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Kino-Komödie "Résiste" Praktikanten-Revolution im Praxistest

"Résiste": Aufstand und Wirklichkeit
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3. Teil: "Wer nicht will, muss es eben lassen"

Die von allen unterschätzte Praktikantenguerilla kapert die Tagesschau und strahlt einen Streikaufruf aus. Der greift sofort, kein Praktikant geht mehr arbeiten. Das Unheil für Wirtschaft, Volk und Vaterland nimmt seinen Lauf. Realitätsnah lässt sich das wohl schwer erhärten, also wird in "Résiste" wild drauflos gesponnen. Da assistieren im Operationssaal Praktikanten. Weil die nicht antreten, bleibt der Patient auf dem Tisch, wie man so schön sagt. Und in einem Tower ist der Fluglotsensessel verwaist, fast kollidieren zwei Maschinen in der Luft, weil der Prakti streikt.

"Résiste" will erzählen, dass ohne Praktikanten gar nichts geht, und greift dafür ganz tief in die Phrasenkiste, von "Du bist Deutschland" bis "Yes ,we can". Auf der Rezensentencouch schaut man sich verständnislos an - da brauchen die drei erst mal noch ein Bier.

Chaos, wenn sie zu Hause blieben? "Das nicht", sagt Sibel. Aber manchmal, etwa bei ihrem Praktikum bei einem öffentlich-rechtlichen und einem privaten Fernsehsender, zählten die Mitarbeiter schon sehr auf unbezahlte Studenten auf Erfahrungssuche: "Wären wir da weggeblieben, hätten die wen einstellen müssen."

Weiter eiert der Film zwischen Klamauk und Moral:

Den finsteren Kapitalisten personifiziert Devid Striesow, im weißen Frack. Der Bösewicht verhaut und bedroht den Rebellen Till, damit die Praktikanten als ausbeutbare, stumme Masse erhalten bleiben und nicht mehr aufbegehren. Praktikanten sind unnütz und zeitaufwendig, ihr Leben besteht aus Orientierungslosigkeit, Komasaufen, Web 2.0, sagt das Böse in Gestalt von Striesow.

"Wer ist denn der weiße Typ?", fragt Saskia. Der Plot vom Praktikantenwiderstand verflüchtigt sich und macht die Rezensenten ratlos.

"Generation Praktikum"
REUTERS
Na klar, sagen Praktikanten, die lautstark über Ausbeutung klagen. Ja, sagt auch der DGB: 56 Prozent der Hochschulabsolventen gehören dazu. Die entsprechende Studie stützt sich aber auf Angaben von lediglich 89 Teilnehmern. Karl-Heinz Minks vom Hochschul-Informations-System (HIS) dagegen sagt: "Das ist wohl eher das Gefühl einer Generation."

Sind Praktikanten selbst schuld an ihrer teils miesen Lage, weil sie sich zu viel gefallen lassen, vor allem keine Bezahlung? Ein wenig schon, findet Marco, denn "es gibt sehr viele, die sich kostenlos anbieten". Wenn es einer ohne Geld nicht mache, dann eben der nächste. Sibel findet, es hängt ganz vom Praktikum ab. Eigentlich wisse man ja vorher, worauf man sich einlässt: "Machst du ein Praktikum ohne Geld, ist das deine Entscheidung."

Grafik-Praktikantin Saskia guckt etwas ungläubig, sie kennt solche Sorgen nicht: "Fast alle, die mit mir abgeschlossen haben, haben eine Anstellung bekommen." Zwar hat auch sie ohne Geld für fünf Wochen bei einer Zwei-Mann-Agentur in Österreich ein Pflichtpraktikum fürs Studium absolviert - aber sonst noch nie.

Marco ist Anthropologe, Sibel Germanistin. Sie sehen sich in einer misslichen Lage. Anders als bei der diplomierten Grafikerin Saskia wartet kein genauer Job mit festem Profil auf sie. "Als Germanist muss man ausloten, wohin es gehen soll, dafür sind Praktika super", sagt Sibel. Sie hat immer wieder bei kleinen Zeitungen hospitiert. Freie Mitarbeit gab es auch, aber die Zeilenhonorare waren mickrig, "mehr Geld verdient man einfach mit Kellnern".

Marco ist bei seinem Sender inzwischen Volontär - und muss nun seinerseits mit Praktikanten arbeiten, auch mit unmotiverten. "Man hat im Hinterkopf: 'Die kriegen nichts dafür'. Doch wenn einer partout nicht will, bringt es wenig zu sagen: 'Das ist toll, was du hier machen kannst'. Wer nicht will, muss es eben lassen", sagt er.

In Düsseldorf, erinnert sich Saskia, hatte sie sich mal an einem Museum beworben und fuhr fürs Vorstellungsgespräch von Vorarlberg ins Rheinland. "Ich habe mich vorgestellt, die Frau hat gleich gesagt: 'Wir zahlen nichts'." Museen haben ja auch kein Geld, wendet Marco ein. Mag sein, sagt Saskia. "Mir hat's trotzdem gereicht, ich habe mir nicht einmal mehr das Büro angesehen." Sie fuhr zurück, sagte telefonisch ab und suchte sich einen Ferienjob als Kellnerin. Gut bezahlt.

