Kino-Komödie "Résiste": Praktikanten-Revolution im Praxistest

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Alle Räder stehen still, wenn der Praktikant nur will, behauptet die neue Kino-Komödie "Résiste". Aber sind Praktis wirklich Sklaven finsterer Ausbeuter, ist ein Generalstreik machbar? Saskia, Marco und Sibel sind Uni-Absolventen mit zusammen 17 Praktika - und machen den Realitäts-Check.

"Résiste": Aufstand und Wirklichkeit Fotos
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Eigentlich haben sie längst Feierabend. Aber Marco, 31, Saskia und Sibel, beide 27, müssen heute länger ran. Sie sind die besten, die man für den Job zu so später Stunde bekommen kann.

Alle drei sind Experten auf ihren Gebieten, sie haben studiert und müssen trotz eines langen Arbeitstages weitermachen - so geht es Praktikanten eben. Über die Maßen schuften, Dinge machen, die mit dem eigentlichen Job nichts zu tun haben. Und natürlich gibt es dafür keinen Euro. Kann man ja überall lesen.

Richtig unglücklich sehen die drei trotzdem nicht aus. Auf dem Tisch vor ihnen stehen Bier, Erdnüsse und Chips, denn gleich werden sie als fachkundige Rezensenten die neue Komödie "Résiste - Aufstand der Praktikanten" vorab und exklusiv zu sehen bekommen. Eine inoffizielle Preview sozusagen, vor dem offiziellen Kinostart (12. November).

"Résiste" erzählt die Geschichte eines Praktikantengeneralstreiks, der ganz Deutschland lahmlegt. Der Arbeitskampf lässt die Börsen und beinahe auch Flugzeuge abstürzen. In München sterben Krankenhauspatienten; in einem Hinterhof muss ein Gangster sein Opfer selbst erschießen, weil kein Praktikant zur Stelle ist.

Lustig gemeint und gewürzt mit einem Anliegen: "Jeder hat ein Recht auf Anerkennung", deklamiert Praktikant Till (Hannes Wegener). "Kämpft für eure Rechte", fordert Sydelia (Katharina Wackernagel), Anführerin der rechtlosen Praktikanten.

Leichte Skepsis zeigt sich auf den Gesichtern der Testpersonen. Klar ist: "Rèsiste" braucht dringend einen Realitäts-Check. Fragen wir also jemanden, der sich damit auskennt. Marco, Sibel und Saskia sind jetzt die Checker - und immerhin ist genug Bier auf dem Balkon. Film ab!

