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Israels Armeetouristen Urlaub in Uniform

2. Teil: Gehorsam in der Freizeit: Nahost-Diskussionen im Lager unerwünscht

Auch außerhalb der Lagerhallen gibt es eine Menge zu tun. Jan hat nach dem Fahnenappell den Auftrag bekommen, Unkraut zu jäten. Sein Zimmernachbar hilft. Er heißt ebenfalls Jan, Jan Dvorak, und ist mit 17 Jahren der Jüngste in der Gruppe. Eine junge Soldatin steht daneben und bittet die beiden Jans, ihr ein paar Wörter auf Hebräisch nachzusprechen. Sie lacht, ihre Kameradin filmt die Szene mit dem Handy. Sie kann das Telefon vor Lachen kaum ruhig halten, und Jan und Jan ist nicht ganz klar, ob die beiden Frauen sich über ihre Aussprache amüsieren - oder haben sie ihnen etwa Schimpfwörter, Anzügliches in den Mund gelegt?

In der Regel geht es bei Or und Noa ziemlich ernsthaft zu. Die beiden Frauen, 19 und 21 Jahre alt, sind eine Mischung aus Kindermädchen und Kommandeurinnen. Ihr Job ist es, die Freiwilligen über Land und Leute zu unterrichten, und so erklären sie die Abzeichen der Armee, sprechen über jüdische Feiertage und verpassen ihnen einen Crashkurs in Hebräisch. Sie helfen auch bei der Planung der Wochenenden außerhalb der Militärbasis. Vor allem sollen Or und Noa das offizielle Bild des Staates Israel vermitteln, sogar verkörpern: "Wir sind Israel für sie - drei Wochen lang", sagt Or. Das sei eine große Verantwortung.

Die Armeehelfer sollten allerdings dieses Israel nicht zu laut in Frage stellen - politische Diskussionen sind auf Militärbasen verboten. Brandet doch Streit über den Nahost-Konflikt auf, müssen Noa und Or dazwischengehen. "Die Teilnehmer bekommen durch das Programm die einmalige Gelegenheit, die verschiedenen Facetten der israelischen Gesellschaft, ihre Kultur und ihre grundlegenden Werte kennenzulernen", sagt Armeesprecher Arye Shalicar.

"Man überlegt schon, ob die Arbeit hier sinnvoll ist"

Viel Zeit für kulturelle und soziale Bildung bleibt aber nicht, zumindest nicht an den Werktagen. Die Arbeit nimmt Jan und die anderen gefangen. Viele der Teilnehmer zieht es abends sehr früh ins Bett. Wobei das Einschlafen schwerfällt in den Achter-Zimmern der Militärbaracken; die Matratzen auf den Stockbetten sind dünn, und das Schnarchen der anderen ist laut.

"Abends im Bett überlegt man sich schon, ob die Arbeit wertvoll ist, die man hier macht", sagt Jan.

Seinem Vater fällt die Antwort auf die Sinnfrage leichter. Er will das Land kennenlernen und das Volk, über das er so viel in der Bibel gelesen hat. Die Armee sei ein guter Studienort, hier bekomme er einen Querschnitt der Bevölkerung präsentiert und nicht nur Weisheiten eines Reiseleiters.

Pavel Tomasek, 50 Jahre alt, war einst aus der damals kommunistischen Tschechoslowakei geflohen. Die deutsche Presse folgt seiner Meinung nach dem gleichen Diskurs, den er aus dem Ostblock kennt. "Es gibt immer die palästinensischen Opfer und die bösen israelischen Soldaten", sagt er. "Das kann ich nicht glauben."

Jan versucht, das Rekrutenleben als Urlaub zu sehen

Freiwillig Dienst bei der israelischen Armee schieben? Eine strittige Entscheidung, das war Jans Kamerad Erik Nygren aus Schweden klar. Als sich der 31-Jährige nach seinem Geschichtsstudium für den speziellen Trip entschied, brachen einige Bekannte den Kontakt zu ihm ab. Sie warfen ihm vor, auf der falschen Seite zu stehen und den "israelischen Besatzern" zu helfen. Erik sieht das anders. Er will einen Beitrag dazu leisten, "die einzige Demokratie zu stärken", die es im Nahen Osten gebe.

