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Krumme Lebensläufe: "Ein bisschen Tricksen ist erlaubt"

Vom Bankangestellten über ein Geschichtsstudium zum Werbetexter? Bei so einem Lebenslauf gucken Personalmanager schon mal kritisch. Wie die Bewerbung mit Zickzack-Lebenslauf trotzdem klappt, erklärt Personalberater Christian Püttjer im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

SPIEGEL ONLINE: Warum brauchen Bewerber mit krummen Lebensläufen besondere Beratung? Zick-Zack-Karrieren sind doch längst normal, das stört doch heute keinen Personalchef mehr.

Püttjer: Wenn diese Wendungen gut erklärt werden können, dann nicht. Aber Personaler sind darauf getrimmt, Lücken und Auffälligkeiten im Lebenslauf zu finden – und deshalb sollte man als Bewerber die Fragen, die dann mit Sicherheit kommen werden, auch schlüssig beantworten können. Ich würde sogar noch weiter gehen: Bei einer guten schriftlichen Bewerbung tauchen solche Fragen gar nicht erst auf - egal, wie wechselhaft mein bisheriges Leben war. Die Kunst ist es, einen roten Faden herzustellen und den Werdegang entsprechend zu glätten.

SPIEGEL ONLINE: Das hört sich nach einem Aufruf zum kreativen Erfinden an.

Püttjer: Ein bisschen Tricksen ist erlaubt, und man sollte sich in seiner Bewerbung ruhig als aktiv und zupackend darstellen – solange man bei Nachfragen dazu keinen roten Kopf bekommen muss. Dreistes Lügen geht aber gar nicht, das ist ganz klar. Man muss einfach wissen, dass Personaler neben den rein fachlichen Qualifikationen vor allem das Selbstbild eines Bewerbers überprüfen. Und wer da selbstbewusst rüberkommt, hat sicher keine Nachteile. Überheblichkeit allerdings wäre schon ein Problem, genauso wie eine Bewerbung, die allzu verdruckst und zurückhaltend klingt.

SPIEGEL ONLINE: Worauf sollten Bewerber beim Schreiben besonders achten?

Püttjer: Fangen wir mit dem Anschreiben an: Das sollte im Gutachten-Stil gehalten sein und Auskunft über meine beruflichen Hintergründe geben, so wie ich sie sehe. Wer an dieser Stelle zu formal argumentiert, so nach dem Motto: "Ich war Marketing-Assistent und würde gerne wieder in so einer Position arbeiten", der sammelt schon Minuspunkte. Formelle Berufsbezeichnungen sagen alleine nichts aus, viel wichtiger sind die konkreten Tätigkeiten. Das gilt auch für den Lebenslauf – der muss in seiner Aussagekraft schon deutlich über die reinen Stellenbezeichnungen hinausgehen.

SPIEGEL ONLINE: Also statt "Projektleiterin in einer Event-Agentur" lieber eine Auflistung konkreter Tätigkeiten?

Püttjer: Ja. Es ist ja auch viel aussagekräftiger, zu erfahren, welche Art von Veranstaltungen so jemand organisiert hat, um welche Zielgruppen es ging, ob das mit Reisetätigkeit zu tun hatte und welche organisatorischen Arbeiten dabei anfielen. Das ganze muss so eine Art Skill-Resumee sein, bei dem der Personalmensch am Ende weiß: Aha, das kann diese Frau also alles, und die häufigen Wechsel in ihrem Lebenslauf haben inhaltliche Gründe, die nachvollziehbar sind. Wer seinen Zick-Zack-Werdegang auf ein prinzipiell weit gestreutes persönliches Interesse zurückführt, ohne einen roten Faden deutlich zu machen, läuft sonst nämlich Gefahr, im Bewerbungsverfahren schon früh aussortiert zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Sie fordern damit eine neue Art von Bewerbung, die sich stärker auf Fähigkeiten bezieht als auf Titel. Ist das in den Köpfen der Bewerber schon angekommen?

Püttjer: Am ehesten haben das noch die aktuellen Hochschulabsolventen verinnerlicht, die ja oft auch während des Studiums verschiedenen Tätigkeiten nachgehen und das zu einem sinnvollen Lebenslauf zusammenfügen müssen. Aber gerade ältere Führungskräfte bewerben sich immer noch wie früher – weil sie es nie anders gelernt haben und diesen angelsächsischen Trend zum Skill-Resumee einfach nicht kennen.

SPIEGEL ONLINE: Wer den Trend aber kennt, kann damit alle Sprünge und Brüche im eigenen Leben wettmachen?

Püttjer: Eine Garantie gibt's natürlich nicht, aber man kann schon ziemlich viele Widersprüche auflösen und manche Klippen im Bewerbungsverfahren umschiffen. Bei allzu heftigen Zick-Zack-Kursen im Werdegang sollte man allerdings überlegen, ob man nicht einen professionellen Berater dazu nimmt. Das kann ein Buch dann natürlich auch nicht mehr leisten.

Das Interview führte Armin Himmelrath

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