Privatinsolvenz: Mehr junge Menschen schlittern in die Pleite

Ein teures Handy, Markenklamotten und vielleicht auch noch ein Auto: Manche junge Erwachsene leben weit über ihren Verhältnissen. Die Zahl derer, die das in die Insolvenz treibt, ist seit vergangenem Jahr deutlich gestiegen.

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dapd

Smartphones in der Schule: Jeder sollte eines haben?

Junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren melden viel häufiger Insolvenz an als noch vor einem Jahr. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verzeichnete die Hamburger Wirtschaftsauskunft Bürgel 5800 Fälle in dieser Altersgruppe. Das seien fast 30 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2011. "Es ist leichter geworden, Geld auszugeben", sagte Oliver Ollrogge, Sprecher von Bürgel. Es sei verlockend, mit Kreditkarte einkaufen zu gehen oder teure Produkte in Raten abzuzahlen. Dabei könne man schnell den Überblick über seine Ausgaben verlieren.

Der Grund laut der Auskunftei: Junge Menschen, die in die Pleite stolperten, seien unerfahren im Umgang mit Geld und investierten oft hohe Summen in Handys, Elektroartikel oder Autos. Dazu komme, dass sie über keine oder nicht ausreichende Rücklagen für den Krisenfall verfügten. Deshalb reichten oft schon Schulden unter 10.000 Euro, um in der Privatinsolvenz zu landen. Damit lägen junge Erwachsene deutlich unter der bundesweit durchschnittlichen Schuldenhöhe von knapp 32.000 Euro.

Jugendliche Schuldner sind aber immer noch eine eher kleine Gruppe. Sie machten weniger als zehn Prozent der Privatinsolvenzen im ersten Halbjahr aus. Fast zwei von drei Betroffenen sind zwischen 36 und 59 Jahren alt. Insgesamt ist die Zahl der privaten Pleiten in Deutschland gesunken. Knapp 65.600 Bürger meldeten Insolvenz an, das sind 4,7 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Sechs Jahre dauert die Entschuldungsphase in Deutschland. In dieser Zeit müssen die Insolvenzler besonders sparsam leben und so viele Schulden wie möglich abstottern. Gelingt es ihnen, folgt die Restschuldbefreiung. Danach kommen noch mal drei Jahre mit negativem Schufa-Eintrag. Das macht es den Betroffenen schwer, wieder durchzustarten.

Im bundesweiten Durchschnitt gehen 80 von 100.000 Einwohnern zum Insolvenzrichter. Weit darüber liegen Bremen (162), Niedersachsen (108) und Schleswig-Holstein (107). Die wenigsten Insolvenzen je 100.000 Einwohner verzeichneten Bayern (58) und Baden-Württemberg (60). Die häufigsten Gründe für die Schulden sind Arbeitslosigkeit, geringes Einkommen, gescheiterte Selbständigkeit oder Immobilienfinanzierung und Trennung oder Scheidung vom Partner.

son

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insgesamt 24 Beiträge
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1. optional
gruenertee 06.09.2012
Ich als Student hab mich auch für mein MINT-Studium hochverschulden müssen und wenn ich nach meinem Studium nicht sofort einen Arbeitsplatz finde, kann ich Insolvenz anmelden.
2.
franko_potente 06.09.2012
Zitat von sysopEin teures Handy, Markenklamotten und vielleicht auch noch ein Auto: Manche junge Erwachsene leben weit über ihren Verhältnissen. Die Zahl derer, die das in die Insolvenz treibt, ist seit vergangenem Jahr deutlich gestiegen. Insolvenz unter Jugendlichen: Zahl der Pleite-Fälle steigt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,854334,00.html)
England / Frankreich 6 Monate. irgnediwe fairer. 9 Jahre dürfen Sie so nichts auf Rechnung kaufen, nichts!
3. Verantwortung
hergebuyther 06.09.2012
Selbstverständlich ist jeder seines Glückes Schmied. Aber ich mache mir Gedanken darüber, warum jetzt vermehrt Jugendliche SChulden machen bzw. die Überschuldung zunimmt. Was sind das für Begehrlichkeiten? Warum muss man das neueste Handy haben, während das alte noch gut ist? Warum muss es toller Wagen mit ein paar PS mehr sein? Warum sind Markenklamotten interessanter als andere? MIt welchen Verlockungen zieht die Konsumgüterindustrie zu Felde? Meiner Meinung nach haben auch sie eine Mitverantwortung! Aber da wir in einer wachstumsbasierten Gesellschaft leben, die bei jeglichen Vorschlag nach Alternativen "Aber die Arbeitsplätze sind gefährdet!" schreit, sehe ich bei all meinem Optimismus leider schwarz. Schwärzer den noch bei meinem neuen Hassobjekt: die anschwillende Verbreitung der Casinos.
4.
unpolit 06.09.2012
Einfache Gleichung: +Warenangebot + Teilzahlungsmöglichkeit + Besitz als zentrale Wertbotschaft - Wirtschaftswissen (der Privatfinanzen) - Aufsicht durch die Eltern = Wachsender Konsum, auch über die eigenen Grenzen hinaus. Ich hoffe nur, dass durch die Möglichkeit der Privatinsolvenz der graue Finanzmarkt solche Verluste einfährt, dass die Teilzahlungsfinanzierung deutlich restriktiver gehandhabt wird. Das wirklich große Problem kommt aber im Immobilienmarkt, in 10-15 Jahren. Wer heute alles Wohneigentum an der Belastungsgrenze finanziert, dem wird das möglicherweise am Ende der Zinsbindung um die Ohren fliegen.
5. ...
jujo 06.09.2012
Zitat von sysopEin teures Handy, Markenklamotten und vielleicht auch noch ein Auto: Manche junge Erwachsene leben weit über ihren Verhältnissen. Die Zahl derer, die das in die Insolvenz treibt, ist seit vergangenem Jahr deutlich gestiegen. Insolvenz unter Jugendlichen: Zahl der Pleite-Fälle steigt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,854334,00.html)
Das Geheimnis ist rationales Denken und Handeln! Das beherrschen des kleinen 1X1 ist auch hilfreich! Mehr gibt es von mir dazu nicht zu sagen. by the way, ich habe mit 17 mein erstes Geld verdient, mein erstes Konto eingerichtet, war unabhängig von zuhause, mein Studium selber finanziert, ein Durchfallen war nicht drin, also Druck die ganze Zeit. Ich habe bis heute nie eine rote Zahl auf dem Girokonto gehabt, habe bis heute auf Dispo verzichtet! Komme mir jetzt keiner, daß das was Ende der sechziger möglich war heute nicht mehr geht, damals gab es auch schon Markenklamotten!
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