Der 33-jährige David aus Kalifornien hat Freunde, die im Irak stationiert sind, und will nun selbst ein bisschen helfen, die Region zu stabilisieren. "Wobei das Leben meiner Freunde natürlich viel gefährlicher ist", sagt er.

Ob Jan noch einmal am "Sar-El"-Programm teilnehmen würde? Er mag seine Rekruten-Wochen nicht politisch bewerten, versucht, sie als Urlaub zu sehen. Und der habe sich gelohnt, sagt er. Die Wochenenden waren ja frei, da seien er und sein Vater mit einem Mietwagen durchs Land gefahren. Und Ferien hin oder her - auch die Arbeit habe ihm nichts ausgemacht.

"Ich bin nicht so der Strandtyp", sagt Jan. Insofern habe ihm sein Vater eigentlich ein ziemlich gutes Geschenk gemacht.

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insgesamt 7 Beiträge
mavoe 05.05.2010
Ich hatte mit denen auch schon Bekanntschaft gemacht. Damals in Hebron, 1986. In Jerusalem war Shabbat, also beschlossen meine damalige Partnerin und ich einen Tagesausflug nach Hebron zu machen, zur Grabesstätte der [...]
Zitat von sysopSie malen Stahlhelme an, sortieren Schrauben, schrubben Panzer - höchst sonderbare Ferien für Zivilisten. Als einzige Armee der Welt unterhalten Israels Streitkräfte ein Freiwilligenprogramm. Besonders Studenten lassen sich für den Dienst in der Kaserne begeistern: ein Soldatenleben ohne Waffen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,690836,00.html
Ich hatte mit denen auch schon Bekanntschaft gemacht. Damals in Hebron, 1986. In Jerusalem war Shabbat, also beschlossen meine damalige Partnerin und ich einen Tagesausflug nach Hebron zu machen, zur Grabesstätte der Patriarchen. Gleich nach Ankunft wurden wir von Tzahal verhaftet. "Zu unserer Sicherheit". Kurz vor unserer Ankunft ging dort im Marktviertel eine Bombe hoch. Die Soldaten durchkämmten die Stadt nach Terroristen und hatten alle Verdächtigen auf erstmal auf eine Wiese gebracht. Dann ging plötzlich eine Schießerei los. Rübe runter, das hatte ich ein Jahr zuvor bei der Bundeswehr gelernt. Und am Abend war alles vorbei, nur fuhr da dann kein Bus mehr zurück nach Jerusalem. Das sagte ich auch den Soldaten und die versicherten uns, dass das unser Problem sei. Wir versuchten es dann per Anhalter. Das einzige Fahrzeug, das anhielt, nach ca. 2 Std., war ein R4 mit Hamburger Kennzeichen. lol. Nur fuhr der in die andere Richtung nach Beerscheva. Der Fahrer war ein israelischer Student in HH und war auf Besuchsfahrt zu seinen Eltern. Wir fuhren also mit und bekamen bei der Familie dann auch Obdach für die Nacht. Und am nächsten Tag, Sonntags also, ging es dann wieder mit dem Bus zurück nach Jerusalem.
sukowsky 05.05.2010
der Staat Israel ist umlauert von gierigen Wölfen und da macht es Sinn immer auf der Hut zu sein. Allerdings sollten sich die Israelis fragen lohnt es sich ein Leben lang in Angst zu leben. Schauen wir in die Natur, die Sonne [...]
der Staat Israel ist umlauert von gierigen Wölfen und da macht es Sinn immer auf der Hut zu sein. Allerdings sollten sich die Israelis fragen lohnt es sich ein Leben lang in Angst zu leben. Schauen wir in die Natur, die Sonne wärmt alle Menschen und macht kein Unterschied zwischen Religionen. Es ist doch alles nur Windhauch, wie es im Prediger steht. Es ist auch im Talmud zu finden. Die Wahrheit so nah und doch unerreichbar? So wunderbar können menschliche geistige Vorstellungen sein -doch fallen wir nicht in die Löcher der Fata Morgana ihrer trügerischen Reflexionen.
