Jaaa, der Alkohol hatte vermutlich auch etwas damit zu tun. Wir waren schon alle ziemlich betrunken, als es zu dem Karaoke-Zwischenfall kam...

Karaoke-Bar: Einladung niemals ablehnen
Aber was sollten wir machen? Das Motto war tabehodai/nomihodai, also "All you can eat/all you can drink". Und daran haben wir uns gehalten. Schließlich hatten wir für das Shabu-shabu, dieses japanische Fondue, ein Heidengeld hingelegt.
Gut, vielleicht wurden wir ein bisschen zu sehr von den japanischen Mädels am Nachbartisch angespornt, die davon ausgingen, dass wir als Deutsche sehr viel Bier vertragen können. Und ja, vielleicht auch davon, dass die Bedienung aufgeregt zu tuscheln begann, als wir unser erstes Bier in Rekordzeit hinuntergestürzt hatten.
Möglicherweise hat unser Auftritt gegen Ende ein wenig unter dem Umstand gelitten, dass Andreas sich versehentlich die Zigarette am Filter angezündet hat - aber alles in allem haben wir den Ruf der Deutschen als trinkfeste Nation doch tapfer unterstützt.
Zumindest scheinen wir die Mädchen vom Nachbartisch so weit beeindruckt zu haben, dass sie uns überreden, noch gemeinsam in eine Karaoke-Bar zu gehen. Also los. Diese Einladung sollte man vor allem im Geschäftsleben niemals ablehnen.
In Japan gibt es den Begriff nomunication (von nomu = trinken und communication), und oft ist das gemeinsame Trinken der einzige Weg, mal ungestraft Dampf abzulassen oder die eigene Meinung zu vertreten. Wer da nicht mitzieht, hat anscheinend etwas zu verbergen oder - noch schlimmer - will nicht zum Team gehören.
Höflicher Applaus plus Blamage gratis
Ich will natürlich dazugehören. Darum greife auch ich zum Mikrofon, nachdem eine der Japanerinnen eine eher eigenwillige Interpretation von Frank Sinatras "My Way" beendet hat. Mit "99 Luftballons" und "Dschingis Khan" ist immerhin auch deutsches Liedgut im Repertoire enthalten. Nun ja.
Meine Singstimme hat noch niemanden begeistert, so bin ich auch diesmal nicht überrascht vom allzu höflichen Applaus. Was ich noch nicht ahne: Ich habe mich schon wieder blamiert! Andreas klärt mich darüber auf, dass man nicht einfach loslegt, sondern eigentlich wartet, bis man vom Gastgeber zum Singen aufgefordert wird. Hoppla.
Wir haben uns noch häufiger in Japan blamiert - viel häufiger. Trotzdem sind immer alle verständnisvoll und nett geblieben. Letztlich erwarten Japaner gar kein perfektes Benehmen von unwissenden gaijin (Ausländern), das gilt auch für die Geschäftswelt.
Aber es gilt auch als ein Zeichen von Respekt, sich vorher mit den Sitten und Gebräuchen auseinanderzusetzen und diese so gut wie möglich zu beachten. So kann es zum Beispiel nicht schaden, beidseitig bedruckte Visitenkarten (auf einer Seite deutsch, auf der anderen japanisch) dabei zu haben. Oder ganz einfach zu wissen, was ein "ja" alles bedeuten kann.
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