Im "Résiste"-Deutschland ist der Aufstand geglückt, Revoluzzer Till und Revoluzzerin Sydelia kriegen und küssen sich. Als Tills Handy brummt, ist die Kanzlerin dran ("Woher hat die denn meine Nummer?"). Flugs gibt's ein Praktikantengesetz, fortan wird jeder bezahlt, alle liegen sich jubelnd in den Armen. Und am Ende fällt allen Ernstes ein roter Vorhang.

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insgesamt 150 Beiträge
PeterShaw 12.11.2009
Die Steigerung der Abiturienten- und Studierendenquote dient der Personalkostensenkung.
Zitat von sysopSind Praktikanten die Sklaven ihrer Chefs? Oder sind unbezahlte Praktika eine Erfindung linker Spinner? Der Film "Résiste - Aufstand der Praktikanten" kennt die Antwort nicht. Saskia, Marco und Sibel schon. Sie sind Uni-Absolventen zwischen Berufseinstieg und prekärem Minijobberleben. Wie kann die Situation von Praktikanten verbessert werden?
Die Steigerung der Abiturienten- und Studierendenquote dient der Personalkostensenkung.
discipulus 12.11.2009
Der Praktikant sollte ein Masterstudium werden.
Zitat von sysop... Wie kann die Situation von Praktikanten verbessert werden?
Der Praktikant sollte ein Masterstudium werden.
Gabri 12.11.2009
Dabei wäre es so einfach, wenn sich Abiturienten, Studenten und Hochschulabsolventen ihres Wertes bewusst wären und auf die Bezahlung drängen würden, die ihrer Ausbildung und Tätigkeit angemessen ist. Auch Praktika, die zur [...]
Dabei wäre es so einfach, wenn sich Abiturienten, Studenten und Hochschulabsolventen ihres Wertes bewusst wären und auf die Bezahlung drängen würden, die ihrer Ausbildung und Tätigkeit angemessen ist. Auch Praktika, die zur Ausbildung gehören, müssen bezahlt werden. Dafür müssten sich Ausbildungsbetriebe und Universitäten stark machen. Alles andere ist verordnete Ausbeutung. Dass der Zivildienst hoffentlich bald abgeschafft wird, bietet eine erneute Chance, sich nicht mit der angeblichen Lebenserfahrung eines freiwilligen Sonstwie-Jahres ködern zu lassen und auf angemessen bezahlten Stellen zu bestehen. Sobald der Bedarf da ist, wird auch wieder Geld fließen. Gleichermaßen ist es sinnlos, in anderen Ländern nach der Schule als Billiglohner Äpfel zu pflücken oder Kinder zu hüten, um später bei Firmen mit Sprachkenntnissen zu punkten. Sprachen lernt man genauso gut und schnell durch sinnvolle Auslandssemester oder spätere bezahlte Berufstätigkeit im Ausland. Auch Land und Leute lernt man auf diese Weise kennen und tut darüber hinaus noch etwas für seine berufliche Qualifikation. Sollen die Firmen doch dafür geradestehen, wenn sie ihre Leute ins Ausland schicken wollen. Was unsere jungen Leute brauchen, ist ein schärferes Selbstbewusstsein und vielleicht ein bisschen Wut.
PeterShaw 12.11.2009
Ich stimme grundsätzlich zu. Ich sehe aber auch immer mehr tatendurstige junge Menschen, die sich von Eltern und der Note "4-" überreden lassen, bis ins Erwachsenenalter zu sitzen. Selbstbewusstsein könnte auch [...]
Zitat von GabriWas unsere jungen Leute brauchen, ist ein schärferes Selbstbewusstsein und vielleicht ein bisschen Wut.
Ich stimme grundsätzlich zu. Ich sehe aber auch immer mehr tatendurstige junge Menschen, die sich von Eltern und der Note "4-" überreden lassen, bis ins Erwachsenenalter zu sitzen. Selbstbewusstsein könnte auch bedeuten, den ehrenwerten Beruf eines Handwerkers zu ergreifen.
anin 12.11.2009
Das Praktikantenunwesen konnte sich nur deshalb ausbreiten, weil es viele gut begüterte Eltern gibt, die ihre Kinder bis weit in deren 4. Lebensjahrzehnt finanziell unterstützen können!
Zitat von sysopSind Praktikanten die Sklaven ihrer Chefs? Oder sind unbezahlte Praktika eine Erfindung linker Spinner? Der Film "Résiste - Aufstand der Praktikanten" kennt die Antwort nicht. Saskia, Marco und Sibel schon. Sie sind Uni-Absolventen zwischen Berufseinstieg und prekärem Minijobberleben. Wie kann die Situation von Praktikanten verbessert werden?
Das Praktikantenunwesen konnte sich nur deshalb ausbreiten, weil es viele gut begüterte Eltern gibt, die ihre Kinder bis weit in deren 4. Lebensjahrzehnt finanziell unterstützen können!
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