vantast 05.05.2010
Israel ist mit und durch Terror geschaffen worden, viele Palästinenser sind aus ihrer Heimat/ihren Wohnungen vertrieben worden, man gräbt ihnen sogar das Wasser ab, kurz: sie zerstören die Lebensgrundlagen der Palästinenser. [...]
Israel ist mit und durch Terror geschaffen worden, viele Palästinenser sind aus ihrer Heimat/ihren Wohnungen vertrieben worden, man gräbt ihnen sogar das Wasser ab, kurz: sie zerstören die Lebensgrundlagen der Palästinenser. Wollen Sie immer auf Seiten der Sieger sein? Israel ist als hochgerüsteter Militärstaat nicht mit ein paar Raketen/Bomben zu besiegen, wozu dann das ganze Gedöns? Es sind die Palästinenser, die zu bedauern sind.
mavoe 05.05.2010
Ja, Israel ist mit und durch Terror geschaffen worden. Da haben Sie Recht. Nur hat dieser Terror ganzwoanders stattgefunden. Hauptsächlich in Polen, und raten Sie mal von wem? Stichworte: Auschwitz, Treblinka, Sobibor, [...]
Zitat von vantastIsrael ist mit und durch Terror geschaffen worden, viele Palästinenser sind aus ihrer Heimat/ihren Wohnungen vertrieben worden, man gräbt ihnen sogar das Wasser ab, kurz: sie zerstören die Lebensgrundlagen der Palästinenser. Wollen Sie immer auf Seiten der Sieger sein? Israel ist als hochgerüsteter Militärstaat nicht mit ein paar Raketen/Bomben zu besiegen, wozu dann das ganze Gedöns? Es sind die Palästinenser, die zu bedauern sind.
Ja, Israel ist mit und durch Terror geschaffen worden. Da haben Sie Recht. Nur hat dieser Terror ganzwoanders stattgefunden. Hauptsächlich in Polen, und raten Sie mal von wem? Stichworte: Auschwitz, Treblinka, Sobibor, Majdanek,... Und später gabs dann mal Leute wie Nasser, Assad, Saddam,... Das waren natürlich keine Wölfe, Ihrer Ansicht nach. mfg
Chatten_ODW 05.05.2010
Vergessen Sie es, es gibt allem anschein noch genügend Menschen in D denen es lieber gewesen wäre der Depp aus Braunau hätte zumindest eine seiner Missions abschließen können. Sowas muß man als Demokrat aushalten aber [...]
Zitat von mavoeJa, Israel ist mit und durch Terror geschaffen worden. Da haben Sie Recht. Nur hat dieser Terror ganzwoanders stattgefunden. Hauptsächlich in Polen, und raten Sie mal von wem? Stichworte: Auschwitz, Treblinka, Sobibor, Majdanek,... Und später gabs dann mal Leute wie Nasser, Assad, Saddam,... Das waren natürlich keine Wölfe, Ihrer Ansicht nach. mfg
Vergessen Sie es, es gibt allem anschein noch genügend Menschen in D denen es lieber gewesen wäre der Depp aus Braunau hätte zumindest eine seiner Missions abschließen können. Sowas muß man als Demokrat aushalten aber trotzdem aufmerksam bleiben, der Schoß ist fruchtbar noch aus dem es kroch, oder so ähnlich.
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Heft 2/2010 Die Überflieger Wer bekommt ein Stipendium - und wer nicht?

Wehrpflicht - Eintrittskarte in Israels Gesellschaft
DPA
In jedem Vorstellungsgespräch fällt die Frage nach dem Posten in der Armee. Ab dem 18. Lebensjahr dienen Männer in Israel drei Jahre, Frauen zwei. Nicht eingezogen werden muslimische und christliche Araber, aber auch von ihnen melden sich immer mehr freiwillig - aus Hoffnung auf eine bessere Arbeit und besseres Ansehen.





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