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Beschäftigung von Jugendlichen: Europas Zukunft ist arbeitslos

Die Jugendarbeitslosigkeit steigt weltweit, besonders dramatisch ist die Lage in EU-Ländern wie Spanien: Dort findet fast jeder zweite junge Mensch keinen Job. Die Internationale Arbeitsorganisation warnt vor einer "verlorenen Generation".

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AP

Proteste in Spanien: Die Verzweiflung wächst

Die Verzweiflung der Jugend wächst, warnen die Experten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO): Denn Millionen junger Menschen finden einfach keinen festen Job - und eine Besserung ist einer neuen ILO-Studie zufolge kaum in Sicht. Es drohe eine "verlorene Generation", Millionen junger Menschen würden unter Hoffnungslosigkeit leiden.

Besorgniserregend ist die Lage in Europa, vor allem in Spanien und Griechenland. Während die ILO für Griechenland mangels konkreter Daten keine aktuellen Zahlen nennt, weist sie für Spanien den traurigen Rekord von 46,4 Prozent aus, gefolgt von Kroatien mit 35,8 und der Slowakei mit 33,6 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland waren im Jahr 2011 nur 8,6 Prozent der 15- bis 24-Jährigen auf Jobsuche.

Doch die Lage in vielen europäischen Krisenländern scheint trostlos: Viele junge Menschen hätten sich angesichts geringer Chancen vom offiziellen Arbeitsmarkt zurückgezogen und versuchten, im informellen Sektor mit Gelegenheitsjobs über die Runden zu kommen. Zudem würden viele so lange wie irgend möglich im Bildungssystem verbleiben und hoffen, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt bessert.

Jugendarbeitslosigkeit in der EU
Die Meldung der Internationalen Arbeitsorganisation im Sommer 2012 ist dramatisch: Millionen junger Menschen suchen verzweifelt feste Jobs, vor allem in Südeuorpa liegt die Arbeitslosigkeit der 18- bis 24-Jährigen zwischen 30 und 46 Prozent, Europa drohe eine "verlorenene Generation". Hier finden Sie die aktuellen Zahlen für Euro-Länder und Nicht-Euro-Länder:
Die Euroländer
bis 25 Jahre 25 bis 74 Jahre
EU-27 21,4 8,3
Euroländer 20,8 9,0
Spanien 46,4 19,4
Griechenland 44,4 15,8
Slowakei 33,2 11,7
Portugal 30,1 11,4
Irland 29,4 12,8
Italien 29,1 6,9
Frankreich 22,9 8,2
Zypern 22,4 6,4
Estland 22,3 11,3
Finnland 20,1 6,1
Belgien 18,7 6,0
Slowenien 15,7 7,5
Luxemburg 15,6 4,1
Malta 13,7 5,0
Deutschland 8,6 5,6
Österreich 8,3 3,5
Niederlande 7,6 3,8
Stand 2011
Quelle: Eurostat
Die Nicht-Euroländer
bis 25 Jahre 25 bis 74 Jahre
EU-27 21,4 8,3
Euroländer 20,8 9,0
Litauen 32,9 13,8
Lettland 29,1 13,8
Bulgarien 26,6 10,0
Ungarn 26,1 9,8
Polen 25,8 8,0
Rumänien 23,7 5,8
Schweden 22,9 5,2
Großbritannien 21,1 5,8
Tschechien 18,0 5,9
Dänenmark 14,2 6,3
Stand 2011
Quelle: Eurostat
Die langfristigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen könnten verheerend sein, heißt es in dem Bericht der ILO. Die immer wieder erfolglose Jobsuche erzeuge bei vielen jungen Menschen ein Gefühl von "sozialer Ausgrenzung, Nutzlosigkeit und Nichtstun". Deshalb müsse eine aktive Beschäftigungspolitik für Jugendliche für die Regierenden höchste Priorität haben, fordert die ILO in ihrem jüngsten Weltbericht zur Situation junger Leute auf den Arbeitsmärkten ("Global Employment Trends for Youth 2012").

Wie die EU umzusteuern versucht

Der Studie zufolge stieg der Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen in der EU und den anderen entwickelten Industrieländern zwischen 2008 und 2011 um 26,5 Prozent weltweit am stärksten. Das entspreche einem Anstieg um 4,7 Prozentpunkte gegenüber 2008. Damit sei die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen dort bis 2011 auf 18,1 Prozent gestiegen; 2012 werde sie wahrscheinlich mit 18,0 Prozent nur unwesentlich darunter liegen.

Die EU versucht jetzt umzusteuern. Sie will jungen Arbeitslosen helfen, indem sie vorerst 7,25 Millionen Euro ab dem laufenden Jahr in die grenzüberschreitende Stellenvermittlung steckt, wie die EU-Kommission mitteilte. "Die meisten jungen Leute haben lieber eine Arbeit - aber dafür müssen sie möglicherweise umziehen", sagte ein Sprecher. Mehr als 5,5 Millionen junge Menschen suchen laut EU-Kommission derzeit in Europa einen Job - 6500 von ihnen will die Brüsseler Behörde mit den Geldern zu einem Arbeitsplatz verhelfen.