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Forum - Praktikanten - Widerstand zwecklos?
insgesamt 149 Beiträge
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1. Der Markt regelt das!
PeterShaw 12.11.2009
Zitat von sysopSind Praktikanten die Sklaven ihrer Chefs? Oder sind unbezahlte Praktika eine Erfindung linker Spinner? Der Film "Résiste - Aufstand der Praktikanten" kennt die Antwort nicht. Saskia, Marco und Sibel schon. Sie sind Uni-Absolventen zwischen Berufseinstieg und prekärem Minijobberleben. Wie kann die Situation von Praktikanten verbessert werden?
Die Steigerung der Abiturienten- und Studierendenquote dient der Personalkostensenkung.
2.
discipulus, 12.11.2009
Zitat von sysopSind Praktikanten die Sklaven ihrer Chefs? Oder sind unbezahlte Praktika eine Erfindung linker Spinner? Der Film "Résiste - Aufstand der Praktikanten" kennt die Antwort nicht. Saskia, Marco und Sibel schon. Sie sind Uni-Absolventen zwischen Berufseinstieg und prekärem Minijobberleben. Wie kann die Situation von Praktikanten verbessert werden?
Der Praktikant sollte ein Masterstudium werden.
3.
Gabri, 12.11.2009
Dabei wäre es so einfach, wenn sich Abiturienten, Studenten und Hochschulabsolventen ihres Wertes bewusst wären und auf die Bezahlung drängen würden, die ihrer Ausbildung und Tätigkeit angemessen ist. Auch Praktika, die zur Ausbildung gehören, müssen bezahlt werden. Dafür müssten sich Ausbildungsbetriebe und Universitäten stark machen. Alles andere ist verordnete Ausbeutung. Dass der Zivildienst hoffentlich bald abgeschafft wird, bietet eine erneute Chance, sich nicht mit der angeblichen Lebenserfahrung eines freiwilligen Sonstwie-Jahres ködern zu lassen und auf angemessen bezahlten Stellen zu bestehen. Sobald der Bedarf da ist, wird auch wieder Geld fließen. Gleichermaßen ist es sinnlos, in anderen Ländern nach der Schule als Billiglohner Äpfel zu pflücken oder Kinder zu hüten, um später bei Firmen mit Sprachkenntnissen zu punkten. Sprachen lernt man genauso gut und schnell durch sinnvolle Auslandssemester oder spätere bezahlte Berufstätigkeit im Ausland. Auch Land und Leute lernt man auf diese Weise kennen und tut darüber hinaus noch etwas für seine berufliche Qualifikation. Sollen die Firmen doch dafür geradestehen, wenn sie ihre Leute ins Ausland schicken wollen. Was unsere jungen Leute brauchen, ist ein schärferes Selbstbewusstsein und vielleicht ein bisschen Wut.
4. Ja, aber!
PeterShaw 12.11.2009
Zitat von GabriDabei wäre es so einfach, wenn sich Abiturienten, Studenten und Hochschulabsolventen ihres Wertes bewusst wären und auf die Bezahlung drängen würden, die ihrer Ausbildung und Tätigkeit angemessen ist. Auch Praktika, die zur Ausbildung gehören, müssen bezahlt werden. Dafür müssten sich Ausbildungsbetriebe und Universitäten stark machen. Alles andere ist verordnete Ausbeutung. Dass der Zivildienst hoffentlich bald abgeschafft wird, bietet eine erneute Chance, sich nicht mit der angeblichen Lebenserfahrung eines freiwilligen Sonstwie-Jahres ködern zu lassen und auf angemessen bezahlten Stellen zu bestehen. Sobald der Bedarf da ist, wird auch wieder Geld fließen. Gleichermaßen ist es sinnlos, in anderen Ländern nach der Schule als Billiglohner Äpfel zu pflücken oder Kinder zu hüten, um später bei Firmen mit Sprachkenntnissen zu punkten. Sprachen lernt man genauso gut und schnell durch sinnvolle Auslandssemester oder spätere bezahlte Berufstätigkeit im Ausland. Auch Land und Leute lernt man auf diese Weise kennen und tut darüber hinaus noch etwas für seine berufliche Qualifikation. Sollen die Firmen doch dafür geradestehen, wenn sie ihre Leute ins Ausland schicken wollen. Was unsere jungen Leute brauchen, ist ein schärferes Selbstbewusstsein und vielleicht ein bisschen Wut.
Ich stimme grundsätzlich zu. Ich sehe aber auch immer mehr tatendurstige junge Menschen, die sich von Eltern und der Note "4-" überreden lassen, bis ins Erwachsenenalter zu sitzen. Selbstbewusstsein könnte auch bedeuten, den ehrenwerten Beruf eines Handwerkers zu ergreifen.
5.
anin, 12.11.2009
Zitat von sysopSind Praktikanten die Sklaven ihrer Chefs? Oder sind unbezahlte Praktika eine Erfindung linker Spinner? Der Film "Résiste - Aufstand der Praktikanten" kennt die Antwort nicht. Saskia, Marco und Sibel schon. Sie sind Uni-Absolventen zwischen Berufseinstieg und prekärem Minijobberleben. Wie kann die Situation von Praktikanten verbessert werden?
Das Praktikantenunwesen konnte sich nur deshalb ausbreiten, weil es viele gut begüterte Eltern gibt, die ihre Kinder bis weit in deren 4. Lebensjahrzehnt finanziell unterstützen können!
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