Kulturschock in Japan: Verdammt, wo sind die Klo-Pantoffeln?

Und sie dachten, sie wüssten Bescheid: Vor ihrer ersten Japan-Reise hatten Kerstin und Andreas Fels sich gründlich vorbereitet. Und benahmen sich trotzdem wie die "Axt im Chrysanthemenwald". Fünf Tage, fünf Fallen - auf SPIEGEL ONLINE erzählen sie, was alles schiefgehen kann.

Erster Tag - Kerstin in der Höflichkeitsfalle

Der erste Tag in Tokio ist furchtbar! Alles ist voll und bunt und hektisch und laut. Aus den Pachinko-Hallen dröhnt ohrenbetäubendes Geklapper, die Ampeln machen Vogelzwitscherlaute, überdimensionierte Werbespots schallen von den Hauswänden. Und alle Frauen sind besser angezogen als ich. Selbst die ganz jungen Mädchen schwenken schon sündhaft teure Designer-Täschchen.

Während wir uns von den Menschenmassen durch die Straßen treiben lassen, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob es so eine gute Idee war, meinen Freund Andreas nach Japan zu begleiten. Er hat immerhin Japanologie studiert und versteht die Sprache. Für mich dagegen sind die Schriftzeichen, die kanji, noch um einiges unverständlicher als der Gesang von Blauwalen.

Bei Komplimenten immer abwiegeln

Zum Glück finde ich im nächsten Supermarkt Altvertrautes. Zwischen Speiseeis in Geschmacksrichtung Krabben und eckigen Wassermelonen gibt es hier Baumkuchen... Meine Wahl fällt dann allerdings auf einen Schokoriegel mit Kastanien-Geschmack. Beim Bezahlen an der Kasse bedankt sich die nette Verkäuferin mit einem strahlenden Lächeln und einer Verbeugung. Ich murmele schnell etwas, das wie domo arigato (vielen Dank) klingt, und verbeuge mich ebenfalls.

Und hab mich schon blamiert. Denn das Verbeugen des Käufers ist mehr als unnötig und bringt die Verkäuferin in Verlegenheit. Nun müsste sie sich eigentlich wiederum mit einer Verbeugung für die Verbeugung bedanken und so weiter. Ein kurzes Nicken reicht also allemal.

Die Höflichkeitsfalle lauert in Japan auch im Geschäftsleben. Von den komplizierten Ritualen der Visitenkartenübergabe (immer mit beiden Händen überreichen und annehmen) über die Kunst, mit dem richtigen Maß an Bescheidenheit auf ein Lob zu reagieren (immer abwiegeln) bis hin zum Krawattenzwang bei der Kleiderordnung (auch bei sengender Hitze) - Fettnäpfchen gibt es jede Menge. Zum Glück ahnen wir zu diesem Zeitpunkt nicht, was noch alles schieflaufen wird...

