Kulturschock in China: Leg den Dünndarm nicht in den Bauch zurück!

Tapfer liest sie sich in Peking durch 1000 Fragen zum Führerschein, kämpft um gebuchte Billigtickets, ist frustriert - und dann wieder überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Chinesen. Buchautorin Sonja Piontek berichtet aus einem ebenso sagen- wie grauenhaften Land.

Fotostrecke

14  Bilder
Chinglisch: "Bitte singen Sie nicht konfus"
Wer in Peking ein Restaurant besucht, wird auf der Speisekarte keinen Reis entdecken. Wer in China auf einer mehrspurigen Straße den rechten Fahrstreifen befährt, sollte sich nicht wundern, wenn Pfeile darauf hinweisen, dass er sich auf der Linksabbiegespur befindet. Wer zum Neujahrsfest Feuerwerkskörper kauft, sollte Verstärkung mitbringen: Sie haben bis zu hundert Schuss und sind oft so groß, dass sie mit weniger als drei Mann kaum zu tragen sind.

China ist ein sagenhaftes Land, sagen die einen. Andere finden es grauenvoll. In jedem Fall ist China völlig anders, als wir es uns im Westen vorstellen. Für mich hat China viele Facetten: von faszinierend, bunt, überwältigend, aufregend bis hin zu laut, absurd, chaotisch - aber vor allem eines: nie langweilig.

Ich hatte das Glück, als Marketing-Managerin drei Jahre in der Volksrepublik leben zu dürfen und die uns so fremde Kultur beruflich wie auch privat kennen und lieben zu lernen. Mittlerweile bin ich wieder zurück in Deutschland, um eine einmalige Erfahrung und einige wundervolle Freundschaften reicher.

Es fiel mir anfangs schwer, mich wieder an die Korrektheit des deutschen Straßenverkehrs zu gewöhnen, wo ich doch das Fahren auf Chinas schiefkrummen Straßen so genossen habe und auch viel gelernt habe über Ölpedale und Fahrzeuge mit Alarmapparaten mit spezieller Klangwirkung.

Ich weiß mittlerweile auch, wie peinlich es sein kann, eine Situation in einer so fremden Kultur zu be- oder gar verurteilen, ohne zu verstehen, um was es wirklich geht. Wir Westler betrachten chinesische Lösungen oft als chaotisch, dilettantisch und absurd - aber es ist eben nicht die einzige und vor allem nicht die einzig wahre Sichtweise. Und so kommt es im Alltagsleben häufig zu Situationen, in denen uns der Ausdruck "Maybe have problem" die Andersartigkeit der chinesischen Kultur bewusst werden lässt.

