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Interview mit Barbara Bierach: "Das Gemeckere der Frauen ist verlogen"

Frauen sind selbst schuld, wenn es im Beruf nicht klappt: Sie kämpfen nicht für ihre Karriere, lassen sich mit Krümeln der Macht abspeisen und nutzen Kinder als "Heldennotausgang". Mit solchen provokanten Thesen sorgt Barbara Bierach für Furore - im Interview spricht die Journalistin über das "dämliche Geschlecht".

Frau Bierach, Sie schreiben in Ihrem Buch, dass es deutsche Frauen selten auf Chefsessel schaffen, weil sie zu "dämlich" sind. Das müssen Sie uns erklären ...

"Selbst schuld": Barbara Bierach, Wirtschaftsredakteurin und Buchautorin

"Selbst schuld": Barbara Bierach, Wirtschaftsredakteurin und Buchautorin

Barbara Bierach:

Die Deutschen sind Weltmeister im Organisieren, seit 20 Jahren gibt es Frauenbeauftragte, Frauenförderprogramme etc., und trotzdem gibt es wenig Frauen in hochrangigen Positionen der deutschen Wirtschaft. Schlappe 3,7 Prozent sind es genau. Nicht besser ist die Lage in den Behörden, obwohl nach Noten eingestellt wird und das deutsche Beamtenrecht das frauenfreundlichste der Welt ist. Der Frauenanteil auf der Ebene der Hauptabteilungsleiter beträgt aber trotzdem nur 2,1 Prozent.

Warum sind Frauen "dämlich", und warum schaffen sie es so selten in die Top-Etagen der Unternehmen oder Behörden?

Bierach: Dämlich sind sie nicht - sie haben bessere Noten als Männer, sie leiden also nicht unter mangelnden intellektuellen Fähigkeiten. Aber mit Mitte 30 haben sie genug vom Machtkampf im Beruf und ziehen sich ins Privatleben zurück. Das ist ja auch okay - nur das Gemeckere geht mir auf die Nerven. Erst freiwillig zurückziehen und dann darüber meckern - das ist verlogen.

Was bezwecken Sie mit dem Buch?

Bierach: Die Emanzipationsbewegung war eine der spannendsten Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts, aber jetzt ist das alles zum Stillstand gekommen. Frauen sind sehr blauäugig und geben mit Nonchalance erkämpfte Positionen auf. Ich möchte mit dem Buch eine neue Diskussion anzetteln.

Wie sind die Reaktionen in Ihrem Bekanntenkreis? Haben sie überhaupt noch Freundinnen?

Bierach: Viele Leute haben sich geäußert, ohne das Buch zu kennen. Zugegebenermaßen - der Titel war ein Marketingmechanismus, bei Tausenden von wirtschaftsbezogenen Neuerscheinungen muss man ein paar Leute ärgern. Aber viele Frauen haben sich bei mir auch bedankt. Viele sagten: "Dieses heiße Eisen anzusprechen habe ich mich einfach nicht getraut."

Wie war die Reaktion aus Verbänden, Parteien und Institutionen?

Bierach: Ich habe eine kleine Lesetournee hinter mir, zum Beispiel war ich bei der Heinrich-Böll-Stiftung und habe viele Frauenbeauftragte getroffen...

... die Sie ja sehr kritisiert haben ...

Bierach: ...aber sie haben mich trotzdem eingeladen. Zwar darf ich namentlich keine von ihnen zitieren, aber der Tenor war immer der Gleiche: Die Frauen klagen darüber, dass sie ja nicht arbeiten können, weil sie sich um ihre Kinder kümmern müssen. Wenn man nachfragt, wie alt die Kinder denn seien, erfährt man oft, dass diese schon fast volljährig sind. Das sagt doch alles.

Kann der deutsche Gesetzgeber etwas verändern, oder ist das alles nur eine Einstellungssache der Frauen? Sind die USA ein Vorbild, wo Sammelklagen gegen Diskriminierung möglich sind?

Provokante Thesen: "Das dämliche Geschlecht"

Provokante Thesen: "Das dämliche Geschlecht"

Bierach: Man muss mögliche Veränderungen in äußere und innere Gründe unterscheiden. Zu den äußeren zähle ich vor allem die miese deutsche Situation bei der Kinderbetreuung. Da sind wir wirklich ein Entwicklungsland. In rechtlicher Hinsicht sind vor allem die USA Vorreiter. Da überlegen es sich die Unternehmen dreimal, wie sie sich verhalten - denn gegen weibliche Diskriminierung sind Sammelklagen möglich und durchaus üblich.

Bezüglich der inneren Gründe kann ich nur sagen: Jede Frau muss sich da an die eigene Nase fassen. Es ist aber auch ein gesamtgesellschaftliches Problem. Wenn Mütter ihre Zöglinge nicht von der Schule abholen, heißt es ja gleich, dass die Familie eine Psychopathen-Zuchtanstalt ist.

Wie ist es bei Ihnen? Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Familie und Karriere?

Bierach: Ich bin verheiratet, habe aber keine Kinder. Aber darf ich wirklich nur über ein derartiges Thema schreiben, wenn ich Kinder habe? Nicht jeder Arzt hat die Krankheit, die er behandelt.

Haben Sie Ihre Ansichten nach den vielfältigen Reaktionen geändert?

Bierach: Es gibt tatsächlich wirklich schwierige Fälle. Wie die Frauen, die ein behindertes Kind oder pflegebedürftige Eltern betreuen - das ist aber ein Sonderthema. Hinsichtlich der in meinem Buch geäußerten These muss ich meine Ansichten nicht ändern.

Wird sich denn an der Lage etwas ändern?

Bierach: Ich bin da leider sehr pessimistisch.

Werden Sie erneut über dieses Thema schreiben, oder woran arbeiten Sie derzeit neben Ihrer Tätigkeit als Wirtschaftsredakteurin?

Bierach: Ich möchte zukünftig erst mal kein Frauenbuch schreiben - ich bin gerade dabei über männliche Manager ein Buch zu verfassen. Details kann ich aber noch nicht verraten.

Das Interview führte Martin Scheele, manager-magazin.de

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