beinah jeder größeren Universität (siehe Hochschulkompass). Besonders bekannt sind die Journalistik-Studiengänge in Leipzig, Dortmund und München. Dort absolvieren die Studenten auch Pflichtpraktika - wer nur theoretisch weiß, wie eine gute Glosse entsteht, hat es schwer.

Was Chefredakteure der ganz alten Schule von den Absolventen halten? Sie rümpfen die Nase, rollen die Augen und raten: "Studieren Sie lieber etwas Handfestes, Jura oder BWL oder sogar Byzantinistik." Damit haben sie nicht unbedingt Recht, ein Medienstudium kann schon nahe an den Beruf heranführen. Trotzdem gehen Absolventen meist noch ins Volontariat oder in eine Journalistenschule - denn ein schickes Uni-Zeugnis allein beeindruckt im Journalismus niemanden. Erstklassige Arbeitsproben und sinnvolle Praktika schon.
Der Sonderweg: Rein ins Wasser, Schwimmen lernen
Was ebenfalls geht: Man wird Journalist, indem man's einfach ist - "Learning by doing" in Neudeutsch. Medienberufe sind offen für Autodidakten und Quereinsteiger mit krummen Biografien. Wer viel und gut schreibt, der findet auch seinen Platz. Praktika und Kontakte sammeln, sich als Experte für bestimmte Themen einen Namen machen, die Arbeit intelligent organisieren - und irgendwann fragt niemand mehr nach Ausbildung und Abschlüssen. Für das große Heer der freien Journalisten gilt das ohnehin, für Redakteursjobs nur bedingt. Da zählen bei der Einstellung auch formale Qualifikationen.