Von Sonja Piontek ist das Buch "China, die türkise Couch und ich" im Conbook Verlag erschienen. Die folgenden vier Geschichten sind Auszüge daraus.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Heute ?
laosichuan 10.05.2010
Zitat von sysopTapfer liest sie sich in Peking durch 1000 Fragen zum Führerschein, kämpft um gebuchte Billigtickets, ist frustriert - und dann wieder überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Chinesen. Buchautorin Sonja Piontek berichtet aus einem ebenso sagen- wie grauenhaften Land. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,679712,00.html
Hhm, klingt mir alles ein bisschen wie China vor 20 Jahren, heute ist vieles perfekt, manchmal schon ein bisschen zu perfekt durchorganisiert. Fluege und Hotels buche ich regelmaessig ueber Internet, bin Vielflieger, habe noch nie ein Problem beim Buchen gehabt. Ein entsprechend gut durchorganisiertes Internet-Reisebuero kenne ich in Deutschland nicht. Auch in meinem Buero ist schon mal ne Scheibe in kleinste Einzelteile gesprungen, wurde absolut fachmaennisch wieder eingesetzt, zu einer Tageszeit in der man in Deutschland nie nen Handwerker hinterm Fernseher hervorbekommen wuerde. Hilfsbereitschaft ... ist leider auch nicht mehr das, was sie frueher mal war, zumindest in Beijing nicht, da sind die Menschen meist recht ruppig. Oder ich sehe einfach nicht hilfsbeduerftig genug aus.
2. Führerschein...
fuleshu 10.05.2010
Tja, irgendwas hat Sonja wohl falsch gemacht. Ich habe 2001 in Kunming meinen deutschen/internationalen Führerschein umschreiben lassen, ohne irgendwelche Prüfungen ablegen zu müssen. Allerdings war der Führerschein auf die Dauer des Visums und die Provinz Yunnan beschränkt.
3. .
nanokain 10.05.2010
Zitat von fuleshuTja, irgendwas hat Sonja wohl falsch gemacht. Ich habe 2001 in Kunming meinen deutschen/internationalen Führerschein umschreiben lassen, ohne irgendwelche Prüfungen ablegen zu müssen. Allerdings war der Führerschein auf die Dauer des Visums und die Provinz Yunnan beschränkt.
Und obendrein war das vor neun Jahren. Es wird eben auch dort mit der Zeit nicht immer alles besser - das wäre die andere Variante zu "irgendwas hat die falsch gemacht..."
4. ...
neon.apocalypse 10.05.2010
Der auf den ersten Blick sehr chaotisch erscheinende chinesische Straßenverkehr gehorcht tatsächlich einfachsten darwinistischen Ideen. (Bus hat vorfahrt vor Auto, teueres Auto vor Kleinwagen, Auto vor Motorrad, Motorrad vor Fahrrad - und Fußgänger werden einfach nur gejagt) Wer sich einmal damit arrangiert hat, kommt wunderbar zurecht. So fand ich dieses Modell nach meiner Rückkehr nach Deutschland teilwese sogar besser, denn Autofahrer übersehen (beim Rechtsabbiegen z.B.) einfacher einen Fahrradfahrer, als ein Fahrradfahrer ein Auto übersieht.
5. Im Osten Nichts Neues
seeradler 10.05.2010
Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen. Ich habe mit deutschen Reisebüros schon viel mehr Ärger gehabt als mit chinesischen. Über die fehlerhaften Führerscheinübersetzungen kann man sich amüsieren, beschweren darf man sich allerdings nicht. Wir Deutschen können in China genausowenig gute Übersetzungen der chinesichen Führerscheinfragen erwarten wie die Chinesen chinesische Übersetzungen der Fragen bei uns. Im Übrigen würde ich sagen: Es gilt wohl für jedes Land, dass man eine Handvoll solcher Anekdoten berichten kann, wenn man dort erstmal 3 Jahre gelebt hat. Da ist China keine Ausnahme.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Job & Beruf
RSS
alles zum Thema Kulturschock
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 35 Kommentare
Zur Autorin

Nick May

Sonja Piontek (Jahrgang 1976) studierte Kulturwirtschaft mit Schwerpunkt Südostasien in Passau und Padjadjaran (Indonesien). Drei Jahre lang lebte und arbeitete sie in Peking als Marketing-Managerin - und schrieb darüber das Buch "China, die türkise Couch und ich" (Conbook Verlag).

Fotostrecke
Kulturschock: Arbeiten in fremden Welten

Kulturschock

Klicken Sie auf die Markierungen, um Teile der Serie auszuwählen.


Quiz

AP
Das Auswahlverfahren des Auswärtigen Amtes hat es in sich: Angehende Attachés müssen sich in vielen Bereichen auskennen. Testen Sie im SPIEGEL-ONLINE-Diplomatie-Quiz , ob ein Diplomat in Ihnen steckt - ein Parcours mit 74 kniffligen Fragen zu Allgemeinwissen, Ökonomie, Geschichte und Politik. mehr...
Serie "Kulturschock"
Wer im Ausland arbeitet, erst recht in exotischen Ländern, erlebt oft einen Kulturschock - und erwischt spielend die Fettnäpfe, im Berufsleben wie in der Freizeit. Was haben Sie in fernen Ländern erlebt? Schicken Sie eine E-Mail an kulturschock@spiegel.de

Fotostrecke
Kulturschock in Indonesien: Arbeitsplatz Austerfarm