Arbeitsvermittlungen in Deutschland, Spanien, Dänemark und Italien sollen Bewerbern und Unternehmen aus ganz Europa zueinanderbringen. Geld gibt es für Arbeitgeber ebenso wie für Jobsuchende. Für Sprachkurse oder Hilfe bei der Wohnungssuche ihrer ausländischen Mitarbeiter erhalten kleine und mittelständische Unternehmen bis zu 900 Euro. Bewerber zwischen 18 und 30 Jahren bekommen bis zu 1200 Euro für die Reise zum Vorstellungsgespräch und einen Umzug. Deutschland will mit Hilfe der EU-Gelder vor allem Ingenieure und Techniker, Ärzte und Pflegepersonal anlocken sowie Hotelfachkräfte und Restaurantpersonal, heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit.

Am stärksten stieg die Jugendarbeitslosigkeit in den Industrieländern laut ILO-Report als direkte Folge der Krisenjahre 2008 und 2009. Danach habe es aber keinen nennenswerten Rückgang mehr gegeben. Zum Teil reflektiere das eine nur schwache Erholung der westlichen Volkswirtschaften seit der Krise. Mittelfristig werde zwar ein leichter Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit erwartet, "jedoch wird das Vorkrisenniveau kaum vor 2016 erreicht werden".

Regional ist die Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten nach dem ILO-Bericht stark unterschiedlich ausgeprägt. So betrug sie 2008 in Südasien vergleichsweise geringe 8,6 Prozent, im Nahen Osten hingegen 25,7 Prozent. Ein schwacher Trend zur Besserung ist in Zentral- und Südosteuropa erkennbar. Hier sei die Jugendarbeitslosigkeit im Gegensatz zu den EU-Ländern gesunken - von 20,5 Prozent im Jahr 2009 auf 17,6 Prozent 2011.

Weltweit hätten mittlerweile fast 75 Millionen junge Menschen keinen Job, vier Millionen mehr als 2007. Ohne energische Gegenmaßnahmen von Politik und Wirtschaft werde sich daran bis 2016 kaum etwas ändern, warnen die ILO-Experten.

otr/dpa

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1. Ansichtssache
DennisFfm 22.05.2012
Lieber Niedriglohn in Deutschland als arbeitlos. Das was China für die Welt ist, ist Deutschland in Europa. Und so kommunistisch wie die Chinesen sind, ist Frau Merkel Kapitlaist. Sie kann nur solange mit dem Finger auf Griechenland und Spanien zeigen solange hier in Deutschland nahezu kostenlos für sie geknechtet wird. Bei einer halbwegs, angemessenen Lohnanpassung in Deutschland, würden diese Länder auch wieder funktionieren.
2.
servadbogdanov 22.05.2012
Zitat von sysopAPDie Jugendarbeitslosigkeit steigt weltweit, besonders dramatisch ist die Lage in EU-Ländern wie Spanien: Dort findet fast jeder zweite junge Mensch keinen Job. Die Internationale Arbeitsorganisation warnt vor einer "verlorenen Generation". http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,834411,00.html
Das ist doch eine gute Meldung. Da müßten die ganzen Wirtschaftsversteher doch in lautes Hosianna ausbrechen, ob des Umstandes, dass nunmehr ein Heer von zukünftigen Lohnsklaven vor der Tür steht, die man nach belieben zu Hungerlöhnen knechten lassen kann. Gott Wachstum pur, sofern man die aufgrund sinkender Personalkosten steigenden Gewinne im Auge hat.
3. natürlich
wander, 22.05.2012
Und daran wird sich auch nichts ändern bevor die Wirtschaft wieder überall existenzsichernde Löhne bezahlt. Warum hat die Schweiz die mit Abstand niedrigste Jugendarbeitslosigkeit, obwohl sie beim Wachstum seit 20 Jahren Europas Schlusslicht ist? Weil dort noch anständige Löhne bezahlt werden, die Binnennachfrage mit ihrer kleinteiligen lokalen Wirtschaft hintendran gut lebt und für die Jugendlichen eine Lehre immer noch eine gute Option bleibt, mit der man ein erfülltes und glückliches Leben führen kann. Aber solang sich die aktuelle gekaufte neoliberale Politik weiter gegen die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung richtet, solange werden sich auch die Probleme verschärfen.
4.
Petra Raab 22.05.2012
Zitat von sysopAPDie Jugendarbeitslosigkeit steigt weltweit, besonders dramatisch ist die Lage in EU-Ländern wie Spanien: Dort findet fast jeder zweite junge Mensch keinen Job. Die Internationale Arbeitsorganisation warnt vor einer "verlorenen Generation". http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,834411,00.html
Nur in einem geisteskranken System ist Arbeitslosigkeit etwas Negatives. Gebt den Leuten ein bedingungsloses Grundeinkommen und gut ist. Dann können sie sich selbst wieder am Leben beteiligen und kreativ werden. Ansonsten sind die Eliten die Hüter des zusammengehorteten Kapitals und legen weiterhin den Lebensfluß im Volk lahm.
5. Es gab einmal Zeiten...
ginfizz53 22.05.2012
Zitat von sysopAPDie Jugendarbeitslosigkeit steigt weltweit, besonders dramatisch ist die Lage in EU-Ländern wie Spanien: Dort findet fast jeder zweite junge Mensch keinen Job. Die Internationale Arbeitsorganisation warnt vor einer "verlorenen Generation". http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,834411,00.html
...und es gibt noch Länder, wo sich solche Missverhältnisse zwischen Angebot und Nachfrage über den Preis - in diesem Fall den Lohn - regelten. Gibt es nicht mehr, also lebt damit. In Deutschland hat man den Weg gefunden, junge Arbeitslose mit eigener Wohnung und genügend Taschengeld auszustatten. Nennt sich nach irgend einem Mittelgebirge.... Klappt! Damit lässt es sich aushalten.
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