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Forum - Ihr größter Kulturschock?
insgesamt 235 Beiträge
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1. Was soll man sagen
TommIT, 05.05.2009
in Indien typisch deutsch direkt aufs Thema zuzusteuern oder gar als Kontaktaufnahme zuerst ne E-Mail loszuschiessen (No go). Dann sollte man sich besser mit Geduld wappnen...mit sehr sehr sehr viel Geduld. Und Kopfnicken ist keine Zustimmung und seinen deutschen Zeitbegriff sollte man schnell ablegen.
2.
LouisWu 05.05.2009
Als ich das erste Mal nach Düsseldorf kam und sah, dass mich meine Kölner Freunde und Verwandten belogen hatten. Die hatten in Düsseldorf doch richtige Straßen und sogar elektrischen Strom, auch die Nachttöpfe wurden nicht einfach aus dem Fenster auf die Straße entleert. Gut, die Menschen dort sind eher einfach gestrickt. Aber das macht nichts, da muß man eben etwas langsamer sprechen... ;-o))
3.
mooksberlin, 05.05.2009
Zitat von sysopWer im Ausland arbeitet, erst recht in exotischen Ländern, erlebt oft einen Kulturschock - und erwischt spielend die Fettnäpfe, im Berufsleben wie in der Freizeit. Was haben Sie in fernen Ländern erlebt?
Ich finde es interessant, dass in dem Beitrag zu Japan wieder einmal die ganz ollen Kamellen aufgewärmt werden. Eigentlich sollte man im Zeitalter von €399 Flügen nach Tokyo meinen, dass auch der Normalbürger sich selbst ein Bild des Landes der aufgehenden Sonne machen kann, doch scheinbar wird das von den Japanern selbst geschürte Bild vom "wir sind so anders" auch gerne von deutschen Redakteuren übernommen. Zum einen gibt es schon seit einigen Jahren im Sommer keinen "Krawattenzwang" mehr, dieser wurde während der "Cool Japan" Kampagne des Ex-Premiers Koizumi aufgehoben, dieser hatte wohl selbst keine Lust auf nen Strick um den Hals und verkaufte den Verzicht als eine Massnahme gegen die Klimerwärmung, da man ohne Krawatte die Klimaanlage im Büro nicht so kalt einstellen müsse. Exotische Lebensmittel gibt es genug, jedoch von Krabbeneis habe weder ich noch all meine japanischen Freunde je gehört, wenn es dies gibt, dann ist es garantiert nicht Mainstream. Auch wird das dezente Naseputzen in ein Taschentuch, insbesondere bei Ausländern, schon seit Jahren toleriert, das konstante Nasehochziehen hingegen wird auch von vielen jungen Leuten (insbesondere von Frauen) mit Argwohn betrachtet. Auch hatte ich noch nie Probleme mit dem Taxi dort anzukommen wo ich eigentlich hin wollte. Ich frage den Taxifahrer immer ob er weiss wo das Ziel liegt und hatte schon häufig ein direktes "Nein" zur Antwort. Man sollte allerdings in etwa wissen wo das Ziel liegt vor der Abfahrt, sonst kann es schon mal problematisch werden. So hatte ich vor 2 Jahren die Schwierigkeit ein Taxi für einen Kollegen zu bekommen welches ihn ins neu erbaute Hotel "Peninsula" bringen konnte. Mehrere Taxifahrer lehnten die Fuhre ab, da sie noch nie von diesem Luxushotel gehört hatten und dann nicht einen "Gaijin" im Auto sitzen haben wollten, der sich beschwert.
4.
HariboHunter, 05.05.2009
Grosse Kulturschocks: -In China Nanjing, wo ich Huehnerembyos mit den Staebchen aus dem Ei rauspulen und essen sollte. (Hund dagegen war lecker.) - In Mexiko Saltillo, als mir ein 8 Jaehriger Junge in einem grossen Kaufhaus die Einkaufstuete zusammengepackt hat und ich echte Cowboys zu sehen bekam. - Letzten Samstag beim Kentuckyderby, wo neben mir plotzlich eine Frau fuer eine Plastikhalskette Ihre Brueste auspackte. Dieses Verhalten scheint im prueden Amerika sehr ueblich zu sein. Hatte mich schon gewundert warum so viele Maenner bei Veranstaltungen mit den Ketten rumlaufen.
5.
TommIT, 05.05.2009
Zitat von HariboHunterGrosse Kulturschocks: -In China Nanjing, wo ich Huehnerembyos mit den Staebchen aus dem Ei rauspulen und essen sollte. (Hund dagegen war lecker.) - In Mexiko Saltillo, als mir ein 8 Jaehriger Junge in einem grossen Kaufhaus die Einkaufstuete zusammengepackt hat und ich echte Cowboys zu sehen bekam. - Letzten Samstag beim Kentuckyderby, wo neben mir plotzlich eine Frau fuer eine Plastikhalskette Ihre Brueste auspackte. Dieses Verhalten scheint im prueden Amerika sehr ueblich zu sein. Hatte mich schon gewundert warum so viele Maenner bei Veranstaltungen mit den Ketten rumlaufen.
Was genau hat sie da denn geschockt, wenn ich fragen darf, waren die eckig wie die japanischen Melonen?
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